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Stand 04.11.2022

Terminvermittlung

Neue Regelungen zur Terminvermittlung ab Januar 2023

Abschaffung Neupatientenregelung, Anpassung Zuschläge und offene Sprechstunde

Zum 1. Januar 2023 erfolgen für Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mehrere Anpassungen bei der Terminvermittlung. Hintergrund ist das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz. Die wichtigsten Punkte:

  • Neupatientenregelung: Die Neupatientenregelung wird abgeschafft. Sie war 2019 mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeführt worden, damit neue Patientinnen und Patienten schneller einen Termin bekommen. Sie sah vor, dass die Leistungen für die Behandlung dieser Patientinnen und Patienten in voller Höhe vergütet werden.
  • Zuschläge: Die Zuschläge für eine schnelle Terminvermittlung durch die Terminservicestellen (TSS) oder Hausärzte werden erhöht.
  • Offene Sprechstunde: Untersuchungen und Behandlungen, die in einer offenen Sprechstunde durchgeführt werden, müssen künftig weitestgehend aus der gedeckelten morbiditätsbedingten Gesamtvergütung bezahlt werden. Ursprünglich sollten die Krankenkassen zusätzliche Finanzmittel bereitstellen, damit Versicherte schneller einen Facharzt konsultieren können.

Terminvergabe: Regelungen ab 1. Januar 2023

Die Zuschläge für die Behandlung von Patientinnen und Patienten, denen durch die Terminservicestellen oder den Hausarzt ein Termin vermittelt wurde, werden zum 1. Januar wie folgt angepasst:

Frist für Behandlung ab Terminvermittlung Zuschlag auf die jeweilige altersgruppenspezifische Versicherten-, Grund- bzw. Konsiliarpauschale
Akutfall spätestens am Folgetag 200 Prozent
spätestens am 4. Tag 100 Prozent
spätestens am 14. Tag 80 Prozent
spätestens am 35. Tag 40 Prozent

Vermittlung eines Termins beim Facharzt durch den Hausarzt

Fachärztinnen und Fachärzte können die Zuschläge (mit Ausnahmen des Zuschlags im Akutfall) auch dann abrechnen, wenn der Termin durch eine Hausärztin oder einen Hausarzt vermittelt wurde. Die Behandlung wird weiterhin extrabudgetär und damit in voller Höhe vergütet. Hausärztinnen und Hausärzte erhalten für die zeitnahe Vermittlung des Termins beim Facharzt 15 statt wie bislang 10 Euro.

Hinweis: Die Umsetzung der neuen Regelungen im EBM wird nun zunächst zwischen KBV und GKV-Spitzenverband verhandelt.

Terminvergabe: Regelungen bis 31. Dezember 2022

Terminvermittlung durch die Terminservicestellen

TSS-Terminfall: Extrabudgetäre Vergütung plus Zuschlag

Extrabudgetäre Vergütung: Die Untersuchung und Behandlung von Patientinnen und Patienten, die über eine Terminservicestelle in die Praxis kommen, wird seit dem 11. Mai 2019 extrabudgetär und damit in voller Höhe bezahlt – für das gesamte Quartal. Gesetzlich ausgenommen sind verschiebbare Routineuntersuchungen, Bagatellerkrankungen sowie weitere vergleichbare Fälle – diese können in angemessener Frist vermittelt werden, werden aber nicht extrabudgetär vergütet.

Extrabudgetärer Zuschlag: Zusätzlich gibt es ab 1. September einen extrabudgetären Zuschlag von 20, 30 oder 50 Prozent auf die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale.

Die Höhe des Zuschlags ist nach der Länge der Wartezeit auf einen Termin gestaffelt:

  • 50 Prozent: Termin innerhalb von acht Tagen
  • 30 Prozent: Termin innerhalb von neun bis 14 Tagen
  • 20 Prozent: Termin innerhalb von 15 bis 35 Tagen

Damit Praxen wissen, welchen Zuschlag sie ansetzen können, teilt ihnen die Terminservicestelle per E-Mail oder Fax den Tag mit, an dem sich der Versicherte wegen des Termins an die TSS gewandt hat – ab diesem Datum wird gezählt.

