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So könnte die Impfung gegen COVID-19 verteilt werden

Was ist aktuell über eine mögliche Corona-Impfung bekannt?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Wir haben zurzeit sieben verschiedene Impfstoffe in der Entwicklung, in unterschiedlichen Stadien, soweit man etwas darüber erfährt, und absehbar sind vermutlich zwei Impfstoffe so weit, dass sie eine sogenannte Not- oder voraussichtliche Zulassung bekommen können. Vermutlich zuerst in den USA, möglicherweise noch im November oder im Dezember. Das ist zurzeit der aktuelle Stand. Wann dann diese Zulassung auch für Europa gilt, ist noch nicht ganz klar. Das könnte zum Jahreswechsel oder Anfang des Jahres der Fall sein."

Wie kann der Impfstoff eingesetzt werden?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Auch hier gilt, dass zumindest die beiden Impfstoffe, die zurzeit die Nase vorn haben im Rennen, vermutlich Impfstoffe sein werden, die relativ hohe Ansprüche an Lagerung an Logistik haben z.B. bei minus 75 Grad gelagert werden müssen. Das heißt, die Transportketten sind recht komplex. Das ist die eine Herausforderung am Anfang, die unterschiedlich zu sonstigen Impfstoffen bisher ist. Und die zweite ist, dass aller Voraussicht nach am Anfang nicht gleich so viele Dosen zur Verfügung stehen, dass alle Menschen, die geimpft werden sollten, auch gleichzeitig geimpft werden können. Es muss zweimal geimpft werden bei allen Impfstoffen, die bisher im Rennen sind."

Welche Rolle spielen die Niedergelassenen?


Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Wir gehen fest davon aus, dass eine Impfung großer Teile der Bevölkerung überhaupt nur möglich ist, wenn die Vertragsärztinnen und Vertragsärzte impfen. Impfen ist Arztsache, insbesondere und ganz klar bei einem neuen Impfstoff, den noch keiner so ganz genau kennt. Und die Menge an Impfungen, die wir brauchen: Es wurde ja zu Recht gesagt, es müssten idealerweise 60 Prozent der Bevölkerung durchimpft werden. Das sind so viele Menschen, dass es ohne die Vertragsärztinnen und -ärzte überhaupt nicht gehen wird."

Tauschen Sie sich mit dem BMG aus?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Wir sind in einem sehr engen Dialog mit dem Bundesministerium für Gesundheit. Wir haben dieselbe Herausforderung. Natürlich muss möglichst viel zum Impfen zentral und bundeseinheitlich geregelt werden, da alle Menschen das gleiche Recht und den gleichen Anspruch haben, nach den gleichen Regeln versorgt zu werden. Auf der anderen Seite ist Impfen Ländersache und es gibt sicher auch viele Gründe, warum das eine oder andere wiederum regional geregelt werden muss. Und in diesem Dialog, in diesem Austausch mit dem BMG, geht es uns vor allem darum, Dinge zu regeln, die wirklich zentral und gleich geregelt werden müssen. Das ist dann tatsächlich die Frage: Wie wird informiert über das Impfen? Wie wird aufgeklärt? Welche Bürgerinnen und Bürger, welche Kohorten werden gebildet, die zuerst geimpft werden müssen? Es muss eindeutig z.B. durch den Gesetzgeber priorisiert werden und es sollten immer nur Kohorten, also Impf-Gruppen aufgerufen werden, in einer Zahl, wie auch überhaupt Impfstoff vorhanden ist. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist den Eindruck zu erwecken, dass möglichst viele sich melden sollen zum Impfen, um nachher zu sagen es ist nicht genug Impfstoff für euch da. Das heißt, das muss dringend korreliert werden und das muss sicher über den Bund erfolgen. Das muss bundesweit in ganz Deutschland gelten."

Gibt es Sorgen der KVen?


Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Ja, es gibt beträchtliche Sorgen, insbesondere wenn z.B. die Priorisierung nicht ganz klar kommuniziert wird und wenn nicht die Kohorten korreliert werden mit den vorhandenen Impfstoff-Dosen, das ist eine Hauptsorge. Die zweite Sorge ist: Wie ist das mit der Terminierung? Wenn man z.B. die 116 11 7, das ist nun mal die Nummer, die bekannt ist nutzt, wie schafft man es, dass diese Nummer nicht völlig überfordert wird mit Impftermin-Anfragen? Das ist eine große Herausforderung, die wir uns sicher sehr genau überlegen müssen und für die wir auch eine Antwort finden müssen, zusammen mit den Ländern. Es gibt weitere Sorgen, über die Frage: Wie ist der Impfstoff zu lagern, zu transportieren? Muss man erst einmal zentral in Impf-Zentren impfen? Das wird vermutlich so sein. Und wann kann man dann dazu übergehen, in den Praxen zu impfen?"

