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Modellprojekt Corona-Impfung

Im Rahmen eines Pilotprojektes führen Sie in Berlin Corona-Impfungen durch. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Wir haben ein hoch motiviertes Team. Wir haben hochmotivierte Patienten, die auch sehr dankbar sind und die auf die Impfung gewartet haben und die Impfung ist jetzt da angekommen, wo sie aus meiner Sicht hingehört. Und wir haben auch keine Zeit zu verlieren. Insofern sind wir jetzt mit großer Freude dabei, zügig die Impfstrategie umzusetzen.

Was muss bei der Anlieferung des Impfstoffes beachtet werden?

Die Besonderheit beim Transport hat es ehrlich gesagt nicht gegeben. Das wurde natürlich auf Grund dieses Politikums des Startens mit Sicherheit zu uns gebracht. Das ist ein Impfstoff, der gelagert werden muss im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad. Das ist nichts Besonderes. Wir könnten auch jeden anderen Impfstoff bei uns lagern, also ohne dass Kühlketten unterbrochen werden. Da sehe ich überhaupt kein Problem.

Was unterscheidet die Covid-Impfung von anderen Impfungen?

Es ist eine spezifische Situation, was die Aufklärungssituationen betrifft. Es ist eine Vorbereitung notwendig, und die Nachbeobachtung, da wir Erfahrungen mit dieser Art von Impfstoffen sammeln wollen. Und ich glaube, die große Herausforderung besteht einfach darin, dass wir doch in kurzer Zeit sehr viele Menschen impfen wollen. Und diese Logistik ist, glaube ich, das, was am meisten Gedanken zu Beginn irgendwie aufgewandt hat, um das in eine sinnvolle Strategie umzusetzen.

Wie wählen Sie die Patienten für die Impfung aus?

Im Augenblick ist die Aufgabe, die eigenen Patienten, die Krankheitsbilder der Priorisierungsgruppe 2 beinhalten, zu impfen, und aktuell ist es so, dass wir die Patienten kontaktieren. Wir haben aus unseren Praxissoftwaresystem Listen mit den entsprechenden ICD-Kodierungen und Diagnosen gezogen und alle Ärzte bei unserem Team haben dann ihre Patienten entsprechend dieser Gruppe kontaktiert. Wir haben einen eigenen Kalender bei uns geschaffen, mit so einem Bestell-Tool, wo wir zusehen, dass wir 10 Patienten pro Stunde für die Impfung speziell neben der regulären Sprechstunde einladen, um dann effektiv zeitnah mit Aufklärung, mit Verbrauch der vorbereiteten Impf-Materialien und der Nachbeobachtung den Impf-Prozess durchziehen können.

Wie werden die Impfungen vorbereitet?

Also wenn man jetzt über den Impfstoff von AstraZeneca sprechen, bekommt man das in einer 5 Milliliter-Version in einer 10-Dosen Durchstech-Flasche. Das ist in Zehner-Vials. Die Spritzen werden aufgezogen und vorbereitet und da ist sicher auch die Planung das A und O, damit wir einen optimalen Ressourcenverbrauch einfach haben, was den Impfstoff angeht, dass wir keine Dosen verlieren. Und das ist sicher der Unterschied zu anderen Impfungen, die man sonst in der Praxis macht. Dass man das sozusagen immer in diesem Zehner-Paket für sich denkt und plant und dann zeitnah umsetzt. Die Lagerung vom Impfstoff ist zwischen 2 bis 6 Stunden nach Anbruch des Vials im Kühlschrank. Aber da haben wir schon den Ergeiz, dann auch diese Zehner-Dosis zeitnah zu fremden.

Gab es Überraschungen bei den Impfungen?

