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Stand 16.12.2016

Honorar

EBM-Leistungen für nichtärztliche Praxisassistenten in der Hausarztpraxis

VERAH, EVA oder MoPra – schon heute unterstützen nichtärztliche Praxisassistenten Hausärzte vor allem in unterversorgten Regionen. Seit 1. Januar 2015 ist das bundesweit möglich. Die KBV hat mit den Krankenkassen vereinbart, dass künftig jede größere Hausarztpraxis nichtärztliche Praxisassistenten beschäftigen kann und eine Vergütung für die nötigen Strukturen erhält. Welche Kriterien die Ärzte erfüllen müssen, wie die Vergütung geregelt ist und welche Ausbildung der Praxisassistent vorweisen muss, stellen wir Ihnen vor.

Die Details im Überblick

Hausärzte, die einen nichtärztlichen Praxisassistenten beschäftigen, erhalten eine Förderung von bis zu 1.320 Euro im Quartal (neu ab 1. Januar 2017: 2.506 Euro). Außerdem werden die Hausbesuche durch diesen Mitarbeiter vergütet. Die Ärzte benötigen für die Abrechnung eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die Praxisassistenten eine Zusatzausbildung.

Voraussetzungen: Wer Praxisassistenten beschäftigen kann

Praxisassistenten sollen vor allem in Hausarztpraxen zum Einsatz kommen, die viele Patienten betreuen. Hausärzte, die die neuen Leistungen abrechnen wollen, müssen deshalb bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sie erhalten eine Genehmigung ihrer KV, wenn sie:

  • gegenüber der KV erklären, dass sie einen nichtärztlichen Praxisassistenten mit der geforderten Qualifikation (gemäß Anlage 8 Bundesmantelvertrag-Ärzte / „Delegations-Vereinbarung“) für mindestens 20 Wochenstunden in der Praxis beschäftigen und
  • eine der folgenden Bedingungen erfüllen:
    • in den letzten vier Quartalen durchschnittlich mindestens 860 Fälle je Hausarzt (mit vollen Zulassung) und Quartal
      (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 640 Fälle je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang: d.h. bei einem Arztsitz 860, bei zwei Sitzen 1.500, bei 2,5 Sitzen 1.820 Fälle, bei drei Sitzen 2.140 usw.)
    • in den letzten vier Quartalen im Schnitt mindestens 160 Fälle je Hausarzt bei Patienten, die älter als 75 Jahre sind
      (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 120 Fälle je weiterem Hausarzt (mit vollem Tätigkeitsumfang): d.h. bei einem Sitz 160, bei zwei Sitzen 280, bei 2,5 Sitzen 340 Fälle, bei drei Sitzen 400 Fälle usw.)

Hinweise zur Fallzählung

Sofern ein Hausarzt nicht in Vollzeit tätig ist, wird die Fallzahl anteilig ermittelt. Nicht berücksichtigt werden Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle. Behandlungsfälle aus Selektivverträgen (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung werden ebenfalls mitgezählt. Hierbei sind die Regelungen in der neuen Nr. 11 der Präambel 3.1 des EBM (gültig seit 1. Januar 2015) zu berücksichtigen.

Die Genehmigung gilt zunächst für zwei Jahre, danach wird jährlich geschaut, ob die Kriterien weiterhin erfüllt sind.

Sonderregelung für Neupraxen und Praxisübernahme

Die Sonderregelung gilt für alle neu und kürzer als 18 Monate zugelassenen Hausärzte, die eine Praxis eröffnen oder eine bestehende Praxis übernehmen.

Die Regelung sieht vor, dass bei diesen Hausärzten die Vorgaben zu den Mindestfallzahlen in den auf die Zulassung folgenden sechs Quartalen nicht angewendet werden. Bei der Berechnung der Anzahl der Ärzte der Praxis zur Bestimmung der Mindestfallzahlen werden diese Ärzte mit einem Tätigkeitsumfang von 0 berücksichtigt – anstatt mit dem Tätigkeitsumfang, der im individuellen Zulassungs- beziehungsweise Genehmigungsbescheid steht.

