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Stand 14.07.2020

Psychotherapie

Überblick: Leistungen und Vergütung

Psychotherapeutische Sprechstunde

Die Psychotherapeutische Sprechstunde dient der frühzeitigen diagnostischen Abklärung und stellt einen niedrigschwelligen Zugang zur Psychotherapie dar. Die Therapeutin oder der Therapeut klärt in dem Erstgespräch ab, ob ein Verdacht auf eine psychische Krankheit vorliegt und der Patient eine Psychotherapie benötigt oder ob ihm mit anderen Unterstützungs- und Beratungsangeboten (z.B. Präventionsangebote, Ehe- und Familienberatungsstelle) geholfen werden kann. Auch erste therapeutische Interventionen sind möglich. 

Angebot verpflichtend: Jeder Arzt und Psychotherapeut, der eine Genehmigung zur Abrechnung von Richtlinienpsychotherapie hat, muss Sprechstunden anbieten. Dies gilt ebenso für Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie, Ausbildungsinstitute und in bestimmten Fällen auch für ermächtigte Ärztinnen und Ärzte.

Umfang: Therapeutinnen und Therapeuten haben pro Woche mindestens 100 Minuten für Sprechstunden zur Verfügung zu stellen, bei hälftigem Versorgungsauftrag mindestens 50 (sofern KVen keine abweichenden Regelungen treffen).

Dauer: Eine Sprechstunde dauert mindestens 25 Minuten pro Patientin oder Patient und kann höchstens sechsmal je Krankheitsfall bei Erwachsenen (insgesamt bis 150 Minuten) durchgeführt werden, bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Menschen mit einer geistigen Behinderung höchstens zehnmal (insgesamt bis zu 250 Minuten). Der Krankheitsfall umfasst das aktuelle und die drei darauffolgenden Quartale. Die Sprechstunden werden nicht auf die Therapiekontingente angerechnet.

Weiterführende Behandlung: Sie muss nicht durch den Therapeuten erfolgen, der die Sprechstunde durchgeführt hat.

Organisation: Offen oder nur nach Terminvereinbarung: Therapeutinnen und Therapeuten entscheiden selbst, wie sie die Sprechstunde organisieren. Möglich sind feste Zeiten, aber auch eine individuelle Terminvereinbarung.
Mitteilung an die KV: Therapeutinnen und Therapeuten melden ihrer KV, ob sie eine Psychotherapeutische Sprechstunde mit oder ohne Terminvereinbarung anbieten. Ferner müssen sie mitteilen, zu welchen Zeiten die Praxis für Patientinnen und Patienten telefonisch erreichbar ist, um Termine zu vereinbaren.
Achtung: Dies hat nichts mit den Terminservicestellen zu tun. Diese vermitteln nur Termine, die die Therapeutinnen und Therapeuten ausschließlich zur Vermittlung durch die Servicestellen ihrer KV melden.

Sprechstunde auch für Patienten Pflicht

Erst wenn eine Patientin oder ein Patient eine Sprechstunde aufgesucht hat, kann mit probatorischen Sitzungen oder einer Akutbehandlung begonnen werden - dieses Erstgespräch ist Pflicht. Vorgeschrieben sind mindestens 50 Minuten.

Ausnahmen gibt es für Patientinnen und Patienten, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in einer stationären Krankenhausbehandlung oder rehabilitativen Behandlung waren. Sie können ohne vorherige Sprechstunde mit probatorischen Sitzungen oder einer Akutbehandlung beginnen. Dies gilt auch, wenn ein Therapeutenwechsel während einer laufenden Therapie erfolgt.

Formulare für die Sprechstunde

PTV 10: Das Formular ist eine allgemeine Patienteninformation, in der das ambulante psychotherapeutische Versorgungsangebot sowie die verschiedenen Psychotherapieverfahren und Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt werden. Die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut händigt das Infoblatt dem Patienten in der Sprechstunde aus.

PTV 11: Zum Ende der Sprechstunde erhält jede Patientin und jeder Patient einen Befundbericht mit Ergebnissen und Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Der Psychotherapeut verwendet dafür das PTV 11. Darauf trägt er unter anderem ein, ob eine behandlungsbedürftige psychische Störung vorliegt und ob weitere Maßnahmen erforderlich sind, beispielsweise eine Akutbehandlung oder das Aufsuchen einer Beratungsstelle.

