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Stand 25.08.2021

Kodierunterstützung

Die Kodierunterstützung für Praxen: Direkt und digital - ab Januar 2022 in der Praxissoftware

Praxen erhalten ab Januar 2022 einen digitalen Helfer, der sie beim Verschlüsseln von Diagnosen unterstützen soll. Er wird in das Praxisverwaltungssystem (PVS) eingebunden und steht Ärzten und Psychotherapeuten direkt beim Kodieren zur Verfügung – ob bei der Abrechnung oder bei der Angabe der Diagnose auf dem Krankenschein. Mit der Kodierunterstützung kommen keine neuen Regeln oder Vorgaben: Basis ist und bleibt die ICD-10-GM.

Vorteile für Praxen

  • Ausschließlich digital
  • Hilfe direkt beim Kodieren
  • Unterstützung nach Maß
  • Alles an einem Ort

Gesetzlicher Auftrag

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz hat die KBV den Auftrag erhalten, verbindliche Vorgaben zum Kodieren zu erstellen und zum 1. Januar 2022 einzuführen. Denn immer wieder steht die Kodierqualität auf dem Prüfstand. Für die KBV stand von Anfang an fest: Durch neue Kodiervorgaben darf keine neue Bürokratie entstehen. Im Gegenteil: Das Kodieren soll leichter werden.

Das Ergebnis ist die praxisnahe Kodierunterstützung – integriert im PVS. Mit ihr werden keine neuen Regelungen eingeführt. Vielmehr hilft sie, die vorhandenen, aber teils recht komplexen Regelungen der ICD-10-GM noch besser anzuwenden und stets den passenden Kode zu finden. Bei der Ausgestaltung hat die KBV darauf geachtet, dass den Praxen möglichst keine Mehrarbeit entsteht, sondern sie entlastet werden – durch eine Unterstützung nach Maß.

Kodieren ist zu einem wichtigen Part der vertragsärztlichen Arbeit geworden, der von niemandem sonst übernommen werden kann. Unter anderem wirkt sich eine exakte Kodierung der Behandlungsdiagnosen auf die Geldströme im Gesundheitssystem aus und kommt somit auch den Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten zugute.

Denn mithilfe der Kodes wird gemessen, wie krank die Versicherten sind und wieviel Geld letztlich für ihre medizinische Versorgung benötigt wird. Dies spielt sowohl eine Rolle beim Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen – wer mehr Schwerkranke versichert hat, erhält mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds – als auch bei den jährlichen Honorarverhandlungen für die niedergelassenen Ärzte und Psycho-therapeuten.

Vor diesem Hintergrund steht die Kodierqualität auch immer wieder auf dem Prüfstand. Im Fokus stehen Krankheiten mit hohen Fallzahlen, deren Behandlung jährlich Millionen kostet.

Funktionen und Bausteine der Kodierunterstützung

Die Kodierunterstützung kombiniert bestehende und neue Funktionen rund um die Kodierung. Sie bietet Ärzten und Psychotherapeuten eine Lösung aus einer Hand: Alle relevanten Informationen zum Kodieren sind künftig in der Praxissoftware zu finden. Das Nachschlagen in Büchern und Suchen im Internet, was gerade bei komplexen Kodierungen mitunter nötig ist, entfällt.

Kodesuche

Freitextsuche nach Kodes der ICD-10-GM

  • Suche kann fachgruppenspezifisch angepasst werden (Einbindung der Facharzt- und Haus-arztthesauren des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung)
  • freiwillige Nutzung

Benutzungshinweise

Hinweise aus der ICD-10-GM, zum Beispiel Abrechenbarkeit eines Diagnosekodes, Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz

  • Hinweise werden wie bisher beim Kodieren erzeugt und können weiterhin ignoriert werden

Neu: Verschlüsselungsanleitung

Neu: Hinweise aus der Verschlüsselungsanleitung der ICD-10-GM

  • Kodebezogene Hinweise oder Anzeige als Gesamtdokument möglich
  • freiwillige Nutzung

Neu: Kodier-Check

Neu: Kodierregelwerk zur Plausibilisierung der gewählten Diagnosekodes mit Hinweisen und Korrekturvorschlägen auf Basis der ICD-10-GM; zunächst für die vier Diagnosebereiche Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus, Bluthochdruckfolgen