Wie soll das Impfen organisiert werden?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Wir haben in einem Arbeitspapier jetzt mit dem Bundesministerium zusammen eine Vorstellung, die sich weitgehend deckt. Wir gehen da von drei großen Kategorien aus. Die 1a-Kategorie: Es gibt nur wenig Impfstoff-Dosen am Anfang und dort sollten dann insbesondere natürlich die Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, die Gesundheitsberufe geimpft werden, damit dort ein Schutz sowohl der Betroffenen, die die Arbeit machen, die wir dringend brauchen, als auch der schutzbefohlenen kranken Menschen, die versorgt werden, dann über weitere Gruppen wie z.B. Polizei, Feuerwehr, die wir fürs Funktionieren der Gesellschaft brauchen und die ungefähr auch mengenmäßig mit den vorhandenen Impfstoff-Dosen am Anfang vermutlich korrelieren werden. In einer zweiten Phase 1b, wenn dann weiterer Impfstoff verfügbar ist, sollten zuerst natürlich die besonders vulnerable Gruppen z.B. diejenigen, die zuhause hoch gefährdet sind, die in Alten- und Pflegeheimen leben, versorgt werden, und in einem Stadium 2 oder 3, wenn man von 1a/b ausgeht, in einem Stadium 2 sind, dann sind wir dann, wenn es so viel Impfstoff gibt, wie vielleicht nächstes Jahr im März, April möglicherweise in Aussicht, dass wir wirklich den Impfstoff in den Praxen verteilen können und über die Praxen, wie das alle kennen, impfen können und damit dann auch sehr schnell sehr große Zahlen der Bevölkerung impfen können. Das wird sozusagen das am besten zu erreichende Stadium sein, 1a, 1b und 2, so wie eben skizziert - das wird wahrscheinlich die Aufteilung sein, wie sie am Anfang statthaft und geboten ist."

Wie geht es nun weiter?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Ja, wir sind jetzt mit den Ländern gemeinsam alle in Vorbereitung für solche Impf-Zentren und in Vorbereitung für ein Terminvergabe-System, in Vorbereitung für die Aufklärung, die sicher gemeinsam gemacht werden muss und einheitlich gemacht werden muss. Das sind aber alles noch Sandkastenspiele, denn was wir am Ende tatsächlich brauchen, ist eine Zulassung für einen Impfstoff. Denn erst mit der Zulassung wird dann ein Beipackzettel fertig sein, in dem auch drinsteht, was bei dieser Impfung zu beachten ist. Es könnte uns ja noch passieren, dass der erste Impfstoff, der kommt, überhaupt nicht zugelassen ist für Menschen ab einer bestimmten Altersgruppe oder oder oder. Sodass auch dort noch Einschränkungen dazukommen können oder Besonderheiten, die wir noch nicht antizipiert haben. Wir bereiten jetzt alles vor nach den Szenarien wie eben skizziert und können aber dann ganz konkret erst umsetzen und in die Umsetzung gehen, wenn wir wissen, welcher Impfstoff mit welchen Applikations-Bedingungen und in welcher Menge wird denn an welchem Tag überhaupt da sein. Das ist im Moment nicht klar. Das kann niemand exakt beantworten. Die Planungen sind so, dass wir Mitte Dezember aber einsatzbereit wären."

Würden Sie sich impfen lassen?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Ja, das würde ich ohne Zweifel tun. Ich lasse mich gegen alle Dinge impfen, gegen die man sich impfen lassen kann, vorausgesetzt, das scheint hier der Fall zu sein, der Impfstoff ist regulär erarbeitet worden, hat die üblichen Prüfstadien auch durchlaufen und hat eine entsprechende Zulassung der relevanten Institute bekommen."

Eine flächendeckende Impfung könnte der Corona-Pandemie ein Ende setzen. Deshalb laufen die Vorbereitungen, um zukünftig zugelassene Impfstoffe möglichst schnell gut verteilen zu können. Eine wesentliche Rolle werden dabei die Niedergelassenen spielen, sagt Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.