Vergütung

GOP Bewertung (je vollendete 25 Minuten)
35151 462 Punkte

Strukturzuschlag
Die Regelungen des Strukturzuschlags zur Deckung von Aufwendungen für Personalausgaben gelten auch für die Psychotherapeutische Sprechstunde, das heißt:

Der Strukturzuschlag wird auf Psychotherapeutische Sprechstunden gezahlt, sobald die Mindestpunktzahl von 178.407 Punkten je Vertragsarzt bzw. -therapeut im Quartal erreicht ist. Der Strukturzuschlag (GOP 35573, Bewertung: 88 Punkte) wird von der Kassenärztlichen Vereinigung zugesetzt. Psychotherapeutische Sprechstunden werden mitgezählt bei der Berechnung der Mindestpunktzahl von 178.407 Punkten, ab der der Strukturzuschlag gezahlt wird.

Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung
Die Psychotherapeutische Sprechstunde wird der Grundversorgung zugerechnet. Damit kann die Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung (PFG) inklusive des Zuschlags auch bei dieser Leistung abgerechnet werden (GOP 22216, 22218, 23216, 23218).

Die PFG, inklusive Zuschlag, wird einmal im Quartal zur Grundpauschale zugesetzt und zwar für jeden Behandlungsfall, bei dem der Arzt oder Psychotherapeut ausschließlich grundversorgend tätig ist und keine weitergehenden Leistungen durchführt. Zu den Leistungen der Grundversorgung in der Psychotherapie gehören neben der Psychotherapeutischen Sprechstunde die probatorische Sitzung, biographische Anamnese, psychodiagnostische Testverfahren und psychotherapeutischen Gespräche der Fachkapitel.

Weitere Hinweise zur Abrechnung
Die Vergütung erfolgt extrabudgetär und damit ohne Mengenbegrenzung zum festen Preis.
Dauert das Erstgespräch im Rahmen der Psychotherapeutischen Sprechstunde 50 Minuten, kann die GOP 35151 zweimal am Behandlungstag abgerechnet werden.

Die GOP 35151 ist im Krankheitsfall höchstens 6-mal und bei Versicherten bis zum vollendeten 21. Lebensjahr sowie bei Versicherten mit einer Intelligenzstörung (ICD-10-GM: F70-F79) höchstens 10-mal im Krankheitsfall berechnungsfähig. Sie kann bei Versicherten bis zum vollendeten 21. Lebensjahr und bei Versicherten mit einer Intelligenzstörung (ICD-10-GM: F70-F79) im Krankheitsfall bis zu 4-mal auch mit relevanten Bezugspersonen ohne Anwesenheit der oder des Versicherten stattfinden.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung soll zur Besserung akuter psychischer Krisen beitragen. Patientinnen und Patienten, für die eine Akutbehandlung nicht ausreicht, sollen so stabilisiert werden, dass sie auf eine Psychotherapie vorbereitet sind oder ihnen andere ambulante, teil- oder vollstationäre Maßnahmen empfohlen werden können. 

Umfang: Die Akutbehandlung kann als Einzeltherapie bis zu 24-mal á 25 Minuten im Krankheitsfall (= vier Quartale) durchgeführt werden (maximal 600 Min., Mindesteinheit: 25 Min.), bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Menschen mit einer geistigen Behinderung bis zu 30-mal, wenn die Bezugspersonen einbezogen werden (maximal 750 Min., Mindesteinheit: 25 Min.).

Anzeigepflichtig: Die Akutbehandlung ist nicht genehmigungspflichtig, die Kasse muss aber informiert werden. Für die Anzeige verwenden Therapeutinnen und Therapeuten das Formular PTV 12.

Weiterbehandlung: Soll nach der Akutbehandlung eine Richtlinientherapie erfolgen, sind mindestens zwei probatorische Sitzungen nötig. Erbrachte Stunden der Akutbehandlung sind mit den Stunden der Kurz- oder Langzeittherapie zu verrechnen.

Formulare für die Akutbehandlung

PTV 12: Mit diesem Formular zeigt die Therapeutin oder der Therapeut an, dass die oder der Versicherte eine Akutbehandlung erhält. Eingetragen werden unter anderem das Datum des Beginns der Akutbehandlung, Angaben zum bisherigen Behandlungsverlauf und die ICD-10-Diagnosen.

