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Stand 28.06.2019

Technische Ausstattung für die TI

Diese technische Ausstattung benötigen Praxen für die Nutzung der Telematikinfrastruktur

Um die Telematikinfrastruktur (TI) nutzen zu können, benötigen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten verschiedene Komponenten und Dienste. Alle müssen von der gematik für den Einsatz in der TI zugelassen sein.

Ärzte und Psychotherapeuten wenden sich vor der Bestellung von Komponenten am besten zunächst an ihren PVS-Hersteller beziehungsweise ihren Systembetreuer.

Die gematik veröffentlicht auf ihrer Internetseite eine
Liste der zugelassenen Komponenten der TI.
Praxen finden darin die für sie relevanten Informationen, wenn sie im Menü "Zielgruppe" den Punkt "Arztpraxis" wählen.

 

Konnektor

Funktion: Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor. Er ähnelt einem DSL-Router, arbeitet allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Er stellt ein sogenanntes virtuelles privates Netzwerk (VPN) zur TI her, das eine Kommunikation unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien völlig abgeschirmt vom Internet ermöglicht. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem PVS per Netzwerk verbunden. Er enthält auch das notwendige Modul für das Versichertenstammdatenmanagement.

Finanzierung: Die Kosten sind in der Erstausstattungspauschale enthalten. Pro Praxis wird ein Konnektor finanziert, mit dem die komplette Praxis an die TI angebunden wird. Auch Praxisgemeinschaften können einen Konnektor gemeinsam verwenden. Ausgelagerte Praxisräume erhalten statt eines Konnektors ein mobiles Kartenlesegerät.

Erhältlich ab: Es sind inzwischen vier Konnektoren - und damit alle Modelle, für die der Zulassungsprozess begonnen wurde - verfügbar.

 

E-Health-Kartenterminals

Funktion: Die neuen E-Health-Kartenterminals sind notwendig, um Online-Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte nutzen zu können; zunächst das VSDM. Über die Geräte erfolgt auch die Anmeldung der Praxis an der TI: Dazu wird der neue Praxisausweis (SMC-B) – eine Chipkarte, die die Praxis für die Teilnahme an der TI authentifiziert – in das Kartenterminal eingesteckt. Der elektronische Heilberufeausweis kann ebenfalls über die Terminals eingelesen werden. Die Geräte müssen von der gematik zugelassen sein. Die seit 2011 im Rahmen des Basis-Rollouts angeschafften Kartenterminals können – nach heutigem Stand – nicht per Softwareupdate auf ein eHealth-Kartenterminal aufgerüstet werden und müssen daher ersetzt werden.

Finanzierung: Die Kosten sind in der Erstausstattungspauschale enthalten. Pro Kartenterminal stehen 435 Euro zur Verfügung. Dabei können Praxen abhängig vom Zulassungsumfang aller dort tätigen Ärzte/Therapeuten bis zu drei Geräte erhalten: mit einem Äquivalent von bis zu drei Vollzeitstellen (Ärzten/Psychotherapeuten) ein Gerät, mit vier bis sechs Vollzeitstellen zwei Geräte und mit mehr als sechs Vollzeitstellen drei Geräte.

Praxen, die Anspruch auf mehrere Kartenterminals haben, erhalten einen sogenannten Komplexitätszuschlag. Für Praxen mit 2 Terminals sind das 230 Euro, für 3 Terminals 460 Euro.

Erhältlich ab: Es sind verschiedene Gerätemodelle verfügbar.

 

Mobile Kartenterminals

Funktion: Ärzte, die Haus- und Pflegeheimbesuche durchführen, die meisten Anästhesisten sowie Praxen mit ausgelagerten Praxisstätten erhalten auch ein mobiles Kartenterminal. Diese Geräte arbeiten im Offline-Betrieb: Eine Aktualisierung der Versichertenstammdaten ist damit nicht möglich, dies erfolgt ausschließlich in der Praxis mit Hilfe des Konnektors (vgl. Anlage 4a Bundesmantelvertrag-Ärzte). Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird ein weiterer Praxisausweis oder ein eHBA (ab Generation 2) zur Identifikation benötigt.

