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Stand 16.01.2018

Honorar

Nichtärztliche Praxisassistenten in Haus- und Facharztpraxen

Haus- und Facharztpraxen können nichtärztliche Praxisassistenten beschäftigen, die sie bei der Betreuung ihrer Patienten unterstützen - zum Beispiel bei Haus- und Pflegeheimbesuchen. Welche Kriterien die Ärzte erfüllen müssen, wie die Vergütung geregelt ist und welche Ausbildung der Praxisassistent vorweisen muss, stellen wir Ihnen vor.

Hausärzte: Details im Überblick

Hausärzte, die einen nichtärztlichen Praxisassistenten beschäftigen, erhalten eine Förderung von bis zu 2.506 Euro im Quartal (Strukturzuschlag). Außerdem werden die Haus- und Pflegeheimbesuche durch diesen Mitarbeiter vergütet. Die Ärzte benötigen für die Abrechnung eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung, die Praxisassistenten eine Zusatzausbildung.

Voraussetzungen: Wer Praxisassistenten beschäftigen kann

Praxisassistenten sollen vor allem in Hausarztpraxen zum Einsatz kommen, die viele Patienten betreuen. Hausärzte, die die Leistungen abrechnen wollen, müssen deshalb bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sie erhalten eine Genehmigung ihrer KV, wenn sie:

  • gegenüber der KV erklären, dass sie einen nichtärztlichen Praxisassistenten mit der geforderten Qualifikation (gemäß Anlage 8 Bundesmantelvertrag-Ärzte / „Delegations-Vereinbarung“) für mindestens 20 Wochenstunden in der Praxis beschäftigen und
  • eine der folgenden Bedingungen erfüllen:
    • in den letzten vier Quartalen durchschnittlich mindestens 700 Fälle je Hausarzt (mit voller Zulassung) und Quartal behandelt haben (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 521 je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang) oder
    • in den letzten vier Quartalen im Durchschnitt mindestens 120 Fälle je Hausarzt und Quartal bei Patienten, die älter als 75 Jahre sind, behandelt haben (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 80 Fälle je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang) 

Hinweise zur Fallzählung

Sofern ein Hausarzt nicht in Vollzeit tätig ist, wird die Fallzahl anteilig ermittelt. Nicht berücksichtigt werden Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle. Behandlungsfälle aus Selektivverträgen (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung werden ebenfalls mitgezählt. Hierbei sind die Regelungen in der neuen Nr. 11 der Präambel 3.1 des EBM zu berücksichtigen.

Die Genehmigung gilt zunächst für zwei Jahre, danach wird jährlich geschaut, ob die Kriterien weiterhin erfüllt sind.

Sonderregelung für Neupraxen und Praxisübernahme

Die Sonderregelung gilt für alle neu und kürzer als 18 Monate zugelassenen Hausärzte, die eine Praxis eröffnen oder eine bestehende Praxis übernehmen.

Die Regelung sieht vor, dass bei diesen Hausärzten die Vorgaben zu den Mindestfallzahlen in den auf die Zulassung folgenden sechs Quartalen nicht angewendet werden. Bei der Berechnung der Anzahl der Ärzte der Praxis zur Bestimmung der Mindestfallzahlen werden diese Ärzte mit einem Tätigkeitsumfang von 0 berücksichtigt – anstatt mit dem Tätigkeitsumfang, der im individuellen Zulassungs- beziehungsweise Genehmigungsbescheid steht.

Vergütung

Leistung  GOP  Bewertung

Strukturförderung

(als Zuschlag zur
hausärztlichen
Strukturpauschale)

03060 22 Punkte
03061 12 Punkte
insgesamt: 34 Punkte
Besuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
03062 166 Punkte
03064 (Zuschlag) 20 Punkte
insgesamt: 186 Punkte
Mitbesuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
03063 122 Punkte
03065 (Zuschlag) 14 Punkte
insgesamt: 136 Punkte

 

Erläuterungen zur Vergütung

Besuch und Mitbesuch

  • Jeder Besuch und Mitbesuch wird zu einem festen Preis extrabudgetär vergütet. Es gibt keine Mengenbegrenzung.
  • Neben den GOP 03062 und 03063 können auch Leistungen des Abschnitts 32.2 sowie die GOP 31600 abgerechnet werden. Die GOP 03062 und 03063 ersetzten die alten Kostenpauschalen 40870 und 40872, die bisher nur für Hausbesuche von nichtärztlichen Praxisassistenten in unterversorgten Regionen abgerechnet werden konnten.