Vergütung

GOP  Bewertung (je vollendete 25 Minuten) 
35152 462 Punkte

Strukturzuschlag

Die Regelungen des Strukturzuschlags zur Deckung von Aufwendungen für Personalausgaben gelten auch für die psychotherapeutische Akutbehandlung, das heißt:

Der Strukturzuschlag wird auf psychotherapeutische Akutbehandlungen gezahlt, sobald die Mindestpunktzahl von 178.407 Punkten je Vertragsarzt bzw. -therapeut im Quartal erreicht ist. Der Strukturzuschlag (GOP 35573, Bewertung: 88 Punkte) wird von der Kassenärztlichen Vereinigung zugesetzt. Psychotherapeutische Akutbehandlungen werden mitgezählt bei der Berechnung der Mindestpunktzahl von 178.407 Punkten, ab der der Strukturzuschlag gezahlt wird.

Weitere Hinweise zur Abrechnung

Die Vergütung erfolgt extrabudgetär und damit ohne Mengenbegrenzung zum festen Preis. Dauert die Akutbehandlung 50 Minuten, kann die GOP 35152 zweimal am Behandlungstag abgerechnet werden.

Die Gebührenordnungsposition 35152 ist im Krankheitsfall höchstens 24-mal und bei Versicherten bis zum vollendeten 21. Lebensjahr sowie bei Versicherten mit einer Intelligenzstörung (ICD-10-GM: F70-F79) höchstens 30-mal im Krankheitsfall berechnungsfähig.

Sie kann bei Versicherten bis zum vollendeten 21. Lebensjahr und bei Versicherten mit einer Intelligenzstörung (ICD-10-GM: F70-F79) im Krankheitsfall bis zu 4-mal auch mit relevanten Bezugspersonen ohne Anwesenheit der oder des Versicherten stattfinden.

Probatorische Sitzungen

Vor einer Kurz- oder Langzeittherapie finden mindestens zwei probatorische Sitzungen statt – möglich sind bis zu vier bei Erwachsenen und bis zu sechs bei Kindern und Jugendlichen. Dies gilt auch, wenn eine Sprechstunde und/oder Akutbehandlung durchgeführt wurde. 

Ein Antrag auf Kurz- oder Langzeittherapie ist bereits nach der ersten probatorischen Sitzung möglich, wenn für die zweite Sitzung ein Termin vereinbart ist. Die restlichen probatorischen Sitzungen können bis zum Beginn der beantragten Richtlinientherapie durchgeführt werden.

Vergütung

GOP Bewertung (je vollendete 50 Minuten)
35150 709 Punkte

Die Abrechnung erfolgt über die GOP 35150. Sie kann bei Erwachsenen maximal 4-mal, bei Versicherten bis zum vollendeten 21. Lebensjahr und bei Versicherten mit einer Intelligenzstörung (ICD-10-GM: F70-F79) höchstens 6-mal im Krankheitsfall (= vier Quartale) abgerechnet werden.

 

Kurzzeittherapie

Kurzzeittherapien umfassen bis zu 24 Therapieeinheiten. Die Beantragung erfolgt in zwei Schritten für jeweils ein Kontingent von 12 Therapieeinheiten und ist grundsätzlich nicht mehr gutachtenpflichtig, es sei denn, dass innerhalb der vergangenen zwei Jahre eine Therapie stattfand oder die Krankenkasse im Einzelfall ein Gutachten anfordert. 

Antrag auf Kurzzeittherapie: Die Beantragung bei der Krankenkasse erfolgt möglichst schon während der probatorischen Sitzungen. Die Patientin oder der Patient füllt dazu den Antrag PTV 1 aus. Die Therapeutin oderr der Therapeut reicht diesen Antrag zusammen mit den Angaben zu Erkrankung und geplanter Therapie (PTV 2) ein.

Zeitpunkt der Antragstellung: Um das erste Kontingent der Kurzzeittherapie (KZT 1) zu beantragen, muss der Termin für die zweite probatorische Sitzung feststehen und zusammen mit dem ersten, bereits stattgefundenen Termin eingetragen werden. Nach sieben Therapieeinheiten der KZT 1 kann das zweite Kontingent (KZT 2) beantragt werden.

Antragsbewilligung: Die Anträge gelten wie bisher nach Ablauf einer Drei-Wochen-Frist auch ohne Bescheid als bewilligt. Der Patient erhält einen Bescheid seiner Kasse. Wird eine Kurzzeittherapie nicht bewilligt, erhalten sowohl Patient als auch Therapeut eine Mitteilung.

