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Was Niedergelassene in der Notfallversorgung leisten

Was muss sich in der Notfallversorgung ändern?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Aber das Hauptproblem ist, dass Patienten sehr ungesteuert sehr viele verschiedene Anlaufstellen haben in Deutschland, und das müssen wir in den Griff kriegen. Es gibt im Grunde drei Kontingente von Patienten. Es gibt die etwa zehn Millionen Patienten, die in die Klinik-Ambulanzen gehen. Es gibt auch etwa zehn Millionen Patienten, die durch den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst in den verschiedenen Varianten versorgt werden und dann gibt es nochmal etwa dieselbe Zahl, die in den Praxen auch als Notfälle versorgt werden während der Sprechzeiten. Tatsächlich ist entgegen der öffentlichen Diskussion seit 2016 bis 2018 ein Rückgang von über 200.000 Patienten in den Klinik-Ambulanzen zu verzeichnen und gleichzeitig ein Zuwachs von über 360.000 Patienten im ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die tatsächlichen Zahlen sind genau gegenläufig zur öffentlichen Diskussion.“

Worauf führen Sie diesen Trend zurück?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Wir gehen davon aus, dass bereits die schon seit einigen Jahren bei den KVen eingeleiteten Veränderungen des Bereitschaftsdienst - Optimierung und Zusammenlegungen, die Bildung von neuen Bereitschaftspraxen und Modifikationen im Bereitschaftsdienst - dazu geführt haben, dass das Angebot noch mehr wahrgenommen wird. Gleichzeitig ist die 116117 langsam ins Bewusstsein gekommen, und das forcieren wir jetzt auch mit einer großen Kampagne, damit wirklich jeder weiß, was die 116117 bringt.“

Wie leistungsfähig ist der ambulante Bereich?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Grundsätzlich ist natürlich bei der Zahl von etwa 20 Millionen Notfallpatienten - vielleicht 30, wenn man es anders zählt - im Vergleich zu über 600 bis 650 Millionen Fällen pro Jahr, das nur ein sehr kleiner Anteil, und natürlich kann das ambulant geleistet und muss ambulant geleistet werden. Die Frage ist, wie kriegen wir es gesteuert und wie kriegen wir das Angebot so vermittelt, dass Patientinnen und Patienten zur richtigen Zeit das richtige Angebot in Anspruch nehmen.“

Wäre ein dritter Sektor also die Lösung?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Das erschließt sich überhaupt nicht. Ein dritter Sektor würde zwei neue Sektorengrenzen aufbauen, würde eine neue Verwaltung benötigen. Was dadurch besser werden soll, ist uns völlig unklar.“

Was ist also zu tun?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Das Wichtigste haben wir ja bereits eingeleitet, ist im TVG angelegt, mit der 116117 24/7 eine Nummer zu haben, bei der jede Bürgerin und jeder Bürger anrufen kann und eine erste Einschätzung bekommen kann, wie dringlich ist das medizinische Problem und wo von wem auf welcher Ebene der Versorgung muss dieses Problem angegangen werden. Das ist der Hauptschritt: 24/7, diskriminierungsfrei. Dazu ist die Vollendung der Bereitschaftsdienstreform in vollem Gange. Alle KVen arbeiten da sehr hart dran, die Optimierung. Es kann weiterhin optimiert werden die Kooperation zwischen Bereitschaftspraxen und Krankenhäusern an den Stellen, wo geeignete Krankenhäuser mit einer wirklich optimalen Notfallversorgung sind, da lässt sich sicher noch einiges verbessern, modifizieren, aber im Grundsatz sind alle wichtigen Reformschritte längst eingeleitet.“

Welche Unterstützung wünschen Sie sich von der Politik?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Ganz wichtig, dass in einem Notfallgesetz noch einige Dinge nachgeschärft werden, die wir brauchen, keine ganz großen Reformen, sondern Nachbesserungen im Bereich der Notfallversorgung, der Akutversorgung. Natürlich muss über die Finanzierung noch einmal gesprochen werden. Zurzeit werden dreistellige Millionenbeträge von den Vertragsärztinnen und -ärzten und Psychotherapeuten investiert für diesen Bereitschaftsdienst zu Lasten der übrigen Versorgung. Und da muss natürlich nochmal drüber gesprochen werden.“

Der ambulante Sektor hat einen erheblichen Anteil an der Notfallversorgung von Patientinnen und Patienten, nämlich im ärztlichen Bereitschaftsdienst, aber auch in den Arztpraxen. Darauf weist Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, hin. Er stellt dar, wie das KV-System schon jetzt an organisatorischen Verbesserungen arbeitet, die den Patienten in einem Notfall den bedarfsgerechten Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern soll. Und er benennt seine Erwartungen an die Politik im Bereich der Notfallversorgung.