Strukturzuschlag

  • Mit dem Strukturzuschlag (GOP 03060 und 03061) sollen vor allem Ausgaben für Weiterbildung, höhere Personalkosten und zusätzliche Praxisausstattung wie Mobiltelefon für Hausbesuche finanziert werden. Er wird von der Kassenärztlichen Vereinigung zugesetzt und je Behandlungsfall gezahlt, maximal für 700 Fälle (bis zu einem Höchstwert von 23.800 Punkten bzw. 2.506 Euro) im Quartal. Es gilt:
    • Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle erhalten keinen Zuschlag.
    • Die Anzahl der Zuschläge verringert sich um die Zahl der Behandlungsfälle aus Selektivverträgen ohne Beteiligung der KV (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung. Der Grund ist, dass in diesen Verträgen häufig bereits eine Vergütung des Praxisassistenten vorgesehen ist.

Übergangsregelung: Vergütung ab Beginn der Ausbildung

Da in vielen Hausarztpraxen Mitarbeiter für diese neuen Aufgaben erst noch ausgebildet werden müssen, haben KBV und Krankenkassen eine Übergangsregelung im Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) festgelegt. Die GOP sind demnach bereits ab Beginn der Ausbildung des Mitarbeiters zum nichtärztlichen Praxisassistenten berechnungsfähig, sofern zu erwarten ist, dass die Ausbildung bis zum 31. Dezember 2018 abgeschlossen ist beziehungsweise bis dahin eventuell noch fehlende Module absolviert sein werden.

Aufgaben und Ausbildung des Praxisassistenten

Nichtärztliche Praxisassistenten unterstützen den Hausarzt bei der Betreuung der Patienten. Sie führen Hausbesuche sowie Besuche in Alten- und Pflegeheimen durch. Der Arzt überwacht die Tätigkeit des Assistenten und ist jederzeit für ihn erreichbar. Nach einem Hausbesuch informiert der Assistent den Arzt spätestens am nächsten Werktag über die erhobenen Befunde und durchgeführten Maßnahmen.

Praxismitarbeiter, die diese Aufgabe übernehmen wollen, benötigen eine Fortbildung. Inhalte und Umfang der Ausbildung sind in der Delegations-Vereinbarung (Paragraf 7 Anlage 8 BMV-Ä) geregelt.

Die Bundesärztekammer hat ein entsprechendes Fortbildungscurriculum für Medizinische Fachangestellte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe entwickelt. Praxismitarbeiter, die bereits eine Ausbildung zur VERAH, MoPra und MoNi absolviert haben, müssen zur Erfüllung der Anforderungen der Delegations-Vereinbarung ergänzende Ausbildungsstunden oder -module belegen.

Fachärzte: Details im Überblick

Fachärzte können einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten beschäftigen und erhalten Zuschläge auf Haus- und Pflegeheimbesuche, die dieser Mitarbeiter durchführt. Die Delegation von ärztlichen Leistungen ist im EBM-Kapitel 38 geregelt. Praxen, die Leistungen aus dem Abschnitt 38.3 abrechnen wollen, benötigen eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung, die Praxisassistenten eine Zusatzausbildung.

Voraussetzungen: Wer Praxisassistenten beschäftigen kann

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten – Abschnitt 38.3

Fachärzte, die Haus- und Pflegeheimbesuche an einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten delegieren und abrechnen wollen, benötigen eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Dabei müssen sie erklären, dass sie einen nichtärztlichen Praxisassistenten gemäß Anlage 8 zum BMV-Ä (Delegations-Vereinbarung) mit mindestens 20 Wochenstunden beschäftigen.

Der Assistent muss eine nach dem qualifizierten Berufsabschluss mindestens dreijährige Berufserfahrung nachweisen und bereits mindestens 20 Hausbesuche zur Verrichtung medizinisch notwendiger delegierbarer Leistungen in Alten- oder Pflegeheimen oder in anderen beschützenden Einrichtungen begleitet haben.

Eine Mindestanzahl von Behandlungsfällen ist keine Voraussetzung.

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von Praxismitarbeitern – Abschnitt 38.2

Voraussetzung für die Abrechnung der Leistungen des Abschnittes 38.2 (GOP 38100 und 38105) ist die Anstellung eines nichtärztlichen Mitarbeiters mit einer abgeschlossenen Ausbildung in einem nichtärztlichen Heilberuf.