Therapieende in der Abrechnung kennzeichnen: Therapeutinnen und Therapeuten müssen seit 1. Juli 2020 in ihrer Abrechnung kennzeichnen, wenn eine Richtlinientherapie beendet wurde. Dafür gibt es zwei Zusatzziffern:

  • 88130 für die Beendigung einer Psychotherapie ohne anschließende Rezidivprophylaxe
  • 88131 für die Beendigung mit anschließender Rezidivprophylaxe

Beide Zusatzziffern sind in der Praxissoftware hinterlegt und werden im Rahmen der Abrechnung übermittelt.

Die Beendigungsmitteilung erfolgt im Prinzip genauso wie bisher, lediglich die Form der Meldung (bis 30. Juni 2020 über das Formular PTV 12) wurde mit der Meldung über die Zusatzziffern ersetzt. Im Rahmen der Abschlussplanung einer Psychotherapie sollte zunächst fachlich-inhaltlich abgewogen werden, ob ein klares Ende, eine Rezidivprophylaxe oder eine spätere Weiterbehandlung sinnvoll ist. Die Übermittlung muss nach § 10 Absatz 5 der Psychotherapie-Vereinbarung „unverzüglich“, also in dem Quartal erfolgen, in dem das Therapieende liegt. Die Pseudo-GOP soll – soweit möglich – dem Datum zugeordnet werden, an dem die letzte bewilligte Stunde erfolgt ist. Kann ein Therapieende noch nicht sicher abgesehen werden (beispielsweise bei Planung einer Katamnese im Rahmen des bewilligten Kontingents), ist eine Übermittlung der Kennzeichnung auch in den zwei darauffolgenden Quartalen zulässig. Wird eine Psychotherapie länger als ein halbes Jahr unterbrochen ist nach § 11 Absatz 13 der Psychotherapie-Vereinbarung weiterhin eine formlose Begründung der Therapiepause an die Krankenkasse erforderlich. Die Übermittlung der Kennzeichnung erfolgt in solch einem Fall dann (nach der Wiederaufnahme der Behandlung) mit der regulären Beendigung der Psychotherapie.

Umwandlung in Langzeittherapie: Eine Kurzzeittherapie kann in eine Langzeittherapie umgewandelt werden. Dies sollte spätestens mit der achten Therapieeinheit der KZT 2 erfolgen (in der Regel etwa vier bis fünf Wochen vor dem Ende der Kurzzeittherapie), um eine nahtlose Weiterbehandlung zu gewährleisten.

Der Umwandlungsantrag erfolgt ebenfalls mit Antrag der Patientin oder des Patienten (PTV 1), dem Formular PTV 2 (Feld „Langzeittherapie als Umwandlung“) und ist gutachtenpflichtig. Dem Antrag ist daher ein verschlossener Briefumschlag für die Gutachterin oder den Gutachter (PTV 8) mit folgendem Inhalt beizufügen:

  • Bericht an die Gutachterin oder den Gutachter (Formular PTV 3 als Leitfaden für die Erstellung des Berichts)
  • Durchschrift des PTV 2 (PTV 2b)
  • Somatischer Befund
    • Für Ärztinnen und Ärzte: somatischer Befund ist im Bericht enthalten
    • Für Psychologische Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen oder -psychotherapeuten: Konsiliarbericht (Muster 22b)
  • ggf. Kopien ergänzender Befundberichte, sofern erforderlich (pseudonymisiert)

Langzeittherapie

Der erste Bewilligungsschritt in der Langzeittherapie ist antrags- und gutachtenpflichtig. Dem Antrag ist – wie bei der Umwandlung einer Kurzzeittherapie – ein verschlossener Umschlag für die Gutachterin oder den Gutachter (PTV 8) beizufügen. Ob Anträge auf Fortführung der Psychotherapie gutachtenpflichtig sind, liegt im Ermessen der Krankenkassen. Die meisten Patientinnen und Patienten können innerhalb des ersten Bewilligungsschrittes eine Besserung erreichen. Mit dem Fortführungsantrag (zweiter Bewilligungsschritt) kann direkt das Höchstkontingent beantragt werden, wenn weitere Therapiestunden notwendig sind. Es müssen nicht alle Stunden beantragt werden, wenn schon absehbar ist, dass diese nicht notwendig sind.