Vergütung und Abrechnung

Hausärzte erhalten für einen nichtärztlichen Praxisassistenten einen Zuschlag von bis zu 1.320 Euro pro Praxis im Quartal. Außerdem werden die Hausbesuche des Assistenten vergütet. Das sind die neuen Leistungen: 

Leistung  GOP  Vergütung 
Zuschlag zur GOP 03040 (hausärztliche Strukturpauschale) 03060 22 Punkte
(ca. 2,25 Euro)
Hausbesuch des Assistenten einschließlich Wegekosten 03062 166 Punkte
(ca. 17,05 Euro)
Mitbesuch des Assistenten einschließlich Wegekosten 03063 122 Punkte
(ca. 12,50 Euro)

Erläuterungen zu den neuen Leistungen:

  • Jeder Haus- und Mitbesuch wird zu einem festen Preis extrabudgetär vergütet. Es gibt keine Mengenbegrenzung.
  • Mit dem Zuschlag (GOP 03060) sollen vor allem Ausgaben für Weiterbildung, höhere Personalkosten und zusätzliche Praxisausstattung wie Mobiltelefon für Hausbesuche finanziert werden.
  • Der Zuschlag (GOP 03060) wird je Behandlungsfall gezahlt, maximal für 600 Fälle (bis zu einem Höchstwert von 12.851 Punkten) im Quartal, aber:
    • Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle erhalten keinen Zuschlag.
    • Die Anzahl der Zuschläge verringert sich um die Zahl der Behandlungsfälle aus Selektivverträgen ohne Beteiligung der KV (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung. Beispiel: Eine Praxis mit 200 Selektivvertragsfällen erhält statt für 600 Fälle nur für 400 Fälle einen Zuschlag. Der Grund ist, dass in diesen Verträgen häufig bereits eine Vergütung des Praxisassistenten vorgesehen ist.
  • Neben den GOPen 03062 und 03063 können auch Leistungen des Abschnitts 32.2 sowie die GOP 31600 abgerechnet werden.
  • Die neuen GOPen 03062 und 03063 ersetzten die alten Kostenpauschalen 40870 und 40872, die bisher nur für Hausbesuche von nicht-ärztlichen Praxisassistenten in unterversorgten Regionen abgerechnet werden konnten.

Übergangsregelung: Vergütung ab Beginn der Ausbildung

Da in vielen Hausarztpraxen Mitarbeiter für diese neuen Aufgaben erst noch ausgebildet werden müssen, haben KBV und Krankenkassen die bisherige Übergangsregelung im Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) angepasst. Die neuen GOPen sind demnach bereits ab Beginn der Ausbildung des Mitarbeiters zum nichtärztlichen Praxisassistenten berechnungsfähig, sofern zu erwarten ist, dass die Ausbildung bis zum 31. Dezember 2018 (neu) abgeschlossen ist beziehungsweise bis dahin eventuell noch fehlende Module absolviert sein werden.

Finanzierung: 118 Millionen Euro

Die Krankenkassen stellen für den Einsatz nichtärztlicher Praxisassistenten im nächsten Jahr rund 118 Millionen Euro zusätzlich bereit. Die KBV konnte erreichen, dass alle Leistungen zu festen Preisen bezahlt werden. Der Bewertungsausschuss wird in einem Zeitraum von fünf Abrechnungsjahren das Vergütungsvolumen der neuen Leistungen analysieren. Sollten die jährlichen Ausgaben von den 118 Millionen abweichen, wird der Bewertungsausschuss eine Anpassung der Vergütung, insbesondere der GOP 03060 beschließen.

Aufgaben und Ausbildung des Praxisassistenten

Nichtärztliche Praxisassistenten unterstützen den Hausarzt bei der Betreuung der Patienten. Sie führen Hausbesuche sowie Besuche in Alten- und Pflegeheimen durch. Der Arzt überwacht die Tätigkeit des Assistenten und ist jederzeit für ihn erreichbar. Nach einem Hausbesuch informiert der Assistent den Arzt spätestens am nächsten Werktag über die erhobenen Befunde und durchgeführten Maßnahmen.