Vergütung

Leistung  GOP  Bewertung 
Hausbesuch
Besuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
38100 76 Punkte
38202 (Zuschlag) 90 Punkte
insgesamt: 166 Punkte
Mitbesuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
38105 39 Punkte
38207 (Zuschlag) 83 Punkte
insgesamt: 122 Punkte
Pflegeheimbesuch
Besuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
38100 76 Punkte
38200 (Zuschlag) 90 Punkte
insgesamt: 166 Punkte
Mitbesuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
38105 39 Punkte
38205 (Zuschlag) 83 Punkte
insgesamt: 122 Punkte

Hinweis: Fachärzte, die keinen genehmigten Praxisassistenten beschäftigen, können die GOP 38100 / 38105 abrechnen. Sie erhalten allerdings keine Zuschläge.

Erläuterungen zur Vergütung

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten – Abschnitt 38.3

Der EBM-Abschnitt 38.3 enthält delegationsfähige Leistungen, die nur Ärzte abrechnen können, die einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten beschäftigen und dafür eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung haben.

Die Zuschläge werden extrabudgetär und damit ohne Mengenbegrenzung in voller Höhe vergütet.

Abrechnungsvoraussetzungen

Ärzte, die die GOP 38200 und 38205 abrechnen wollen, benötigen eine Genehmigung ihrer KV. Das sind die Anforderungen:

  • Die Praxis muss gegenüber der KV erklären, dass sie einen nichtärztlichen Praxisassistenten (NäPA) gemäß Anlage 8 zum BMV-Ä (Delegations-Vereinbarung) mit mindestens 20 Wochenstunden beschäftigt.
  • Der Assistent muss eine nach dem qualifizierten Berufsabschluss mindestens dreijährige Berufserfahrung nachweisen und bereits mindestens 20 Hausbesuche zur Verrichtung medizinisch notwendiger delegierbarer Leistungen in Alten- oder Pflegeheimen oder in anderen beschützenden Einrichtungen begleitet haben.

Hinweis: Eine Mindestanzahl an Behandlungsfällen – wie bei Hausärzten verlangt – wird nicht gefordert. Daher wird die Anstellung auch nicht durch eine Strukturpauschale (vergleichbar mit der GOP 03060) gefördert.

Wer die neuen Leistungen abrechnen kann

Die GOP 38200 und 38205 können von Fachärzten fast aller Fachrichtungen abgerechnet werden, die dafür eine Genehmigung ihrer KV haben:

  • Augenärzte
  • Chirurgen
  • Frauenärzte
  • Hals-Nasen-Ohren-Ärzte
  • Hautärzte
  • Internisten mit und ohne Schwerpunkt
  • Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen
  • Neurologen
  • Nervenärzte
  • Neurologen/Psychiater
  • Orthopäden
  • Orthopäden/Unfallchirurgen
  • Psychiater/Psychotherapie
  • Urologen
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin

Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte

Die KBV konnte erreichen, dass auch Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte die Zuschläge abrechnen können. Damit können kleinere Hausarztpraxen, die bislang aufgrund ihrer Fallzahl keine Genehmigung für die Abrechnung von Leistungen nichtärztlicher Praxisassistenten erhalten konnten, die Qualifikationszuschläge berechnen.

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von Praxismitarbeitern – Abschnitt 38.2

Der EBM-Abschnitt 38.2 enthält die bisherigen Kostenpauschalen für ärztliche Hilfeleistungen, die Praxismitarbeiter im Auftrag des Arztes durchführen dürfen: GOP 38100 (alt: GOP 40240) und GOP 38105 (alt: GOP 40260).

Hinweise zur Abrechnung

Die GOP 38100 und 38105 enthalten die Wegekosten (entfernungsunabhängig) und können nur berechnet werden, wenn der Patient aus medizinischen Gründen die Arztpraxis nicht aufsuchen kann. Die GOP 38100 ist am Behandlungstag nicht neben den GOP 03062, 03063 und 38105 berechnungsfähig, die GOP 38105 nicht neben den GOP 03062, 03063 und 38100.

Die Vergütung der GOP 38100 und 38105 erfolgt innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung.

Abrechnungsvoraussetzung

Voraussetzung für die Abrechnung der Leistungen des Abschnittes 38.2 (GOP 38100 und 38105) ist die Anstellung eines nichtärztlichen Mitarbeiters mit einer abgeschlossenen Ausbildung in einem nichtärztlichen Heilberuf.

Wer kann die Leistungen abrechnen

Die GOP dieses Abschnitts können von allen Vertragsärzten berechnet werden, die die Abrechnungsvoraussetzung erfüllen.