Antragsbewilligung: Die Krankenkasse teilt bei der oder dem Versicherten und der Therapeutin oder dem Therapeuten ihre Entscheidung formlos mit.

Die Therapeutin oder der Therapeut nutzt dieselben Formulare wie bei der Kurzzeittherapie. Bei Langzeittherapie ist darüber hinaus auf dem Formular PTV 2 anzugeben, ob nach Abschluss der Behandlung eine Rezidivprophylaxe erfolgen soll. Hier kann die Therapeutin oder der Therapeut wählen zwischen ja, nein, noch nicht absehbar oder angeben, dass ein Fortführungsantrag voraussichtlich erforderlich ist.

Langzeittherapie bei Erwachsenen 
Verfahren Bewilligungsschritte Therapieeinheiten Einzel-/Gruppentherapie*
AP 1
2
160/80
300/150
ST 1
2
36/36
48/48
TP 1
2
60/60
100/80
VT 1
2

60/60
80/80

 * Therapieeinheit à 50 Minuten in Einzelbehandlung, à 100 Minuten in Gruppenbehandlung

Therapieende in der Abrechnung kennzeichnen: Therapeutinnen und Therapeuten müssen seit 1. Juli 2020 in ihrer Abrechnung kennzeichnen, wenn eine Richtlinientherapie beendet wurde. Dafür gibt es zwei Zusatzziffern:

  • 88130 für die Beendigung einer Psychotherapie ohne anschließende Rezidivprophylaxe
  • 88131 für die Beendigung mit anschließender Rezidivprophylaxe

Beide Zusatzziffern sind in der Praxissoftware hinterlegt und werden im Rahmen der Abrechnung übermittelt.

Die Beendigungsmitteilung erfolgt im Prinzip genauso wie bisher, lediglich die Form der Meldung (bis 30. Juni 2020 über das Formular PTV 12) wurde mit der Meldung über die Zusatzziffern ersetzt. Im Rahmen der Abschlussplanung einer Psychotherapie sollte zunächst fachlich-inhaltlich abgewogen werden, ob ein klares Ende, eine Rezidivprophylaxe oder eine spätere Weiterbehandlung sinnvoll ist. Die Übermittlung muss nach § 10 Absatz 5 der Psychotherapie-Vereinbarung „unverzüglich“, also in dem Quartal erfolgen, in dem das Therapieende liegt. Die Pseudo-GOP soll – soweit möglich – dem Datum zugeordnet werden, an dem die letzte bewilligte Stunde erfolgt ist. Kann ein Therapieende noch nicht sicher abgesehen werden (beispielsweise bei Planung einer Katamnese im Rahmen des bewilligten Kontingents), ist eine Übermittlung der Kennzeichnung auch in den zwei darauffolgenden Quartalen zulässig. Wird eine Psychotherapie länger als ein halbes Jahr unterbrochen ist nach § 11 Absatz 13 der Psychotherapie-Vereinbarung weiterhin eine formlose Begründung der Therapiepause an die Krankenkasse erforderlich. Die Übermittlung der Kennzeichnung erfolgt in solch einem Fall dann (nach der Wiederaufnahme der Behandlung) mit der regulären Beendigung der Psychotherapie.

Rezidivprophylaxe

Nach Beendigung einer Langzeittherapie kann eine Rezidivprophylaxe erfolgen, um Rückfälle zu vermeiden. Dafür werden Stunden aus dem Kontingent der Langzeittherapie genutzt: 

  • maximal 8 Stunden Rezidivprophylaxe bei einer Behandlungsdauer von 40 Stunden oder mehr 
  • maximal 16 Stunden Rezidivprophylaxe bei einer Behandlungsdauer von 60 Stunden oder mehr

Für Kinder, Jugendliche und Menschen mit geistiger Behinderung können mehr Stunden für die Rezidivprophylaxe verwendet werden (10 bzw. 20 Stunden). Die Rezidivprophylaxe kann bis zu zwei Jahre nach Abschluss der Langzeittherapie durchgeführt werden. Dazu gibt die Therapeutin oder der Therapeut bereits im Antrag für eine Langzeittherapie (PTV 2) an, wie viele Stunden für die Rezidivprophylaxe eingesetzt werden sollen oder dass dies zum Zeitpunkt der Antragsstellung noch nicht absehbar ist. 

