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Ambulante spezialfachärztliche Versorgung

Hämophilie

Seit 4. Juli 2019

Hämophilie ist die siebte seltene Erkrankung, die Ärzte bei Patienten in der ASV behandeln können. Alle Details stehen in Anlage 2c zur ASV-Richtlinie.

Zusammensetzung des ASV-Teams

Die Teamleitung (Ebene 1) können Fachärzte für Innere Medizin - auch ohne Schwerpunktbezeichnung-, Hämatoonkologen oder Transfusionsmediziner übernehmen – jeweils mit Zusatz-Weiterbildung Hämostaseologie. Zum Kernteam (Ebene 2) zählen darüber hinaus Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Diese Ärzte können hinzugezogen werden (Ebene 3):

  • Allgemeinchirurg

  • Gastroenterologe (sofern nicht im Kernteam vertreten)

  • Gynäkologe

  • Hals-Nasen-Ohren-Arzt

  • Humangenetiker

  • Laboratoriumsmediziner

  • Psychiater und Psychotherapeut (ärztliche und psychologische) und Psychosomatiker

  • Radiologe

Kinder und Jugendliche: Besonderheiten bei der Teambildung

Ebene 1: Sofern Kinder und Jugendliche behandelt werden, kann alternativ ein Kinder- und Jugendmediziner mit Zusatz-Weiterbildung Hämostaseologie die Teamleitung übernehmen.

Ebene 2: Für die Zusammensetzung des Kernteams gilt, dass ein Kinder- und Jugendmediziner mit Zusatz-Weiterbildung Hämostaseologie obligat teilnehmen muss. Diese Funktion kann auch ein Kinder- und Jugendmediziner ohne die genannte Qualifikationen übernehmen, sofern kein entsprechender Experte gefunden werden kann. Jedoch kann nur der hämostaseologische Experte auch die Funktion der Teamleitung (Ebene 1)übernehmen.

Ebene 3: Für die Gruppe der hinzuzuziehenden Ärzte besteht die Möglichkeit, zusätzlich einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder einen Kinder- und Jugendmediziner mit Zusatz-Weiterbildung Kinder-Gastroenterologie als Teammitglied zu benennen.

Patientengruppe und Erkrankung

Das Angebot richtet sich an alle Patientinnen und Patienten mit folgenden hereditären oder erworbenen Faktormangelzuständen und sonstigen Koagulopathien, sofern sie mit einer dauerhaft behandlungsbedürftigen Hypokoagulabilität verbunden sind:

  • D66 Hereditärer Faktor-VIII-Mangel
  • D67 Hereditärer Faktor-IX-Mangel
  • D68.0- Willebrand-Jürgens-Syndrom
  • D68.1 Hereditärer Faktor-XI-Mangel
  • D68.2- Hereditärer Mangel an sonstigen Gerinnungsfaktoren
  • D68.31 Hämorrhagische Diathese durch Vermehrung von Antikörpern gegen Faktor VIII
  • D68.32 Hämorrhagische Diathese durch Vermehrung von Antikörpern gegen sonstige Gerinnungsfaktoren
  • D68.38 Sonstige hämorrhagische Diathese durch sonstige und nicht näher bezeichnete Antikörper
  • D68.4 Erworbener Mangel an Gerinnungsfaktoren
  • D68.8 Sonstige näher bezeichnete Koagulopathien

Auch die Abklärung einer Verdachtsdiagnose kann in der ASV erfolgen.

Behandlungs- und Leistungsumfang

Ärzte mit einer ASV-Berechtigung für Hämophilie können die Leistungen abrechnen, die im Wesentlichen zur Diagnostik, Behandlung und Beratung erforderlich sind. Welche Leistungen konkret zur ASV gehören, weist ein Ziffernkranz, der sogenannte Appendix, in der Anlage 2c der ASV-Richtlinie aus.

Neben EBM-Gebührenordnungspositionen (Abschnitt 1) enthält der Appendix auch neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die noch nicht Bestandteil des EBM sind, aber im Rahmen der ASV angewendet werden dürfen (Abschnitt 2).

Die aktuellen Abrechnungsgrundlagen für die einzelnen ASV-Krankheiten stellt das Institut des Bewertungsausschusses (InBA) online bereit:

Appendix: Aktuelle Abrechnungsgrundlage des InBA

Abrechnung von Abschnitt-2-Leistungen: Pseudoziffern und GOÄ

Der Appendix stellt die Abrechnungsgrundlage dar, die Abrechnung selbst erfolgt auf Basis des EBM. Mit einer Ausnahme: Die Leistungen aus dem Abschnitt 2 des Appendix rechnen ASV-Ärzte nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab – mit den für die ASV festgelegten Gebührensätzen (Laborleistungen 1-facher, technische Leistungen 1,2-facher und übrige ärztliche Leistungen 1,5-facher Gebührensatz).

Allen Leistungen im Abschnitt 2 sind bundeseinheitliche Pseudoziffern zugeordnet (z. B. 88500 für PET und PET/CT).