Finanzierung: Die Geräte werden mit 350 Euro finanziert, zuzüglich der Kostenerstattung für den Praxisausweis. Anspruch haben neben Anästhesisten, die Patienten in der Praxis eines anderen Arztes betreuen, alle Vertragsärzte mit mindestens hälftiger Zulassung, die 

  • im vergangenen oder aktuellen Quartal mindestens drei Hausbesuche (GOP 01410, 01411, 01412, 01413, 01415, 01418, 01721 und 05230) nachweisen können oder
  • einen Kooperationsvertrag zur Pflegeheimversorgung (nach Paragraf 119b SGB V Absatz 1 SGB V) abgeschlossen haben.

Auch ausgelagerte Praxisräume – sie werden nicht mit Konnektor und stationären Kartenterminals ausgestattet – erhalten die Pauschale.

Erhältlich ab: Verschiedene mobile Kartenlesegeräte sind verfügbar. 

 

Praxisausweis (SMC-B)

Funktion: Den Praxisausweis benötigen Praxen zur Registrierung als medizinische Einrichtung, damit der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen kann. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Security Module Card Typ B-Karte (SMC-B). Die Karte wird bei der Installation der TI-Technik in eins der Kartenterminals gesteckt und über eine PIN freigeschaltet. Eine erneute Eingabe der PIN ist erforderlich, wenn das Gerät neu eingeschaltet wird. Nur so kann der Konnektor eine Online-Verbindung zur TI herstellen.

Finanzierung: Für den Praxisausweis werden 23,25 Euro je Quartal erstattet (einmal pro Praxis). Damit sind die Kosten komplett abgedeckt. Für ein mobiles Kartenterminal wird ein weiterer Praxisausweis finanziert. Die Praxisausweise sind fünf Jahre gültig.

Bezug / Ansprechpartner: Damit sichergestellt ist, dass nur berechtigte Nutzer Zugang zur TI erhalten, gelten für die Ausgabe der Praxisausweise besondere Sicherheitsanforderungen: Vertragsärzte und -psychotherapeuten beantragen ihren Praxisausweis bei einem von der gematik zugelassenen Kartenhersteller. Dieser Anbieter holt bei der zuständigen KV die Bestätigung darüber ein, dass der Antragssteller tatsächlich Vertragsarzt oder -psychotherapeut ist und damit Anspruch auf einen Praxisausweis hat. Die Praxis erhält danach den Praxisausweis per Post sowie in einer separaten Sendung die PIN für die Karte zugeschickt. Die PIN muss an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. Sie wird sowohl für die Installation als auch für den laufenden Betrieb der TI benötigt. Praxen sollten mit etwa zwei Wochen Wartezeit von der Antragsstellung bis zum Empfang von Karte und PIN rechnen. Nach Erhalt der Karte muss diese noch über einen Online-Link freigeschaltet werden.

Erhältlich ab: Es sind mehrere Kartenhersteller, auch Trust-Service-Provider genannt, zugelassen. Eine Liste der Anbieter, die für den vertragsärztlichen Bereich zugelassen sind, findet sich im Downloadbereich auf dieser Seite.

 

Anpassung PVS

Funktion: Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss angepasst werden, um eine Verbindung zur TI zu ermöglichen und die Versichertendaten der eGK importieren zu können. Das Update ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte der TI-Anbindung.

Finanzierung: Die Kosten für das Update sind in der TI-Startpauschale (900 Euro) enthalten. Die Pauschale soll auch Kosten für die Installation und damit zusammenhängende Ausfallzeiten der Praxis und für Schulungen der Mitarbeiter abdecken.

Erhältlich ab: Die meisten PVS-Hersteller haben inzwischen das notwendige Update entwickelt und zertifizieren lassen.

VPN-Zugangsdienst und Internetanschluss

Funktion: Für den Zugang zur TI benötigen Praxen einen speziellen VPN-Zugangsdienst – ähnlich einem Internetprovider, der den Zugang zum Internet bereitstellt. Auch diese Dienste müssen sich von der gematik zertifizieren lassen. Praxisgemeinschaften können einen gemeinsamen VPN-Zugangsdienst nutzen.

Finanzierung: Die monatlichen Kosten für den VPN-Zugangsdienst werden durch die quartalsweise ausgezahlte Pauschale für den laufenden Betrieb abgegolten. Diese beträgt 248 Euro je Quartal. In dieser Pauschale sind auch die Kosten für die Wartung und nötige Updates des Konnektors enthalten.