Beispiel: Eine Patientin ruft am 2. September in der TSS an und erhält für den 9. September einen Termin beim Orthopäden. Es sind genau acht Tage, die Praxis erhält den 50-prozentigen Zuschlag. Das Wochenende wird hierbei mitgezählt.

So rechnen Sie ab

  1. Abrechnung/Abrechnungsschein als „TSS-Terminfall" kennzeichnen: Damit alle Leistungen im Arztgruppenfall extrabudgetär vergütet werden, kennzeichnen Sie Ihre Abrechnung unter „Vermittlungsart" als „TSS-Terminfall". Im Praxisverwaltungssystem (PVS) steht eine entsprechende Funktion bereit.
  2. GOP für Zuschlag angeben: Für die Abrechnung des Zuschlags gibt es für jede Arztgruppe in dem jeweiligen EBM-Kapitel (mit Ausnahme der Laborärzte und Pathologen) eine neue Gebührenordnungsposition.
  3. GOP mit B, C oder D kennzeichnen: Die Höhe des Zuschlags – 50, 30 oder 20 Prozent – kennzeichnen Sie je nach Länge der Wartezeit auf den Termin mit dem Buchstaben B, C oder D. Den Rest übernimmt das PVS: Das Praxisverwaltungssystem ersetzt die angegebenen GOP automatisch und nachvollziehbar für die Praxis durch die altersklassenspezifischen GOP für die Zuschläge zu den Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen.Hinweis: Sollten weitere Angaben nötig sein, wird Sie Ihre KV informieren.

Hinweis zur Zusatzpauschale für U-Untersuchungen: Für Früherkennungsuntersuchungen im Kindesalter erhalten Ärzte seit 1. Januar 2020 eine Zusatzpauschale (GOP 01710), wenn der Termin zeitnah über eine TSS vermittelt wurde. Kinder- und Jugendärzte, Hausärzte, Gynäkologen, Orthopäden, Hals-Nasen-Ohren Ärzte sowie Phoniater rechnen sie anstatt der zeitgestaffelten Zuschläge zur Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale ab und kennzeichnen sie entsprechend. Die GOP kann nicht abgerechnet werden, wenn Termine für Laboruntersuchungen oder die J1 vermittelt wurden. Am selben Behandlungstag dürfen keine kurativen Leistungen durchgeführt und keine Versicherten- oder Grundpauschalen berechnet werden, an anderen Tagen im Quartal hingegen schon (alle Leistungen im Arztgruppenfall werden dann extrabudgetär vergütet). Die GOP ist einmal im Arztgruppenfall berechnungsfähig. Das heißt: Sie ist nicht berechnungsfähig, wenn das Kind in demselben Quartal in derselben Praxis bereits von einem Arzt der Arztgruppe, die die Früherkennungsuntersuchung durchführt, behandelt wurde.

Hinweis für ermächtigte Ärzte: Für ermächtige Ärzte, Institute beziehungsweise Krankenhäuser, die ausgewählte Leistungen ambulant durchführen dürfen, gibt es für den TSS-Terminfall zwei GOP im EBM: Die 01322 als Zuschlag zur GOP 01320 und die 01323 als Zuschlag zur GOP 01321. Beide GOP sind für Patienten, die über die TSS vermittelt werden, einmal im Arztgruppenfall berechnungsfähig. Die Höhe der Bewertung ist analog zu den anderen TSS-Zuschlägen nach der Länge der Wartezeit auf einen Termin gestaffelt. Ärzte mit einem vollen Ermächtigungsumfang rechnen anstelle der GOP 01322 und 01323 die zeitgestaffelten Zuschläge zur Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab.

TSS-Akutfall: Extrabudgetäre Vergütung plus Zuschlag

Patientinnen und Patienten, die wegen akuter Beschwerden die 116117 wählen, werden spätestens ab dem 1. Januar 2020 mit einem standardisierten Ersteinschätzungsverfahren in die richtige Versorgungsebene geführt. Das kann neben dem Bereitschaftsdienst oder der Notaufnahme auch eine Arztpraxis sein. In diesen dringenden Fällen erhält der Anrufer einen Termin innerhalb von 24 Stunden beim Arzt und wird so zum „TSS-Akutfall".