  • Hinweise können ignoriert beziehungsweise Korrekturen müssen nicht ausgeführt werden, wenn der Arzt einen bereits ausgewählten Kode beibehalten will
  • Kodier-Check kann direkt beim Kodieren oder bei der Abrechnung durchgeführt werden
  • Kodierregelwerk für den Kodier-Check enthält obligate und fakultative Regeln – fakultative Regeln können deaktiviert werden

So funktioniert der Kodier-Check

Der neue Kodier-Check startet für vier Diagnosebereiche mit hohen Fallzahlen und einer komplexen Kodierung: Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus und Folgen eines Bluthochdrucks.

Geben Praxen einen Kode aus diesen Diagnosebereichen an, beginnt ein Kodierregelwerk im Hintergrund mit der Prüfung. Passt etwas nicht, meldet es sich und gibt beispielsweise den Hinweis, dass ein spezifischerer ICD-10-GM-Kode vorhanden ist und bietet diesen direkt zur Auswahl an.

Mit nur einem Klick kann der Anwender den Kode übernehmen oder ablehnen. Soll der Hinweis bei diesem Fall im selben Quartal nicht noch einmal angezeigt werden, kann er deaktiviert werden. Die ärztliche Entscheidung hat oberste Priorität.

Die Software ist so voreingestellt, dass der Kodier-Check direkt bei der Kodierung läuft. Wer das nicht möchte, kann die Einstellung so anpassen, dass die Überprüfung erst bei der (Test-)Abrechnung erfolgt. Ärztinnen und Ärzte erhalten dann eine Übersicht mit allen Behandlungsfällen und den entsprechenden Hinweisen angezeigt, und die Fälle können einzeln bearbeitet werden.

Dauerdiagnosen

Funktion zur Kennzeichnung von Dauerdiagnosen sowie zur Verwaltung und Unterstützung bei der Übertragung in die Abrechnung bleibt erhalten

  • freiwillige Nutzung

Neu: Funktion zur Kennzeichnung von anamnestischen Diagnosen und deren Verwaltung und Unterstützung bei der Übertragung in die Abrechnung

  • freiwillige Nutzung

Zusätzlich zunächst für die Diagnosebereiche Herzinfarkt und Schlaganfall:

Neu: Prüfung bei Kennzeichnung eines Kodes als Dauerdiagnose, inwieweit dieser dafür geeignet ist

  • Hinweis wird beim Kodieren erzeugt und kann ignoriert werden

Neu: Quartalsübergreifender Dauerdiagnosen-Check - Kodierregelwerk zur Validierung der Patientendaten; prüft das dauerhafte Vorhandensein von Akutdiagnosen mit Hinweisen und Korrekturvorschlägen

  • freiwillige Nutzung zu einem beliebigen Zeitpunkt

Anlegen von Dauerdiagnosen weiter möglich

Die Funktion, Behandlungsdiagnosen eines Quartals so zu kennzeichnen, dass sie auch in den Folgequartalen automatisch in die Abrechnungsunterlagen übernommen werden können, bleibt erhalten. Neu ist, dass diese Funktion künftig auch für anamnestische Diagnosen bereitsteht, und in jeder Praxissoftware aktiviert ist. Einige Ärzte und Psychotherapeuten werden somit ab Januar 2022 zum ersten Mal damit arbeiten können – die Nutzung bleibt aber freiwillig.

Bevor Praxen „Dauerdiagnosen“ oder „anamnestische Diagnosen“ in die Abrechnung übernehmen, sollte eine Prüfung erfolgen, ob diese in dem Quartal für die Behandlung relevant waren. Die Auswahl und Übernahme ist weiterhin mittels weniger Klicks im PVS möglich.

Der Diabetes mellitus eines Patienten ist beispielsweise regelhaft Anlass zur Behandlung und wäre eine klassische Dauerdiagnose. Eine Penizillin-Allergie hat ein Patient ebenfalls dauerhaft, sie führt aber nur sporadisch zu einem Behandlungsaufwand. Für die ärztliche Entscheidung ist sie etwa bei der Verordnung eines Antibiotikums wichtig und daher als anamnestische Diagnose zu kennzeichnen.