Internet: Der Internetzugang ist eine Grundvoraussetzung für die TI. Praxen, die bisher noch keinen Internetanschluss haben, sollten dies möglichst bald nachholen. Ansprechpartner dafür sind die Internetprovider. Die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb eines Internetanschlusses zählen zu den allgemeinen Praxiskosten einer Vertragsarzt- bzw. Vertragspsychotherapeutenpraxis und sind damit bereits in den Gebührenordnungspositionen des EBM enthalten.

Optional: elektronischer Heilberufeausweis (eHBA)

Funktion: Der eHBA ist für den Zugang zur TI keine Pflicht, wohl aber für bestimmte kommende Anwendungen der TI wie das Notfalldatenmanagement. Dafür und für den Einsatz in mobilen Kartenterminals ist ein eHBA ab Generation 2 notwendig. Bereits jetzt wird der Ausweis für die qualifizierte elektronische Signatur benötigt, zum Beispiel für den eArztbrief, für Laborüberweisungen oder Anforderungen von Telekonsilen. Der eHBA kann bei der jeweiligen Landesärztekammer beziehungsweise Psychotherapeutenkammer beantragt werden. Ärztinnen und Ärzte sollten vor der Bestellung genau nachfragen, um welche Generation des Ausweises es sich handelt.


Finanzierung: Für den eHBA erhalten Vertragsärzte und -psychotherapeuten eine Pauschale von 11,63 Euro je Quartal. Das deckt die Hälfte der Kosten ab.

Anbindung an die TI

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Praxis oder ein Medizinisches Versorgungszentrum mithilfe eines Konnektors an die TI anzubinden. Die gematik hat zwei Standard-Szenarien vorgesehen: Reihenbetrieb und Parallelbetrieb. Welche Installationsvariante für eine Praxis am besten ist, hängt davon ab, wie die IT-Infrastruktur der Praxis insgesamt aussieht, welche Dienste wie IP-Telefonie oder Fernwartung des PVS genutzt werden und wie das gesamte IT-System am besten gesichert werden kann. Hier kann auch ein Gespräch mit dem IT-Dienstleister der Praxis unterstützen. 
 

Reihenbetrieb

Im Reihenbetrieb – auch als serieller Betrieb bezeichnet – befinden sich Kartenterminals und Praxisrechner im selben Praxisnetzwerk (LAN). Sie erhalten nur über den Konnektor Zugang zur TI. Beim Reihenbetrieb dient die im Konnektor integrierte Firewall als Schutzmechanismus, um das Praxisnetz optimal vor unautorisierten Zugriffen von außen zu schützen. 

Da die Konnektoren nur über eine eingeschränkte Anzahl an Anschlüssen (Ports) für Netzwerkkabel verfügen, ist – abhängig von der Anzahl der Arbeitsplätze und Kartenterminals – ein zusätzlicher Switch notwendig. 

Hinweis: Der Reihenbetrieb eignet sich vor allem für Praxen, die vorher noch keine Internetanbindung hatten oder die über keine komplexe IT-Vernetzung verfügen.

Internetnutzung

Auch das Internet kann über die TI genutzt werden. Über den gewählten Anbieter der TI (VPN-Zugangsdienstanbieter) kann optional der sogenannte Secure Internet Service genutzt werden. Dieser Service bie-tet einen gesicherten Zugang zu Diensten im Internet, bei dem der Datenverkehr entsprechend den Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik durch den VPN-Zugangsdienstanbieter für die TI geprüft werden. 

Möchte die Praxis Internetanwendungen nicht von Arbeitsplätzen mit Patientendaten nutzen, kann sie dafür einen separaten Internet-PC einsetzen. Dieser hat weder Zugriff auf Patientendaten noch eine Netzwerkverbindung zu ande-ren Rechnern mit Patientendaten. Die Patientendaten werden auf getrennten Arbeitsplätzen gespeichert und verarbeitet. Diese haben lediglich einen Zugang zur TI, jedoch nicht zum Internet. 
 