Auch beim TSS-Akutfall werden alle Leistungen im Arztgruppenfall und damit gesamten Quartal extrabudgetär vergütet. Zusätzlich gibt es einen Zuschlag auf die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale in Höhe von 50 Prozent.

So rechnen Sie ab

  1. Abrechnung/Abrechnungsschein als „TSS-Akutfall" kennzeichnen: Damit alle Leistungen im Arztgruppenfall extrabudgetär vergütet werden, kennzeichnen Sie Ihre Abrechnung unter „Vermittlungsart" als „TSS-Akutfall".
  2. GOP für den Zuschlag angeben: Für die Abrechnung des Zuschlags geben Sie die entsprechende GOP an.
  3. GOP mit A kennzeichnen: Für den 50-prozentigen Zuschlag fügen Sie den Buchstaben A hinzu (z. B. Augenärzte: GOP 06228A). Den Rest übernimmt das PVS: Das Praxisverwaltungssystem ersetzt die angegebenen GOP automatisch und nachvollziehbar für die Praxis durch die altersklassenspezifischen GOP für die Zuschläge zu den Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen.

Hinweis für Berufsausübungsgemeinschaften und MVZ

Die extrabudgetäre Vergütung plus Zuschlag erhalten in der BAG oder dem MVZ nur Ärzte der Fachgruppe, bei der die TSS für den Patienten einen Termin vereinbart hat, zum Beispiel beim Hautarzt. Sucht der Patient in demselben Quartal einen Arzt einer anderen Fachgruppe in der Praxis oder dem MVZ – ohne dass dieser Termin zusätzlich vermittelt wurde – auf, zum Beispiel einen Orthopäden und einen HNO-Arzt, legt dieser im PVS einen neuen Abrechnungsschein an.

Anders sieht es aus, wenn derselbe Patient in dem Quartal nochmals über die Terminservicestelle oder durch Terminvermittlung des Hausarztes die Praxis oder das MVZ aufsucht, um beispielsweise einen Orthopäden zu konsultieren. Dann erhält auch der Orthopäde die Leistungen extrabudgetär vergütet sowie einen Zuschlag. Dazu legt er einen neuen Abrechnungsschein an, den er als „TSS-Terminfall" oder „TSS-Akutfall" oder „HA-Vermittlungsfall" kennzeichnet.

Hausarzt vermittelt Termin beim Facharzt

Die Terminvermittlung durch den Hausarzt wird finanziell gefördert: Der Hausarzt sowie der Kinder- und Jugendarzt erhält seit 1. September 2019 rund zehn Euro für die Vereinbarung eines Termins. Der Facharzt bekommt die Behandlung eines durch den Hausarzt aufgrund medizinischer Dringlichkeit vermittelten Patienten seit 11. Mai 2019 extrabudgetär in voller Höhe vergütet.

Voraussetzungen sind:

  • Medizinische Dringlichkeit: Der Termin muss innerhalb von vier Kalendertagen liegen, nachdem der Hausarzt festgestellt hat, dass sich der Patient beim Facharzt vorstellen soll. Gezählt wird ab dem Folgetag.
  • Überweisung: Die Behandlung durch den Facharzt erfolgt auf Überweisung des Hausarztes.
  • Nicht in derselben Praxis: Der Facharzt, bei dem der Hausarzt einen Termin vereinbart, darf nicht in derselben BAG oder demselben MVZ tätig sein wie der Hausarzt.

Termin innerhalb von vier Tagen

Zählweise: Hier ist nicht das Datum der Kontaktaufnahme zur Terminvereinbarung mit der Facharztpraxis entscheidend. Die vier Kalendertage werden vielmehr ab dem Folgetag der Feststellung der Behandlungsnotwendigkeit gezählt.

Beispiel 1: Hausärztin Dr. M. stellt bei Herrn B. am Montag fest, dass ihn dringend ein Kardiologe untersuchen sollte und vereinbart noch am selben Tag einen Termin. Der Termin beim Kardiologen muss spätestens am Freitag liegen, damit Dr. M. den 10-Euro-Zuschlag erhält und der Kardiologe seine Leistungen extrabudgetär vergütet bekommt (vier Kalendertage: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag – der Montag zählt nicht mit).