Wichtig ist nur, dass eine Rezidivprophylaxe nicht im Vorfeld ausgeschlossen wird. Voraussetzung ist die Übermittlung der Zusatzziffer 88131 für die Beendigung mit anschließender Rezidivprophylaxe über die Praxissoftware im Rahmen der Abrechnung.

Einzeltherapie: Abrechnung

Die Abrechnung von Einzeltherapien erfolgt nach den Gebührenordnungspositionen im EBM-Abschnitt 35.2.1.

Eine Besonderheit betrifft die Kurzzeittherapien: Für jedes Richtlinien-Verfahren gibt es zwei GOP – eine für die Kurzeittherapie 1 und eine für die Kurzzeittherapie 2. Diese Unterteilung gilt nur für die Einzeltherapien.

Verfahren GOP Bewertung (je vollendete 50 Min.)
AP KZT1 35411   
KZT2 35412 922 Punkte
LZT 35415  
ST KZT1 35431  
KZT2 35432 922 Punkte
LZT 35435  
TP KZT1 35401  
KZT2 35402 922 Punkte
LZT 35405  
VT KZT1 35421  
KZT2 35422 922 Punkte
LZT 35425  

Hinweise zur Abrechnung - Besonderheit bei Kurzzeittherapien:

  • die ersten zwölf Sitzungen werden mit der GOP 35401, 35411, 35421 oder 35431 abgerechnet,

  • die 13. bis 24. Sitzung mit der GOP 35402, 35412, 35422 oder 35432.

Online-EBM

Gruppentherapie und Kombinationsbehandlung

Gruppentherapien sind nach der Psychotherapie-Richtlinie in allen Verfahren mit drei bis neun Teilnehmerinnen und Teilnehmern möglich – bei Erwachsenen sowie bei Kindern- und Jugendlichen. Einzel- und Gruppensitzungen können kombiniert werden. 

Antrag einer Therapeutin oder eines Therapeuten: Bei der Beantragung einer Therapie kreuzt die Therapeutin oder der Therapeut auf dem PTV 2 an, ob ausschließlich Einzeltherapie, Gruppentherapie oder eine Kombinationsbehandlung vorgesehen ist. Bei einer Kombinationsbehandlung muss wiederum angegeben werden, welches die überwiegend durchgeführte Anwendungsform ist und ob die Behandlung gegebenenfalls durch zwei Therapeutinnen oder Therapeuten erfolgt.

Antrag von zwei Therapeutinnen oder Therapeuten: Sind zwei Therapeutinnen oder Therapeuten beteiligt, füllen beide jeweils ein Formular aus und fügen es dem Antrag der oder des Versicherten (einmal PTV 1 ausreichend) bei.

Beispiel: 

  • Zwei Therapeuten beantragen eine Kombinationsbehandlung in der Verhaltenstherapie – als Langzeittherapie mit 60 Therapieeinheiten. Beide Therapeuten geben hierzu auf dem PTV 2 das gleiche Behandlungssetting an (z.B. „Kombinationsbehandlung mit überwiegend Gruppentherapie“).
  • Einzeltherapeut A führt darüber hinaus seine individuell beantragten Therapieeinheiten auf (z.B. 20 Therapieeinheiten in der Einzelbehandlung); Gruppentherapeut B „seine“ Therapieeinheiten (z.B. 40 Therapieeinheiten in der Gruppenbehandlung).

Kombination von Einzel- und Gruppentherapie

Psychotherapie kann nicht nur als Einzel- und Gruppentherapie, sondern auch als Kombinationstherapie Anwendung finden. Dabei ist es möglich, während einer laufenden Behandlung das Verhältnis der Stunden zwischen Einzel- und Gruppentherapie zu ändern. Folgendes ist dabei zu beachten:

Eine Therapeutin oder ein Therapeut behandelt: Bleibt die überwiegende Anwendungsform bestehen, überwiegt also beispielsweise weiterhin die Einzeltherapie, ist weder ein erneuter Antrag noch eine Anzeige notwendig. Ändert sich die überwiegende Anwendungsform, genügt bei der Kurzzeittherapie eine formlose Mitteilung an die Krankenkasse, bei der Langzeittherapie ist ein erneuter Antrag erforderlich – gegebenenfalls auch ein neues Gutachten.