Parallelbetrieb

Im Parallelbetrieb wird der Konnektor in das bestehende Praxisnetzwerk (LAN) und dessen Sicherheitsmaßnahmen integriert. Er ist dann ein gleichwertiger, aber eigenständiger Teil des LAN neben anderen Komponenten wie dem Praxis-PC und dem Kartenterminal. Im Parallelbetrieb kann die integrierte Firewall des Konnektors nicht genutzt werden. Das Praxisnetzwerk mit all seinen IT-Komponenten muss deshalb durch eigene Sicherheitsmaßnahmen wie eine eigene Firewall geschützt werden. 

Hinweis: Der Parallelbetrieb eignet sich für Praxen, die eine komplexere IT-Infrastruktur haben und diese auch entsprechend absichern. Auch bei besonderen IT-Anforderungen wie dem Zugriff von zu Hause auf den Praxisrechner kann der Parallelbetrieb sinnvoll sein. 
 

Sonderform: Stand-Alone-Szenario

Das Stand-Alone-Szenario ist eine weitere Installationsvariante, bei der Praxis-LAN und TI-Anbindung technisch getrennt sind. Deshalb werden zwei Praxisausweise, Kartenterminals und Konnektoren benötigt. Anwendungen wie das VSDM sind möglich, aber umständlicher als mit den Standard-Szenarien. Laut Referentenentwurf für das „Digitale Versorgung-Gesetz“ will der Gesetzgeber das Stand-Alone-Szenario streichen, da damit andere Anwendungen der TI wie die elekt-ronische Patientenakte nicht möglich sind.

Ein Kartenterminal und ein Konnektor sind mit der TI verbunden. Darüber erfolgt das Online-VSDM. Wenn Versicherte in einem Quartal zum ersten Mal in die Praxis kommen, geben sie ihre eGK am Empfang ab. Das medizinische Fachpersonal steckt diese in das Kartenterminal mit TI-Anbindung, um die Versichertenstammdaten zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Danach wird die Karte gezogen und in das nicht mit der TI verbundene Kartenterminal am Praxiscomputer gesteckt, damit die aktuellen Stammdaten in das PVS eingele-sen werden können.

Mit den am PVS angeschlossenen Komponenten können später auch Notfalldaten oder der elektronische Medikationsplan von der eGK gelesen werden. Online-Funktionen wie der Zugriff auf elektronische Patientenakten können dagegen vom PVS aus nicht genutzt werden.
 

Sicherheit der Praxis in der TI

Unabhängig von der gewählten Anbindungsvariante muss jede Praxis technische und organisatorische Maßnahmen festlegen, um die Patientendaten zu schützen. Hierzu zählen neben der Netzwerksicherheit auch Punkte wie die Verwendung eines Virenschutzes und sicherer Passwörter. Dazu sind die Praxen aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung verpflichtet. Die getroffenen Festlegungen sollten im Rahmen der Anbindung an die TI auf Aktualität überprüft werden.

In einem  Informationsblatt zu Datenschutz und Haftung stellt die gematik klar, dass eine Haftung des Arztes oder Psychotherapeuten ausscheidet, sofern die zugelassenen Konnektoren vorschriftsgemäß verwendet, aufgestellt und betrieben würden. Dies sei sowohl nach der Datenschutz-Grundverordnung als auch nach jeder anderen vergleichbaren zivilrechtlichen Norm der Fall, „da nach allen haftungsrechtlichen Tatbeständen den Datenverarbeiter ein Verschulden für den eingetretenen Schaden treffen muss“. In diesem Zusammenhang weist die gematik auch darauf hin, dass dieses im Übrigen auch für jegliche strafrechtliche Haftung des Arztes bei der Nutzung eines Konnektors gelte.

Damit Praxen die Ausführung der Installation besser nachvollziehen und vom IT-Dienstleister dokumentieren lassen können, stellt die gematik ein Muster-Installationsprotokoll bereit. Dabei geht es nicht nur um technische Aspekte, sondern zum Beispiel auch darum, ob eine ausreichende Beratung zu wesentlichen Sicherheitsaspekten erfolgt ist. Die Materialien sind dabei sowohl hilfreich für Praxen, die noch an die TI angebunden werden, als auch für solche, die bereits über einen TI-Anschluss verfügen und noch keine vollständige Dokumentation darüber haben.

Dokumente der gematik zur TI-Anbindung von Praxen