Eine zusätzliche Funktion bietet die Kodierunterstützung speziell für den „akuten Herzinfarkt“ und den „akuten Schlaganfall“. Sollen die entsprechenden Kodes mit dem Zusatzkennzeichen „G“ für gesichert als Dauerdiagnose neu abgespeichert werden, erhält der Anwender einen Hinweis. Denn akute Diagnosen sind in aller Regel als Dauerdiagnosen ungeeignet, und für den Herzinfarkt und Schlaganfall sieht die ICD-10-GM spezifische Kodes für die dauerhafte Schädigung und Behandlung vor.

Aber auch hier gilt: Es sind Hinweise, die Entscheidung trifft der Arzt.

Video-Tipp: Die Kodierunterstützung

Bluthochdruck, Grippe oder Mittelohrentzündung.
Bei solchen Krankheiten ist die Wahl des richtigen Diagnosekodes Routine.

Eine im Praxisverwaltungssystem integrierte Kodesuche oder Hinweise zur Abrechnung unterstützen Ärzte und Psychotherapeuten bereits jetzt.

Wird das Krankheitsbild aber komplexer, gestaltet sich die Suche nach einem passgenauen Diagnoseschlüssel mitunter schwierig.
In manchen Fällen kommen dann zusätzliche Nachschlagewerke zum Einsatz.
Ein Aufwand der zwar viel Zeit und Nerven kostet, sich aber bezahlt macht.
Denn: je genauer die Kodierung, desto besser lässt sich die Morbiditätsstruktur messen - und damit auch eine Veränderung im Behandlungsbedarf darstellen.
Und das hat Einfluss auf die vertragsärztliche Vergütung und die Zuweisung von Geldern an Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds.
Zur Umsetzung des gesetzlichen Auftrags aus dem TSVG hat die KBV eine Kodierunterstützung entwickelt, die in jedes PVS passt.

Damit wird das Kodieren einfacher, ohne neue Bürokratie zu erzeugen.
Zum 1. Januar 2022 stehen in den Praxisverwaltungssystemen bewährte, erweiterte und neue Funktionen bereit.

- Grundlage der Kodierung bleibt die ICD-10
- Es kommen keine Regeln oder Vorgaben hinzu.
- Bewährte Funktionen, wie die der Dauerdiagnosen, bleiben erhalten.
- Alle erforderlichen Informationen befinden sich nun an einem Ort.
- Und - ein neuer Kodier-Check unterstützt die Anwender direkt beim Kodieren.

Hierfür ist ein Kodierregelwerk in der Software hinterlegt - für zunächst vier Diagnosebereiche.
Nutzen und Aufwand werden regelmäßig überprüft; Diagnosebereiche aktualisiert und schrittweise erweitert.
Wählt der Arzt einen Kode aus einem dieser Bereiche, wird die Software im Hintergrund aktiv.
Ist alles korrekt - bemerkt der Anwender davon nichts.
Nur, wenn der Kodier-Check eine Unstimmigkeit erkennt, erscheint ein Korrekturvorschlag.
Bestätigt der Arzt diesen Vorschlag, wird die Auswahl automatisch in alle relevanten Bereiche des Praxisverwaltungssystems übertragen.
Ganz ohne Mehraufwand.
Die angebotenen Vorschläge helfen beim Kodieren, und der Arzt legt fest, ob eine Änderung des ICD-10-Kodes in dem konkreten Behandlungsfall zutrifft.
Denn die ärztliche Entscheidung hat auch weiterhin oberste Priorität.
Weitere Informationen zum Kodieren finden Sie auf der Themenseite – Kodieren - der KBV

Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind seit dem Jahr 2000 gesetzlich verpflichtet, jede Behandlungsdiagnose so spezifisch wie möglich mit ICD-10-GM-Kodes zu verschlüsseln. Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hat der Gesetzgeber die KBV beauftragt, zum 1. Januar 2022 Regelungen zur Vergabe und Übermittlung der Kodes festzulegen. Die KBV hat den gesetzlichen Auftrag so umgesetzt, dass die Kodierung von Diagnosen umfassend durch die Praxisverwaltungssysteme (PVS) unterstützt wird: digital, aus einer Hand und mit Maß.