Die Überraschung, die wie man erleben kann, ist auch vom Hersteller schon vorgegeben, dass sie durchaus noch eine 11. Impfdosis aus so einem Zehner-Vial herauslösen können. Das muss man so ein bisschen bei der Tagesplanung der Patienten beachten, wenn Sie nicht Priorisierungs-Reihenfolgen verletzen wollen, sollte man immer noch ein paar Patienten in petto haben, um wirklich den Impfstoff auch maximal zu verimpfen. Was für uns hilfreich ist, ist, dass wir jetzt auch mit der Überarbeitung der Verordnung etwas mehr Spielraum bekommen haben, gerade wenn es darum geht, die Impfdosen zum Ende hin, wo wir zusätzliche haben, auch Patienten mit einer Priorisierungs-Gruppe 3 schon mal zu 2 mit vorzuziehen. Also die Flexibilität vom Verbrauchen der Impfdosen ist hilfreich für den Alltag.

Was ist im Umgang mit den Patienten zu beachten?

Die kommen zu einem gesonderten Termin, haben idealerweise die Aufklärungsunterlagen vorher schon zur Verfügung gestellt bekommen. Es gibt auch Film-Materialien. Allerdings ist auch festzustellen, wo man sich in der heutigen Zeit davon ausgehen kann, dass wir auf sehr impfwillige und sehr gut aufgeklärte Patienten bereits stoßen. Und wir reden offen über das, was die Nebenwirkungen angeht. Das heißt die Lokal- wie Allgemein-Reaktionen, die insbesondere beim AstraZeneca-Impfstoff nach der ersten Impfung zu erwarten sind und natürlich nach letzter Woche reden wir auch über sehr, sehr seltene Nebenwirkungen wie die Sinusvenenthrombose. Und das gehört in den Aufklärungs-Prozess mit hinein. Und das zweite ist sicher auch normal so, dass die Patienten automatisiert ein Terminierungs-Schema bekommen, wo der zweite Impf-Termin nach 12 Wochen enthalten ist.

Wie viele Patienten könnten Sie pro Woche impfen?

Das ist etwas, was wir nicht im Alltag nebenbei machen wollen, sondern wir verstehen das schon als COVID-Praxis als eine besondere und hoheitliche Aufgabe, und wir wären in der Lage, bis 1 000 Patienten pro Woche zu impfen in entsprechenden Räumen. Die Zahl haben wir uns auch deshalb überlegt, weil das für uns bedeuten würde, dass wir unsere chronisch kranken Patienten innerhalb eines Monats zumindest mit der ersten Impfdosis versorgen könnten. Und das ist eine Größenordnung, die ich auch offen gestanden als einen akzeptablen Zeitraum zur Durch-Impfung in der Bevölkerung ansehe.

Wie sind die Reaktionen der Patienten?

Also körperlich werden die Patienten nachbeobachtet, wie das auch in Impf-Zentren erfolgt. Bislang sind bei uns keine besonderen Vorkommnisse aufgetreten. Wir reden über die üblichen Lokal- und Allgemein-Reaktionen. Die Patienten sind mit Informationen und Material versorgt. Und das zweite ist fast der wesentliche Punkt, dass wir natürlich eine große Freude und Dankbarkeit bei den Patienten spüren, weil es für viele Menschen einfach der Schritt auch wieder in eine neue Form von Normalität darstellt. Das wird schon so empfunden und ich glaube, dass das auch ein wichtiger Schritt in der Umsetzung der Impf-Strategie ist. Es gibt sehr viele Menschen, die auf diese Impfung warten, die sie sehnsuchtsvoll bekommen möchten und insofern, wenn wir diesen großen Teil der Bevölkerung zeitnah und schnell impfen, haben wir große Schritte für uns alle geschafft.

Seit März impfen ausgewählte Praxen in Berlin ihre Patientinnen und Patienten gegen das COVID-19. Der Impfstoff dabei ist der von AstraZeneca. Der Allgemeinmediziner Dr. Axel Baumgarten berichtet im Interview, wie das Impfen in seiner Praxis läuft und welche Erfahrungen er inzwischen gemacht hat.

Hinweis: Das Interview wurde am 23. März geführt.