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Stand 16.04.2019

Prävention

Darmkrebsfrüherkennung

Die Darmkrebsfrüherkennung beginnt bei Männern und Frauen ab dem Alter von 50 Jahren. Die Untersuchungen werden nach wie vor zu wenig genutzt. Neben der Auslage von Informationsmaterialien im Wartezimmer sollten Sie Ihre Patienten deshalb gezielt auf das Thema ansprechen.

Zu dem Früherkennungsprogramm der gesetzlichen Krankenkassen gehören neben der Beratung der Okkultbluttest und die präventive Darmspiegelung.

Am 19. April startete die erste Stufe des organisierten Darmkrebssreenings. Eines der Hauptziele des Programms ist es, die Teilnahme an der Darmkrebsfrüherkennung zu steigern.

Regelmäßige Einladungen

Künftig laden gesetzliche Krankenkassen ihre Versicherten im Alter von 50, 55, 60 und 65 Jahren zur Darmkrebs-Früherkennung ein. Mit der Einladung erhalten Versicherte eine ausführliche Information über das Programm, die noch besser über das Früherkennungsprogramm aufklären soll.

Ausführliches Beratungsgespräch ab 50

Der Anspruch auf ein Beratungsgespräch über das kolorektale Karzinom und auf Informationen über das Früherkennungsprogramm gilt für Frauen und Männer jetzt bereits ab 50 Jahren. Bislang war die ausführliche Beratung erst ab 55 Jahren möglich.

Koloskopie für Männer ab 50

Männer haben jetzt bereits ab einem Alter von 50 Jahren Anspruch auf eine Koloskopie, da sie ein höheres Risiko als Frauen haben, an Darmkrebs zu erkranken. Bei Frauen bleibt die Altersgrenze für die Koloskopie bei 55 Jahren. Eine erneute Vorsorgeuntersuchung kann nach Ablauf von 9 Kalenderjahren durchgeführt werden.

Regelungen zum iFOBT-Test unverändert

Die Regelungen zum Test auf okkultes Blut im Stuhl mit einem quantitativen immunologischen Test (iFOBT) bleiben unverändert: Wie bisher kann ab 50 Jahren bei Frauen und Männern jährlich ein Test auf okkultes Blut im Stuhl durchgeführt werden, ab 55 alle zwei Jahre.

Darmkrebs: Früherkennung wird zum Screening

Mit der Vorsorgeuntersuchung kann Darmkrebs im sehr frühen Stadium entdeckt werden…

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: "Wir gehen davon aus, dass in den letzten neun Jahren etwa 180.000 Fälle von Darmkrebs auf diese Weise verhindert werden konnten. 40.000 in einem Stadium, in dem es noch sehr, sehr gut behandelbar ist bzw. sogar komplett entfernbar ist, erkannt wurden, und nur etwa 4.500 Untersuchungen falsch positiv waren, also zu weiteren Maßnahmen geführt haben, wo es nicht nötig gewesen ist."

Warum wird das Programm erweitert?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: "Weil es noch nicht ausreichend in Anspruch genommen wird, wie ja häufig bei Vorsorgeprogrammen. Es wird deshalb jetzt als richtiges Screeningprogramm etabliert, das heißt es gibt ein Recht der Patienten darauf und es gibt eine Informationspflicht auch für die Krankenkassen. Die müssen also ihre Versicherten informieren über die Möglichkeit zur Teilnahme alle fünf Jahre ab 50 Jahre für Männer und ab 55 Jahre für Frauen."

Warum hat sich das Alter geändert?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: "Man hat festgestellt, dass die Männer schon ab 50 ein erhöhtes Risiko, deutlich erhöhtes Risiko haben, während das bei den Frauen erst ab 55 wirksam wird das Risiko.
Die KBV hat noch eine weitgehendere Forderung, nämlich für die Risikogruppen, für Patientinnen und Patienten, die in ihrer Familie unmittelbar Verwandte haben, die an Darmkrebs erkrankt sind. Dort sollte man eigentlich noch wesentlich früher anfangen. Das konnten wir bisher leider nicht durchsetzen."

Für welche Arztgruppen sind die Neuerungen bei der Darmkrebsfrüherkennung relevant?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: "Na, ganz besonders betroffen sind natürlich die Hausärztinnen und Hausärzte, auch mit ihren Teams. Es wird auch in diesem Programm diesmal darauf geachtet, dass die MFAs, die medizinischen Fachangestellten, schon Teile der Informationsarbeit übernehmen können. Auch betroffen sind natürlich Gynäkologen und Urologen vor allem.
Es gibt dazu reichlich Informationsmaterial. Das wird zum Teil vom GBA jetzt überarbeitet nach den neuen Richtlinien und auch durch die KBV dann zusammengestellt und im Layout fertig gemacht und den Praxen zur Verfügung gestellt. Damit sind die Patienten sehr gut zu informieren. Daneben gibt es dann Links, Verweise im Internet auf entsprechende einschlägige Homepages dazu."

