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Kodier-Beispiele – Diabetes mellitus

Ohne Komplikationen

Ein Patient mit seit langem bekanntem Diabetes mellitus Typ 1 kommt zur routinemäßigen Kontrolle. Es bestehen keine Komplikationen und die Stoffwechsellage ist stabil. Es wird ein Folgetermin für die nächste Routinekontrolle vereinbart.

Kodierung:

E10.90 Diabetes mellitus Typ-1, ohne Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt.

Kommentar:

Die zusätzliche Kodierung ggf. ausgeschlossener Komplikationen ist nicht erforderlich.

Mit Komplikationen

Ein Typ-1-Diabetiker mit diabetischer Polyneuropathie wird neurologisch behandelt. Weitere Komplikationen bestehen nicht. Die Stoffwechsellage ist stabil.

Kodierung:

E10.40† G Diabetes mellitus Typ-1, mit neurologischen Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet
 G63.2* G Diabetische Polyneuropathie

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Die Symbole Kreuz „†“ und Stern „*“ sind Kennzeichnungen für Primär- und Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, die in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden müssen.

Kommentar:

Die vollständige Kodierung kann in diesem Beispiel nur über die Angabe von zwei ICD-10-Kodes erfolgen. Dabei wird die Kreuz-Stern-Systematik (Ätiologie-Manifestation) angewendet. Die im Beispiel mit G63.2* kodierte diabetische Polyneuropathie spezifiziert als Sekundärkode die Angabe von neurologischen Komplikationen im Primärkode E10.40†.

Die ICD-10-Regelungen hierzu befinden sich in der „Anleitung zur Verschlüsselung“ im Systematischen Verzeichnis der ICD-10-GM.

Mit multiplen Komplikationen – Behandelnder Arzt

Ein Patient mit Diabetes mellitus Typ 1 mit multiplen Komplikationen in Form einer Atherosklerose der Extremitätenarterien und einer Nephropathie wird aufgrund dieser beiden Komplikationen behandelt. Die Stoffwechsellage ist stabil.

Kodierung:

E10.72 G Diabetes mellitus Typ-1, mit sonstigen multiplen Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet 
I79.2* G Periphere diabetische Angiopathie 
N08.3* G Diabetische Nephropatie

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Das Stern-Symbol „*“ ist eine Kennzeichnung für Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, das in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden muss.

Kommentar:

Die vollständige Kodierung erfolgt in diesem Beispiel über die Angabe von drei ICD-10-Kodes. Dabei wird die Kreuz-Stern-Systematik (Ätiologie-Manifestation) angewendet. Die hier im Beispiel mit I79.2* kodierte periphere diabetische Angiopathie und die mit N08.3* kodierte diabetische Nephropathie, spezifizieren als Sekundärkodes die Angabe der multiplen Komplikationen im Primärkode E10.72.

Die ICD-10-Regelungen hierzu befinden sich in der „Anleitung zur Verschlüsselung“ im Systematischen Verzeichnis der ICD-10-GM.

Hinweis:

Ärzte, die primär die diabetische Stoffwechselerkrankung behandeln, z.B. Hausärzte, Internisten und Diabetologen und einen umfassenden Kenntnisstand zum Gesamtkrankheitsbild des Patienten haben, sollten diesen so spezifisch wie mittels der ICD-10-GM möglich, verschlüsseln.

Mit multiplen Komplikationen – Mitbehandlung der Komplikationen, z.B. durch den Augenarzt

Bei einem Patienten besteht ein Typ-2-Diabetes-mellitus mit multiplen Komplikationen. Er stellt sich im Rahmen einer diabetischen Retinopathie bei seinem Augenarzt zur Kontrolluntersuchung vor.

Dem Augenarzt ist laut Information auf der Überweisung vom Hausarzt bekannt, dass neben der Augenveränderung bereits weitere Komplikationen vorliegen. Diese werden aber bei dem Besuch in der Augenarztpraxis nicht behandelt. Die diabetische Stoffwechsellage ist nicht entgleist.

Die Untersuchung und gegebenenfalls die Therapie erfolgen bezüglich der diabetischen Retinopathie.

Kodierung:

E11.72 G Diabetes mellitus Typ-2, mit sonstigen multiplen Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet 
H36.0* G Retinopathia diabetica 

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Das Stern-Symbol „*“ ist eine Kennzeichnung für Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, das in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden muss.

Kommentar:

Der „führende“ ICD-10-Kode für den Diabetes mellitus sollte vom mitbehandelnden Arzt dem Kenntnisstand entsprechend, so genau wie möglich angegeben werden (hier E11.72).

Die Kodierung der manifestierten Komplikation(en) des Diabetes mellitus erfolgt nur bei Behandlungsrelevanz, in diesem Fall die diabetische Retinopathie.

Eine genauere Kodierung der weiteren (fachfremden) Komplikationen durch den Augenarzt ist nicht erforderlich.

Mit multiplen Komplikationen – Mitbehandlung sonstiger Erkrankungen, z.B. durch den Orthopäden

Ein Patient mit nicht entgleistem Typ-2-Diabetes-mellitus mit Nierenkomplikationen ist aufgrund einer durch Abnutzung bedingten beidseitigen Koxarthrose in orthopädischer Behandlung.

Im Rahmen des therapeutischen Vorgehens ist für den Orthopäden der Typ-2-Diabetes mellitus mit der Nierenkomplikation relevant. Die genaue Bezeichnung der Nierenkomplikation liegt dem Orthopäden nicht vor.

Kodierung:

E11.20† G Diabetes mellitus Typ-2, mit Nierenkomplikationen, nicht als entgleist bezeichnet 
M16.6  G Sonstige sekundäre Koxarthrose, beidseitig 

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Das Kreuz-Symbol „†“ ist eine Kennzeichnung für Primärkodes aus der ICD-10-GM, das in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden muss.