Beispiel 2: Stellt die Hausärztin am Freitag fest, dass sich der Patient dringend bei einem Kardiologen vorstellen sollte, muss sie spätestens für Dienstag einen Termin vereinbaren, um die 4-Tagesfrist einzuhalten (vier Kalendertage: Samstag, Sonntag, Montag, Dienstag – der Freitag zählt nicht mit).

Hausarzt: Zuschlag von 10 Euro

  • Der Zuschlag wird gezahlt, wenn die hausärztliche Praxis einen Termin beim Facharzt beziehungsweise einem Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt oder Zusatzweiterbildung vermittelt (innerhalb von vier Tagen).
  • Der Hausarzt darf die Terminvermittlung an einen Praxismitarbeiter delegieren.
  • Der Hausarzt stellt dem Patienten für die Behandlung beim Facharzt eine Überweisung aus.
  • Benötigt ein Patient bei unterschiedlichen Fachärzten, beispielsweise beim Orthopäden und beim Neurologen, dringend einen Termin, kann der Hausarzt den Zuschlag auch mehrfach im Quartal abrechnen. Hierzu ist vom Hausarzt jeweils ein Termin zu vermitteln und jeweils eine Überweisung auszustellen.
  • Nicht berechnungsfähig ist der Zuschlag, wenn der Hausarzt bei einem Facharzt einen Termin vermittelt, bei dem der Patient im laufenden Quartal bereits war. Dies ist vom Hausarzt beim Patienten zu erfragen.
  • Der Hausarzt erhält den Zuschlag unabhängig davon, ob der Patient den Termin wahrgenommen hat.

So rechnen Sie ab

  1. GOP für Zuschlag angeben: Für den 10-Euro-Zuschlag zur Versichertenpauschale rechnen Sie die GOP 03008 bzw. GOP 04008 ab.
  2. BSNR der Facharztpraxis angeben: Zusätzlich geben Sie bei der Abrechnung die Betriebsstättennummer (BSNR) der Praxis an, bei der Sie für den Patienten einen Termin vereinbart haben. Hierfür gibt es ein neues Feld „BSNR des vermittelten Facharztes" im PVS. Die BSNR der einzelnen Praxen finden Sie in der „Kollegensuche" im Sicheren Netz – auch erreichbar über die Telematikinfrastruktur. Hinweis: Sollten weitere Angaben nötig sein, wird Sie Ihre KV informieren.

Facharzt: Extrabudgetäre Vergütung

Der Facharzt, bei dem die hausärztliche Praxis den dringenden Termin vereinbart, erhält die Behandlung des Patienten im gesamten Quartal extrabudgetär vergütet – wenn sie innerhalb von vier Tagen nach Feststellung der Behandlungsnotwendigkeit erfolgt. Auch hier gilt der Arztgruppenfall.

So rechnen Sie ab

  1. Überweisungsschein im PVS anlegen: Für Ihre Abrechnung nutzen Sie die Überweisung, die der Hausarzt ausgestellt hat. Hinweis: Der Original-Überweisungsschein muss nicht der Abrechnung beigefügt werden.
  2. Abrechnung/Überweisungsschein als „HA-Vermittlungsfall" kennzeichnen: Sie kennzeichnen Ihren Überweisungsschein im PVS als „HA-Vermittlungsfall". Dafür empfiehlt es sich, schon bei der Terminvereinbarung zu notieren, dass der Patient als „HA-Vermittlungsfall" in die Praxis kommt und wann die Feststellung der Behandlungsnotwendigkeit war. Hinweis: Sollten weitere Angaben nötig sein, wird Sie Ihre KV informieren.

Offene Sprechstunden

Grundversorgende und der wohnortnahen Patientenversorgung zugehörige Fachärzte müssen seit dem 1. September 2019 mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten – bei vollem Versorgungsauftrag, sonst anteilig. Konkret sind dies die Fachgruppen der EBM-Kapitel 6, 7, 8, 9, 10, 14, 16, 18, 21 und 26.