Warum engagiert sich die KBV so stark für die Prävention?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: "Ja, es ist natürlich immer wichtig, Krankheiten vorzubeugen anstatt sie zu behandeln. Also überall da, wo tatsächlich ein sinnvolles Vorbeugen, ein Früherkennen möglich ist - ist wahrscheinlich das bessere Wort als Vorbeugen - Früherkenn möglich ist, und damit schlimme Konsequenzen vermieden werden können für die Betroffenen und aber natürlich auch Ressourcen geschont werden können. Also in jeder Beziehung besser: Früherkennen oder Vorsorgen als Heilen."

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen und bei Männern. Obwohl er früh erkannt oft heilbar ist, nutzen immer noch zu wenige die Darmkrebsfrüherkennung. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat deshalb beschlossen, sie zukünftig als Screening durchzuführen. Was das genau heißt und was sich sonst noch geändert hat, erläutert Dr. Stephan Hofmeister im Video.

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Weitere Informationen zum Thema

Stuhltest iFOBT

Der quantitative immunologische Test (iFOBT) zur Früherkennung von Darmkrebs steht gesetzlich Versicherten seit 1. April 2017 als Kassenleistung zur Verfügung. Studien haben gezeigt, dass mit immunologischen Tests nicht sichtbares Blut im Stuhl insbesondere mit einer höheren Sensitivität nachgewiesen werden kann. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte daher festgelegt, den Guajak-basierten Test abzulösen.

Wie bisher gibt der Arzt, der die Früherkennungsuntersuchung auf kolorektales Karzinom durchführt, den Stuhltest an den Patienten aus. Anders als bislang erfolgt die Auswertung des Tests allerdings nicht in der Praxis, sondern im Labor.

Hinweise zu Abrechnung und Vergütung:

GOP für Ausgabe und Beratung

Ärzte, die den iFOBT als Früherkennungsuntersuchung auf kolorektales Karzinom veranlassen, rechnen die GOP 01737 (Bewertung 57 Punkte) ab. Die Leistung umfasst die Ausgabe, Rücknahme und Weiterleitung des Stuhlproben-Entnahmesystems sowie die Beratung des Patienten bei einer präventiven Untersuchung. Bei einer kurativen Untersuchungsindikation sind wie bisher Ausgabe, Rücknahme und Weiterleitung in das Labor mit der Versicherten- oder Grundpauschale abgegolten.

Hausärzte, Chirurgen, Gynäkologen, Facharztinternisten, Hautärzte und Urologen dürfen die GOP 01737 abrechnen. Hausärzte können den immunologischen Test auch beim Check-up 35 ausgeben – sofern die Patienten das Anspruchsalter von 50 Jahren erreicht haben.

Für eine bestmögliche Ergebnisqualität ist es wichtig, dass die Stuhlprobe möglichst schnell ausgewertet wird: Deshalb sollten Ärzte ihre Patienten darauf hinweisen, dass sie die Probe möglichst am Tag nach der Abnahme abgeben. Der Arzt veranlasst dann spätestens am darauffolgenden Werktag die Untersuchung in einem Labor, das solche Untersuchungen durchführen darf.

GOP für Laboruntersuchung

Für die Untersuchung der Stuhlprobe im Labor gibt es zwei GOP: die GOP 01738 (Bewertung 75 Punkte) bei einer präventiven Untersuchung und die GOP 32457 (Bewertung 6,21 Euro) bei einer kurativen Untersuchungsindikation. In den Laborleistungen enthalten sind die Kosten für das Stuhlproben-Entnahmesystem.

Entsprechend der geänderten Früherkennungs-Richtlinie wurde der Test als Leistung des Speziallabors, die eine vorherige Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) voraussetzt, in den EBM aufgenommen. Die Durchführung des iFOBT dürfen somit nur die Ärzte vornehmen, die eine Abrechnungsgenehmigung für diese Leistung haben. Sie sind zudem verpflichtet, Angaben wie verwendete Tests, Ergebnisse der externen Qualitätssicherung, Gesamtzahl der untersuchten und der positiven Proben zur Evaluation des Früherkennungsprogramms zu erfassen und an die KV zu übermitteln.