Kommentar:

Der „führende“ Kode für den Diabetes mellitus (hier E11.20) sollte vom mitbehandelnden Arzt dem Kenntnisstand entsprechend so genau wie möglich angegeben werden. Zwar steht hier die Behandlung der Koxarthrose im Vordergrund, wird aber durch den Diabetes mellitus beeinflusst.

Die Kodierung der manifestierten Nierenkomplikation (fachfremd) ist seitens des Orthopäden entbehrlich, da er diese nicht behandelt.

Anpassung der Kodierung hinsichtlich des Schweregrades

Ein Patient mit nicht entgleistem Typ-1-Diabetes-mellitus entwickelt trotz guter Einstellung eine Nephropathie, die regelmäßig kontrolliert und/oder behandelt werden muss.

Kodierung:

Bisher zum Patienten in der Praxisverwaltungssoftware hinterlegter ICD-10-Kode:
E10.90  G Diabetes mellitus Typ-1, ohne Komplikationen, nicht entgleist 
Änderung erforderlich in:
E10.20†  G Diabetes mellitus Typ-1, mit Nierenkomplikationen, nicht entgleist 
N08.3*  G Diabetische Nephropathie

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Die Symbole Kreuz „†“ und Stern „*“ sind Kennzeichnungen für Primär- und Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, die in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden müssen.

Kommentar:

Die Anpassung der Kodierung sollte durchgeführt werden, sobald der neue Schweregrad bekannt ist. Dies kann sowohl im Zuge eines Quartalswechsels als auch bereits während eines laufenden Quartals der Fall sein.

Anpassung der Kodierung hinsichtlich der Stoffwechsellage

Ein Patient mit einem Diabetes mellitus Typ 2 mit multiplen Komplikationen kommt zu einer Kontrolluntersuchung der peripheren diabetischen Polyneuropathie. Während des Praxisbesuches wird bei dem Patienten ein Blutzuckerwert von 46 mg/dl bzw. 2,6 mmol/l festgestellt.

Es erfolgen in der Praxis die Behandlung der Unterzuckerung sowie in diesem Zusammenhang mehrfache Blutzuckerkontrollen. Im weiteren Behandlungsverlauf während des Quartals ist die Stoffwechsellage des Patienten wieder stabil.

Kodierung:

E11.73 G Diabetes mellitus Typ-2, mit sonstigen multiplen Komplikationen, als entgleist bezeichnet
G63.2* G Diabetische Polyneuropathie 
E11.72 G Diabetes mellitus Typ-2, mit sonstigen multiplen Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet 

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Das Stern-Symbol „*“ ist eine Kennzeichnung für Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, das in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden muss.

Kommentar:

Bereits zu Beginn des Quartals kodierte Diagnosen müssen bei Änderungen, die sich im Behandlungsverlauf desselben Quartals ergeben, nicht gelöscht werden. Es ist durchaus plausibel, im Abrechnungsdatensatz mehrere ICD-10-Kodes anzugeben, die verschiedene Stoffwechsellagen beschreiben.

Zur dauerhaften Hinterlegung in der Praxisverwaltungssoftware sind ICD-10-Kodes mit der Information einer entgleisten Stoffwechsellage ungeeignet. Bei jeder Kontrolluntersuchung sollte die bereits vorhandene Kodierung auf Aktualität hinsichtlich der Stoffwechsellage geprüft werden.

Auch Diabeteskodes aus der Klinik sollten nicht „blind“ übernommen werden, da der jeweilige ICD-10-Kode ggf. nicht mehr der aktuellen Krankheitssituation entspricht.

Diabetisches Fußsyndrom ohne behandlungsrelevante Komplikationen

Bei einem Patienten ist ein Diabetes mellitus Typ 1 mit diabetischem Fußsyndrom bekannt. Er kommt zur Kontrolle seiner Stoffwechselparameter. Die Stoffwechsellage ist nicht pathologisch. Seitens des diabetischen Fußsyndroms besteht gegenwärtig keine Behandlungsnotwendigkeit.

Kodierung:

E10.74 G Diabetes mellitus Typ-1, mit diabetischem Fußsyndrom, nicht als entgleist bezeichnet 

Kommentar:

Das Diabetische Fußsyndrom wurde als gesonderte Untergruppe der vierten Stelle .7 – Mit multiplen Komplikationen aufgenommen und abgegrenzt.

Liegt bei bestehendem diabetischem Fußsyndrom keine Behandlungsnotwendigkeit für die Komplikationen vor, sollten diese auch nicht gesondert kodiert werden.

Diabetisches Fußsyndrom mit behandlungsrelevanten Komplikationen

Bei einem Patienten besteht ein bekannter Diabetes mellitus Typ 1, mit diabetischem Fußsyndrom und fortgeschrittener peripherer Atherosklerose. Zurzeit erfolgt die lokale Behandlung einer Ulzeration der linken Kleinzehe.

Kodierung:

E10.74 G Diabetes mellitus Typ-1, mit diabetischem Fußsyndrom, nicht als entgleist bezeichnet 
I79.2* G Periphere diabetische Angiopathie 
I70.24 G L Atherosklerose der Extremitätenarterien, Becken-Bein-Typ, mit Ulzeration

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Das Stern-Symbol „*“ ist eine Kennzeichnung für Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, das in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden muss.

Kommentar:

Das Diabetische Fußsyndrom wurde als gesonderte Untergruppe der vierten Stelle .7 – Mit multiplen Komplikationen aufgenommen und abgegrenzt.

Die Kodes für alle vorliegenden manifestierten Komplikationen werden bei Behandlungsrelevanz zusätzlich angegeben.