Diese Fachärzte müssen offene Sprechstunden anbieten: Augenärzte / Chirurgen / Gynäkologen / HNO- Ärzte / Hautärzte / Kinder- und Jugendpsychiater / Nervenärzte / Neurologen / Neurochirurgen / Orthopäden / Psychiater / Urologen

Hinweise zur Organisation

  • Wie Sie die Stunden auf die Arbeitswoche verteilen – jeden Tag eine offene Sprechstunde, alle fünf Stunden an einem Tag –, ist Ihnen freigestellt. Der Gesetzgeber hat hierzu keine Vorgaben gemacht, auch nicht dazu, wie Praxen diesen Eingriff in ihr Terminmanagement kurzfristig umsetzen sollen.
  • Es obliegt somit weiterhin Ihnen, die Praxis so zu organisieren, dass Ihre Patienten gut versorgt werden. Das bedeutet auch, dass Sie nur so viele Patienten behandeln können, wie es Ihre Kapazitäten erlauben. So können Sie beispielsweise einen Patienten, der nicht sofort eine Behandlung benötigt, durchaus auf die nächste offene Sprechstunde hinweisen oder ihm einen Termin anbieten.
  • Arbeiten mehrere Ärzte einer Fachgruppe in der Praxis oder dem MVZ, zum Beispiel drei Hautärzte, müssen nicht alle drei in der offenen Sprechstunde Patienten versorgen. Entscheidend ist die angebotene Stundenzahl – bei drei Ärzten mit voller Zulassung wären das 15 offene Sprechstunden pro Woche.

Veröffentlichung der Zeiten: Sie sind verpflichtet, die Zeiten Ihrer offenen Sprechstunde bekanntzugeben (z.B. Anrufbeantworter, Website, Aushang) sowie Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung zur Veröffentlichung mitzuteilen. Nähere Informationen dazu erhalten Sie von Ihrer KV.

Extrabudgetäre Vergütung

In der offenen Sprechstunde werden alle Leistungen extrabudgetär und damit in voller Höhe vergütet. Es gilt auch hier der Arztgruppenfall.

Höchstwert von 17,5 Prozent: Da die extrabudgetäre Vergütung laut TSVG auf fünf offene Sprechstunden je Kalenderwoche begrenzt ist, wurde ein Höchstwert vereinbart: Es werden pro Quartal maximal 17,5 Prozent der Arztgruppenfälle der Praxis extrabudgetär vergütet.

Beispiel: Im vierten Quartal 2019 hat die Praxis 1.000 Patienten behandelt (Arztgruppenfälle). Dann erhält sie davon bis zu 175 Arztgruppenfälle extrabudgetär und damit in voller Höhe vergütet.

Der Höchstwert hat für Praxen den Vorteil, dass sie keine weiteren Angaben, zum Beispiel die Uhrzeit der Behandlung in der offenen Sprechstunde, machen müssen. Auch müssen sie nicht selbst die Grenze bestimmen.

So rechnen Sie ab

  • Abrechnung /Abrechnungsschein als „Offene Sprechstunde" kennzeichnen: Damit die KV erkennt, dass der Patient in der offenen Sprechstunde behandelt wurde, kennzeichnen Praxen ihre Abrechnung im PVS als „Offene Sprechstunde". Hinweis: Sollten weitere Angaben nötig sein, wird Sie Ihre KV informieren.

Aufnahme neuer Patienten

Hinweis: Neupatientenregelung wird zum 1. Januar 2023 abgeschafft

Nicht selten kommen neue Patientinnen und Patienten in die Praxis, denn nicht jeder Versicherte hat „seinen" Hausarzt oder „seinen" Orthopäden. Seit 1. September 2019 erhalten Ärzte die Behandlung neuer Patienten grundsätzlich extrabudgetär und damit in voller Höhe vergütet (Arztgruppenfall). Als „neu" gelten Patienten, die weder im aktuellen noch in den acht vorangegangenen Quartalen in der jeweiligen Praxis waren.

