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Die eAU kommt - aber noch sind nicht alle Praxen startklar

Wie laufen die Vorbereitungen zur Einführung der eAU in den Praxen?

Alle arbeiten mit Hochdruck. Das betrifft die Industrie und natürlich auch die Arztpraxen, die sich darauf vorbereiten müssen. Es ist relativ komplex, weil die Arztpraxen letztlich vier technische Bestandteile brauchen. Sie brauchen einen elektronischen Heilberufeausweis. Den müssen sie selbst bestellen. Sie brauchen ein entsprechendes Konnektor-Update, damit die neue Software sich verbinden kann mit der TI. Sie brauchen einen KIM-Dienst, einen entsprechend sicheren E-Mail-Dienst, sie brauchen ein PVS-Update, eine Verbindung zwischen der PVS und dem Konnektor. Das sind alles technische Herausforderungen, die alle zu meistern sind. Aber wir haben ungefähr 100 Anbieter auf dem Markt. Die alle müssen in der Lage sein, das rechtzeitig umzusetzen. Es macht auch keinen Sinn, wenn in der Arztpraxis erst am 30. September das eingerichtet wird und am 1.10. soll es losgehen. Insofern ist das kritisch zu sehen. Trotz aller Beteiligten, die mit Hochdruck daran arbeiten und wollen, den Gesetzesauftrag umzusetzen.

Wie optimistisch sind Sie?

Wir können uns vorstellen, dass es klappt. Aber was wir nicht glauben oder was ich nicht glaube, dass es in allen Praxen, also in 100 Prozent der Praxen möglich sein wird, dann erwarten wir flexible Lösung vom Gesetzgeber. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass die elektronische Arbeitsunfähigkeit eine Massenanwendung ist. Viele Ärzte stellen eAUs aus, Arbeitsunfähigkeiten aus und die Patienten erwarten das und brauchen es auch für ihre Lohnfortzahlung. Und bei all der technischen Diskussion, die wir ja gerade führen, dürfen wir nicht vergessen, dass die Technik ist wichtig, die muss laufen. Aber was wir auch erwarten ist natürlich, dass in der Praxis auch das mal ausgetestet ist. Und mit Praxis meine ich jetzt wirklich auch in der Praxis des Arztes. Dort die Prozesse, die müssen angepasst werden. Frage: Wird es eine Stapelsignatur geben? Wird ein Arzt, eine Praxis sein Verfahren umstellen? Zurzeit wird nach der Konsultation gesagt, ok, Arbeitsunfähigkeit besteht aus meiner ärztlichen Sicht. Ich schreibe Ihnen das entsprechende Formular aus. Jetzt wäre es technisch möglich zu sagen, ok, ich gebe dem Patienten einen Ausdruck mit und die Übermittlung, die elektronische Übermittlung könnte aufgespart werden und am Abend z.B. gemacht werden, in der sogenannten Stapel-Signatur, ein Satz, alle AUs rausschicken, an die Kassen-Server. Möglich wäre das. Ob der Arzt seine Praxis umstellen will, wissen wir alles nicht. Das alles hätte getestet werden müssen. Und wir haben ja in der Gematik erreicht, dass es einen Feldversuch gibt. Auch zu diesen Fragen. Leider ist er so spät erst gestartet oder wird erst noch starten, dass die Ergebnisse, die da rauskommen, nicht mehr so zeitgerecht kommen werden, dass sie noch in die PVS-Systeme eingebaut werden können. Das ist ein Handycap und wir legen Wert darauf, dass auch die Arzt-Perspektive natürlich, die Arbeitsprozesse in den Praxen, übrigens auch bei den Krankenkassen, die müssen sich genauso anpassen, dass das rechtzeitig ausgetestet wird. Das alles ist leider sehr schnell passiert. Ich würde fast sagen mit heißer Nadel, obwohl die Vorlauffristen da waren. Aber die Sacherhalte sind eben komplex und deshalb habe ich leichte Vorbehalte, ob das alles so glatt, so einfach umgesetzt werden kann.

Was sollten die Praxen jetzt unternehmen?

Sie sollten natürlich das tun, was erwartet wird, nämlich die Dinge bestellen. Teilweise hat ja das PVS-Haus oder das Systemhaus, mit dem die Praxen zusammenarbeiten, ein Bündel-Angebot. Das sollten sich die Ärzte anschauen und sagen, gut, das passt, das setze ich um. Andererseits sollten sie versuchen zu durchdenken, was bedeutet diese neue Arbeitsweise für sie. Dass sie ein Stylesheet, das ist der neue Begriff für den Papierausdruck, dass sie das auch mit umsetzen und wie sie vielleicht ihre Prozesse in der Praxis zusammen mit den Mitarbeitern umstellen müssen. Das wäre die Frage, was man jetzt tun kann. Auf die Technik haben sie keinen Einfluss. Wenn sie das bestellt haben, müssen sie darauf vertrauen, dass die Technik funktioniert und dass ihr Hersteller es rechtzeitig einspielt. Es ist so, dass wir der Auffassung sind, dass wahrscheinlich die meisten, fast alle technischen Komponenten bis zu dem Zeitpunkt technisch verfügbar sein werden, hoffentlich auch eingespielt und hoffentlich auch funktionieren. Aber die Praxis kann sich nur insofern vorbereiten, dass sie überlegt, stelle ich meine Arbeitsweise um? Das muss nicht sein, aber vielleicht macht es Sinn für die einzelne Praxis.

Was passiert, wenn Praxen keine eAU verschicken können?

Da ist Gott sei Dank zurzeit keine Befürchtung, weil wir ihm Bundesmantel-Vertrag mit den Krankenkassen entsprechende Ersatzlösungen vereinbart haben. Das bedeutet ganz konkret: Auch wenn die technische Übermittlung über die Telematikinfrastruktur nicht möglich ist, kann der Arzt natürlich weiterhin eAUs ausstellen, mit der neuen Software und wird dann dem Patienten alle drei Exemplare mitgeben wie heute auch, sieht nur ein bisschen anders aus. Wenn er aber auch kein Software-Update bekommen hat, der Arzt, die Praxis, dann kann er weiterhin das alte Verfahren nutzen, das Muster 1, den gelben Schein ausdrucken, wie heute auch. Das ist natürlich eine Übergangsregelung. Sobald die Technik zur Verfügung steht, muss er auf das neue Verfahren umschwenken. Aber da dürften keine Sorgen bestehen. Das ist geregelt, Gott sei Dank. Das hat das BMG nochmal in einer Aussendung entsprechend auch unterstützt.

Zum 1. Oktober soll die eAU an den Start gehen. Doch bislang fehlt in vielen Praxen noch die nötige Soft- oder Hardware. Auch ein Feldtest steht noch aus. Dieser soll in der zweiten Augusthälfte beginnen. Viel zu kurzfristig sagt Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV. Im Interview berichtet er über den aktuellen Stand der Vorbereitungen.