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Auslaufende Sicherheitszertikate: Konnektoren müssen getauscht werden

Die Konnektoren müssen in allen Praxen ausgetauscht werden…

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: „Die Konnektoren müssen ausgetauscht werden, ja, und das betrifft grundsätzlich alle, aber gestaffelt. Lassen Sie mich noch eins dazu sagen: Warum das überhaupt notwendig ist, das trifft auf viel Unverständnis. Das sind Geräte, die letztlich zu Elektroschrott werden. Die kann man nicht mehr weiter nutzen. Warum muss das sein? Es muss deshalb sein, weil die Geräte als Sicherheitsmerkmale eine 5-jährige Laufzeit in sich tragen. Nach fünf Jahren gibt das Gerät, ich sage es mal so platt, seinen Geist auf. Es kann nicht mehr benutzt werden. Es ist ein Sicherheits-Feature gewesen. Und jetzt ist es so, dass wir die Hoffnung hatten, die TI 2.0 käme, dass dann eine neue Technologie diese Technologie ablöst. Das ist aber aus Gründen einfach der Komplexität der neuen Technik nicht so schnell möglich. Also müssen all diese Geräte, die in den Praxen stehen, ausgetauscht werden. Aber direkt mal zur Entwarnung: Dieses Jahr, kurzfristig, betrifft das nur die Konnektoren, die zuerst ausgestattet worden sind in die Praxen. Das sind die von CGM. In diesem Jahr etwa 15.000. Das wird im Herbst fällig werden. Die Hersteller haben uns versichert, dass sie rechtzeitig auf die Praxen zugehen, ihnen sagen, wann ihr Gerät aufhört mit der Lebensdauer und dass sie gleichzeitig auch ein Austausch-Angebot machen.“

Warum hat sich die KBV für diesen Austausch stark gemacht?

„Wir haben uns als Gesellschafter in der gematik auch dafür ausgesprochen. Wir haben auch dafür gestimmt. Ja, das stimmt. Aber stark gemacht nur deshalb, weil die gematik nach ausreichender Prüfung auch mit den Herstellerfirmen der Konnektoren uns keine sichere Alternative hat anbieten können. Wir haben also das kleinste Übel genommen. Wir wollten nicht, dass wir die Arztpraxen mit dem Risiko alleine lassen, dass sie eventuell eine Softwarelösung bekommen, von dem der Hersteller selbst sagt: "Ich kann nicht garantieren, dass damit der Konnektor nicht ausfällt." Und das Risiko war uns zu groß. Denn jetzt sind wir inzwischen in einer Phase der Digitalisierung, wo auch Massenprozesse wie das eRezept demnächst und die eAU jetzt in die Massenanwendung gehen. Und wenn dann ein Konnektor ausfällt, dann fällt ein Großteil der Praxis-Tätigkeit aus. Das Risiko wollten wir keiner Praxis zumuten und deshalb haben wir auch dafür gestimmt. Aber ich muss noch mal sagen: Es gab keine andere realistische Alternative dazu.“

Ist eine TI 2.0 überhaupt notwendig?

„Die Praxen wären froh, wenn sie endlich mal eine Installation in der Praxis haben, die funktioniert. Und das kommt langsam, mit der bisherigen Technik. Aber es ist so: Die die Philosophie der Nutzung der Konnektoren, die ist immer noch sicher, aber ist nicht mehr zeitgemäß. In den Grundzügen ist diese Technologie 20 Jahre alt, vielleicht sogar noch älter. So, und jetzt, wenn man heute mit einer TI starten würde, dann würde man Softwarelösungen nehmen. Das ist Stand der Technik, State of the Art, und das wird auch versucht, weil sich ja auch die Telematikinfrastruktur weiterentwickeln muss, technisch auf dem Stand bleiben muss und deshalb wird das kommen und dann braucht man eben keine Konnektoren mehr. Aber diese neue Technologie setzt natürlich auch voraus, dass sie sicher ist, dass sie praktikabel ist. Und das ist eben eine große Entwicklungsarbeit, die noch nicht geleistet ist, die wahrscheinlich auch noch einige Jahre brauchen wird. Und wir legen Wert darauf, dass auch diese neue Technik ausgetestet ist, praxisreif ist, dass es nicht so geht wie mit den Konnektoren. Und deshalb muss leider noch mal ein Konnektoren-Tausch erfolgen.“

Was kann mit der Digitalisierung erreicht werden?

„Ja, das Idealbild wäre, dass die Digitalisierung ihr Potenzial in den Praxen voll ausschöpfen kann. Das bedeutet, mal platt gesagt, die papierlose Praxis, was die Verwaltungsvorgänge betrifft. Und wir würden uns natürlich vorstellen, dass das etwas ist, was auch in den Praxen nicht nur passiert, sondern auch genutzt werden kann, weil Arzt und Patient und Mitarbeiter in den Praxen und alle anderen davon auch einen Nutzen haben. Dass sie das gerne freilich übernehmen und nicht wie jetzt, per Gesetz muss es eingeführt werden. Das heißt Digitalisierung im Idealfall schafft die papierlose Praxis, schafft eine sichere Übermittlung von Dokumenten, medizinischer Art, ganz wichtig, schnell, sicher und führt auch auch dazu, dass alle Beteiligten mit denselben Standards arbeiten, dieselben Daten auch lesen können und schnell zur Verfügung haben. Das ist eine durchaus aus unserer Sicht ein Potenzial, dass das Risiko und die Chance hat, gleichzeitig auch zu einer Verbesserung der Versorgung zu führen. Und lassen Sie mich noch eins dazu sagen: Wichtig ist mir auch, ganz wichtig ist mir auch, dass die Bürokratie damit reduziert wird. Wenn wir überlegen, was für viel Zeit in Praxen vergeht, durch Ausfüllen von Formularen, Vorgaben und und und. Das kann man alles beschleunigen und damit wird Arztzeit und Mitarbeiterzeit in den Praxen gespart.“

Unterstützt die KBV die Arbeit des BMG an einer neuen Digitalisierungsstrategie?

„Auf jeden Fall. Wir haben erkannt schon, dass die gematik sehr Technik-getrieben ist. Das ist ja ein gutes Zeichen. Die sollen ja Technik entwickeln, aber sie sind sehr, sehr, sehr weit von der Praxis entfernt. Und das ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die technischen Lösungen, die es gibt, es gibt ja immer viele technische Lösungen, dass wir die auswählen, die auf die Praxen passen, die geeignet sind, so. Und da ist die KBV unbedingt zu beteiligen und nicht nur zu beteiligen, wie man sagt, ja, wir hören euch mal an, sondern nein, wir erwarten, dass unsere ernsthaften Argumente und Vorgaben, die wir auch teilweise selbst entwickeln, dass die umgesetzt werden. Und Sie wissen vielleicht, dass es gegenwärtig in der Situation der gematik mit 51 % Mehrheitsanteil des BMG sehr, sehr schwierig ist, gegen diese Mehrheit irgendetwas zu unternehmen. Also denken wir, dass das Ministerwort da ernst zu nehmen ist und dass er uns ernsthaft miteinbeziehen will in die neue Strategie und die Umsetzung, die in der gematik dann in den nächsten Monaten, Quartalen umgesetzt werden muss.“

Die Sicherheitszertifikate im Konnektor sind zeitlich begrenzt gültig. Ab Herbst müssen deshalb die ersten Geräte in den Praxen gegen neue getauscht werden. Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV, erläutert, warum sich der Tausch nicht vermeiden lässt und wohin Telematikinfrastruktur und Digitalisierung steuern sollten.