Für diese Fachgruppen gilt die Regelung

  • Arztgruppen der folgenden EBM-Kapitel: 3, 4, 6, 7, 8, 9, 10, 13 (einschließlich Unterabschnitte), 14, 16, 18, 20, 21, 22, 23, 26, 27 und Abschnitt 30.7.

Für diese Fachgruppen bzw. Ärzte gilt die Regelung nicht

  • Ausgenommen von dieser Regelung sind: Anästhesisten, die keine schmerztherapeutische Behandlung durchführen, Humangenetiker, Labormediziner, Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen, Nuklearmediziner, Pathologen und Radiologen.
  • Neue Praxen: Ärzte, die eine Praxis neu gegründet oder übernommen haben, sind in den ersten beiden Jahren (volle acht Quartale) nach dem Start der Niederlassung ebenfalls von der Regelung ausgenommen. Nach diesem Zeitraum erhalten auch sie die Behandlung neuer Patienten extrabudgetär vergütet.

Zwei Jahre nicht in der Praxis – Was heißt das?

In der vertragsärztlichen Versorgung ist der Quartalsbezug üblich. So auch, wenn es um die Frage geht, ob ein Patient zwei Jahre und länger nicht da war. Entscheidend ist auch hier das Quartal und nicht der Behandlungstag, an dem der Patient zuletzt den Arzt konsultiert hat. Bei der Berechnung wird das aktuelle Quartal mitgezählt. Zwei Jahre heißt also: das aktuelle Quartal plus die acht vorangegangenen Quartale. Dabei ist zu beachten, dass auch die selektivvertragliche Behandlung des Patienten mitzählt.

Beispiel neuer Patient: Herr F. sucht im 3. Quartal 2019 seinen Hausarzt auf. Er war bei ihm zuletzt im 2. Quartal 2017 in Behandlung. Der Hausarzt bekommt die Behandlung extrabudgetär vergütet (aktuelles Quartal plus neun vorangegangene Quartale).

Beispiel kein neuer Patient: Frau H. sucht im 3. Quartal 2019 ihre Augenärztin auf. Sie war bei ihr zuletzt im 1. Quartal 2018. Die Augenärztin bekommt die Behandlung regulär, also im Rahmen der MGV, vergütet (aktuelles Quartal plus sechs vorangegangene Quartale).

So rechnen Sie ab

  • Abrechnung/Abrechnungsschein als „Neupatient" kennzeichnen: Damit die Leistungen extrabudgetär vergütet werden können, kennzeichnen Sie Ihre Abrechnung im PVS als „Neupatient". Hinweis: Sollten weitere Angaben nötig sein, wird Sie Ihre KV informieren.

Hinweis für Praxen mit mehreren Arztgruppen

Sucht ein neuer Patient in einer Berufsausübungsgemeinschaft oder einem MVZ Ärzte unterschiedlicher Arztgruppen auf, zum Beispiel im 1. Quartal 2020 einen Hausarzt, im 2. Quartal einen Urologen und im 3. Quartal einen Orthopäden, erhalten maximal zwei Arztgruppen ihre Leistungen extrabudgetär vergütet – und zwar die Arztgruppen mit den ersten Kontakten (hier Hausarzt und Urologe).

Sucht der Patient im 1. Quartal 2020 den Hausarzt auf und im 2. Quartal den Urologen, so kann er frühestens im 2. Quartal 2022 bei einer weiteren Arztgruppe als Neupatient gelten.

Entscheidend, ob ein Patient als neuer Patient eingestuft wird, ist letztlich also nicht die Praxis oder das MVZ, sondern die Arztgruppe. So kann ein und derselbe Patient beim HNO-Arzt des MVZ als „neu" gelten, beim Hausarzt des MVZ aber nicht, weil der Patient dort regelmäßig in Behandlung ist.

Übersicht: Abrechnung der Zuschläge für TSS-Fälle

Arztgruppenspezifische GOP

In jedem der EBM-Kapitel 3 bis 27 (ohne Kapitel 12 Labormedizin und 19 Pathologie) und im EBM-Abschnitt 30.7 (Schmerztherapie) steht jeweils eine GOP als „Zusatzpauschale TSS-Terminvermittlung“.