Zu diesen Pseudoziffern geben Ärzte bei der Abrechnung die zutreffenden GOÄ-Nummern und die sich aus den Gebührensätzen ergebende Vergütung an. Wie jede ASV-Leistung, muss auch diese Pseudoziffer bei der Abrechnung mit der ASV-Teamnummer gekennzeichnet werden.

Die Kennzeichnung mit Pseudoziffern und die Vergütung nach der GOÄ erfolgen immer solange, bis die entsprechende Leistung in den EBM-Bereich VII aufgenommen wurde.

Hinweis: Ausgenommen von der Regelung sind ASV-Leistungen, die auch in der Onkologie-Vereinbarung (Anlage 7 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte) enthalten sind. Sie werden bis zu ihrer Aufnahme in den EBM nach den regionalen Kostenpauschalen des Anhangs 2 der Onkologie-Vereinbarung vergütet.

Übersicht der aktuellen Pseudoziffern

Pseudoziffer Bezeichnung ASV-Indikation
88500 PET beziehungsweise PET/CT
  • Gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle
  • Gynäkologische Tumoren (ohne Mammakarzinom)
  • Urologische Tumoren
  • Rheumatologische Erkrankungen (Teil 1 Erwachsene)
  • Hauttumoren
88506 Spezifische Untersuchung mit Genexpressionsanalyse
  • Gynäkologische Tumoren (Subspezialisierung  Mammakarzinom und Gynäkologische Tumoren ohne Subspezialisierung)
88512 Gespräch mit dem Patienten zur oralen Chemotherapie
  • Urologische Tumoren
88513 Transiente Elastographie bei gesicherter Diagnose mit dem Ziel der Verlaufskontrolle und Frequenzreduktion von Leberbiopsien bis zu zweimal jährlich
  • Morbus Wilson
  • Ausgewählte seltene Lebererkrankungen
88514 Erstellung oder Aktualisierung des Medikationsplans (vgl. § 5 Absatz 3 ASV-Richtlinie)
  • Hämophilie

88515 Ärztliche Behandlung und/oder Betreuung eines Patienten mit Hämophilie durch den Transfusionsmediziner mit Zusatzweiterbildung Hämostaseologie (analog den Leistungsinhalten der Grundpauschale im EBM)
  • Hämophilie
88516 Beobachtung und Betreuung bei (Radio-)Chemotherapie für Strahlentherapeut (analog der Zusatzpauschale im EBM)
  • Gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle
  • Gynäkologische Tumoren
  • Urologische Tumoren

Anforderungen an das ASV-Team

Neben allgemeinen Anforderungen, die für alle ASV-Indikationen gelten, gibt es spezielle Qualitätsvorgaben, die das ASV-Team für Hämophilie erfüllen muss.

Organisation und Kooperation

Das ASV-Team muss bei Bedarf eine Zusammenarbeit mit sozialen Diensten sowie Physiotherapie sicherstellen. Ein Kooperationsvertrag ist nicht notwendig. Es muss eine Zusammenarbeit - mit vertraglicher Vereinbarung - mit der Fachdisziplin Zahnheilkunde bestehen.

Außerdem müssen eine 24-Stunden-Notfallrufbereitschaft organisiert werden sowie ein Notfall-Labor und eine im Notfall erforderliche bildgebende Diagnostik möglich sein. Gerinnungspräparate müssen permanent vorgehalten werden.

Dokumentation

Ärzte dokumentieren die Befunde – einschließlich Diagnose nach ICD-10-GM sowie das Zusatzkennzeichen zur Diagnosesicherheit –, die Behandlungsmaßnahmen sowie die veranlassten Leistungen inklusive Behandlungstag.

Mindestmengen

Das Kernteam muss pro Jahr mindestens 30 Patientinnen und Patienten mit schwerer Hämophilie (F VIII bzw. F IX < 1 % sowie Willebrand-Jürgens-Syndrom mit dauerhaft behandlungsbedürftiger Hypokoagulabilität) mit gesicherter Diagnose behandeln.

Berechnung der Mindestmengen

Für die Berechnung der Mindestmengen ist die Summe aller Patienten maßgeblich, die die Mitglieder des Kernteams pro Jahr behandeln. Wird die Mindestmenge nicht erfüllt, kann das Team seine Berechtigung verlieren.

Um eine ASV-Berechtigung zu erhalten, muss das ASV-Team mindestens 50 Prozent der Mindestmenge in den letzten vier Quartalen vor Antragstellung nachweisen.

Ausnahme: Im ersten Jahr als ASV-Team können die Mindestbehandlungszahlen ebenfalls um 50 Prozent unterschritten werden.

Überweisungen

Möchte ein Nicht-ASV-Arzt einen Patienten mit Verdachtsdiagnose oder mit gesicherter Diagnose einer Hämophilie in einem ASV-Team behandeln lassen, ist eine Überweisung erforderlich. Er verwendet hierzu wie gewohnt den Überweisungsschein (Formular 6).