Praxismitarbeiter, die diese Aufgabe übernehmen wollen, benötigen eine Fortbildung. Inhalte und Umfang der Ausbildung sind in der Delegations-Vereinbarung (Paragraf 7 Anlage 8 BMV-Ä) geregelt.

Die Bundesärztekammer hat ein entsprechendes Fortbildungscurriculum für Medizinische Fachangestellte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe entwickelt. Praxismitarbeiter, die bereits eine Ausbildung zur VERAH, MoPra und MoNi absolviert haben, müssen zur Erfüllung der Anforderungen der Delegations-Vereinbarung ergänzende Ausbildungsstunden oder -module belegen.

Nichtärztliche Praxisassistenten: Die Neuerungen ab 1. Januar 2017 im Überblick

Vergütung

Hausärzte erhalten für einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten eine Strukturförderung von bis zu 2.506 Euro pro Praxis im Quartal. Dazu wird unter anderem ein neuer Zuschlag zur Gebührenordnungsposition (GOP) 03060 eingeführt: die GOP 03061. Außerdem werden die Besuche des Assistenten bei Patienten höher vergütet. Dazu werden ebenfalls zwei Zuschläge eingeführt.

Leistung  GOP  Vergütung 

Strukturförderung

(als Zuschlag zur
hausärztlichen
Strukturpauschale)

bis 31.12.2016
03060 22 Punkte
(2,30 Euro)
ab 1.1.2017
03060
22 Punkte
03061 12 Punkte
insgesamt: 34 Punkte
(3,58 Euro)
Besuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
bis 31.12.2016
03062 166 Punkte
(17,32 Euro)
ab 1.1.2017
03062 166 Punkte
03064 20 Punkte
insgesamt: 186 Punkte
(19,59 Euro)
Mitbesuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
bis 31.12.2016
03063 122 Punkte
(12,85 Euro)
ab 1.1.2017
03063 122 Punkte
03065 14 Punkte
insgesamt: 136 Punkte
(14,32 Euro)

 

Erläuterungen zur Vergütung

  • Die GOP 03060 und 03061 (Strukturzuschläge) werden je Behandlungsfall gezahlt, maximal für 700 Fälle (bis zu einem Höchstwert von 23.800 Punkten bzw. 2.506 Euro) im Quartal, wie bisher gilt:
    • Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle erhalten keinen Zuschlag.
    • Die Anzahl der Zuschläge verringert sich um die Zahl der Behandlungsfälle aus Selektivverträgen ohne Beteiligung der KV (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung. Der Grund ist, dass in diesen Verträgen häufig bereits eine Vergütung des Praxisassistenten vorgesehen ist.
  • Der Strukturzuschlag – die GOP 03060 und 03061 – wird von der Kassenärztlichen Vereinigung zugesetzt.
  • Die Vergütung der sechs GOP, einschließlich der Haus- und Pflegeheimbesuche (GOP 03062 und 03064 sowie 03063 und 03065), erfolgt weiterhin extrabudgetär.

Voraussetzungen: Anzahl der Behandlungsfälle

Ab 1. Januar können mehr Hausarztpraxen von der Förderung eines nichtärztlichen Praxisassistenten profitieren. Dazu wird die als Abrechnungsvoraussetzung durchschnittlich zu erfüllende Mindestzahl von Behandlungsfällen beziehungsweise Mindestzahl von Patienten, die älter als 75 Jahre alt sind, abgesenkt.

Das heißt: Hausarztpraxen können eine Abrechnungsgenehmigung erhalten, wenn sie

  • in den letzten vier Quartalen durchschnittlich mindestens 700 Fälle je Hausarzt (mit voller Zulassung) und Quartal behandelt haben (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 521 je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang)
    oder
  • in den letzten vier Quartalen im Durchschnitt mindestens 120 Fälle je Hausarzt und Quartal bei Patienten, die älter als 75 Jahre sind, behandelt haben (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 80 Fälle je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang)

Hinweise zur Fallzählung

Wie bisher gilt: Sofern ein Hausarzt nicht in Vollzeit tätig ist, wird die Fallzahl anteilig ermittelt. Nicht berücksichtigt werden Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle. Behandlungsfälle aus Selektivverträgen (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung werden ebenfalls mitgezählt.