Fachgruppe GOP „Zusatzpauschale TSS-Terminvermittlung“*
Hausärzte 03010
Kinder- und Jugendmediziner 04010
Anästhesiologie 05228
Augenheilkunde 06228
Chirurgie 07228
Gynäkologie 08228
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde 09228
Dermatologie 10228
Humangenetik 11228
Innere Medizin
ohne Schwerpunkt (SP) 13228
SP Angiologie 13298
SP Endokrinologie 13348
SP Gastroenterologie 13398
SP Hämatologie/Onkologie 13498
SP Kardiologie 13548
SP Nephrologie 13598
SP Pneumologie 13648
SP Rheumatologie 13698
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie 14218
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie 15228
Neurologie 16228
Nuklearmedizin 17228
Orthopädie 18228
Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen 20228
Psychiatrie und Psychotherapie 21236
Nervenheilkunde und Neurologie und Psychiatrie 21237
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 22228
Ärztliche und psychologische Psychotherapie 23228
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie 23229
Radiologie 24228
Strahlentherapie
bei gutartiger Erkrankung 25228
bei bösartiger Erkrankung 25229
nach strahlentherapeutischer Behandlung 25230
Urologie 26228
Physikalische und Rehabilitative Medizin 27228
Schmerztherapie 30705

*Es werden im EBM für die GOP keine Punkte oder Euro-Beträge ausgewiesen. Der Grund ist, dass die jeweilige altersgruppenspezifische Grund-, Versicherten- oder Konsiliarpauschale, auf die der Zuschlag von 50, 30 oder 20 Prozent gezahlt wird, unterschiedlich hoch ist.

Kennzeichnung der Zuschläge

Die Gebührenordnungsposition für den Zuschlag kennzeichnen Ärztinnen/Ärzte und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten zusätzlich mit den Buchstaben A, B, C oder D – je nach Zeit, die zwischen dem Anruf der oder des Versicherten bei der Terminservicestelle (TSS) und dem Behandlungstermin liegt.

Damit Praxen wissen, welchen Zuschlag sie ansetzen können, teilt ihnen die TSS per E-Mail oder Fax den Tag mit, an dem sich die/der Versicherte wegen des Termins an die TSS gewandt hat – ab diesem Datum wird gezählt.

Regelungen bis 31. Dezember 2022
Buchstabe

Zeitraum ab Kontaktaufnahme der/des Versicherten bei der TSS bis zum Behandlungstag

Zuschlag auf die jeweilige altersgruppenspezifische Versicherten-, Grund- bzw. Konsiliarpauschale
A TSS-Akutfall* spätestens Folgetag 50 Prozent
B TSS-Terminfall 1. bis 8. Tag 50 Prozent
C TSS-Terminfall 9. bis 14. Tag 30 Prozent
D TSS-Terminfall 15. bis 35. Tag 20 Prozent

*Der TSS-Akutfall setzt voraus, dass am Telefon der 116117 eine medizinische Ersteinschätzung der Dringlichkeit der Behandlung erfolgt ist.

Beispiel: Eine Patientin ruft am 2. September in der TSS an und erhält für den 9. September einen Termin beim Orthopäden. Es sind genau acht Tage, die Praxis erhält den 50-prozentigen Zuschlag. Das Wochenende wird hierbei mitgezählt.

Hintergrund zum Terminservice- und Versorgungsgesetz

Ziel des Terminservice- und Versorgungsgesetzes von 2019 war es, dass gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten noch schneller einen Termin beim Arzt oder Psychotherapeuten bekommen.

So sind grundversorgende Fachärztinnen und Fachärzte wie Augenärzte und Orthopäden verpflichtet, seit 1. September 2019 mindestens fünf offene Sprechstunden in der Woche anzubieten. Dazu gab es finanzielle Anreize, unter anderem auch zur Behandlung neuer Patientinnen und Patienten ("Neupatientenregelung"). Für alle Ärzte und Psychotherapeuten mit vollem Versorgungsauftrag wurde auch die Mindestsprechstundenzeit auf 25 Stunden pro Woche angehoben (bisher: 20 Stunden).

Außerdem wurden die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen ausgebaut.

Rechtliche Grundlagen