Zwei Therapeutinnen oder Therapeuten behandeln: Bleibt es bei der überwiegenden Form, die beide im Antrag angegeben haben, genügt eine gemeinsame formlose Anzeige bei der Kasse. Anderenfalls ist ein neuer gemeinsamer Antrag erforderlich.

Hinweise zur Abrechnung

Um Gruppentherapien zu fördern, wurde die Vergütungssystematik umgestellt: Die Höhe der Bewertung richtet sich nach der Anzahl der Teilnehmenden. Es gibt für jedes der drei Therapieverfahren jeweils sieben GOP für die Kurzzeittherapie und sieben GOP für die Langzeittherapie.

Teil-
nehmende
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
KZT LZT Bewertung (je Teilnehmer/100 Min.)
GOP      GOP
3 35503 35513 916 Punkte
4 35504 35514 772 Punkte       
5 35505 35515 686 Punkte
6 35506 35516 628 Punkte
7 35507 35517 586 Punkte
8 35508 35518 556 Punkte
9 35509 35519 532 Punkte

 

Teil-
nehmende
Analytische Psychotherapie
KZT LZT Bewertung (je Teilnehmer/100 Min.)
GOP GOP
3 35523 35533 916 Punkte
4 35524 35534 772 Punkte
5 35525 35535 686 Punkte
6 35526 35536 628 Punkte
7 35527 35537 586 Punkte
8 35528 35538 556 Punkte
9 35529 35539 532 Punkte

 

Teil-
nehmende
Systemische Therapie
KZT LZT Bewertung (je Teilnehmer/100 Min.*)
GOP GOP
3 35703 35713 916 Punkte
4 35704 35714 772 Punkte
5 35705 35715 686 Punkte
6 35706 35716 628 Punkte
7 35707 35717 586 Punkte
8 35708 35718 556 Punkte
9 35709 35719 532 Punkte

 

Teil-
nehmende
Verhaltenstherapie
KZT LZT Bewertung (je Teilnehmer/100 Min.*)
GOP GOP
3 35543 35553 916 Punkte
4 35544 35554 772 Punkte
5 35545 35555 686 Punkte
6 35546 35556 628 Punkte
7 35547 35557 586 Punkte
8 35548 35558 556 Punkte
9 35549 35559 532 Punkte

* Bei der Verhaltenstherapie sind weiterhin auch Sitzungen von mindestens 50 Minuten Dauer berechnungsfähig (Kennzeichnung mit bundeseinheitlich kodierten Zusatzkennzeichen "H"). In diesem Fall halbiert die Kassenärztliche Vereinigung die Punktzahl.

Mehrpersonensetting

Systemische Therapie: In der Systemischen Therapie bei Erwachsenen darf auch das Mehrpersonensetting durchgeführt werden. Das Mehrpersonensetting kann in der Einzel- und in der Gruppentherapie durchgeführt werden.

Hier kommen Spezifika dieses Psychotherapieverfahrens zum Tragen: Für die Erkrankung bedeutsame Beziehungen und Interaktionen, zum Beispiel zwischen einer Patientin oder einem Patienten und dem Familiensystem, können in diesem Setting besprochen und verändert werden. Das Familiensystem geht in die Therapiesitzungen mit.

Das Mehrpersonensetting geht damit über die auch in den anderen Psychotherapieverfahren mögliche Einbeziehung von Bezugspersonen hinaus, die den Fokus auf Beratung und Begleitung der Psychotherapie der Patientin oder des Patienten legt.

Versorgung von Kindern und Jugendlichen

Soziales Umfeld: „Relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld“ können in die Behandlung einbezogen werden. Damit sind zum Beispiel neben den Eltern auch Lehrerinnen und Lehrer oder Erzieherinnen und Erzieher gemeint, die unmittelbar und regelmäßig mit der Erkrankung der Patientin oder des Patienten konfrontiert sind. 

Altersgrenzen: Im Sinne der Psychotherapie-Richtlinie sind Kinder Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind; Jugendliche, die 14, aber noch nicht 21 Jahre alt sind.

Außerdem: Eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie muss nicht genau mit dem 21. Geburtstag enden. Sie kann fortgeführt werden, aber nur dann, wenn ein bereits davor eingetretener Therapieerfolg damit gesichert werden kann. Grundsätzlich haben Patientinnen und Patienten ab 18 Jahren auch Anspruch auf eine Erwachsenentherapie – dann gelten die Regelungen für Erwachsene.

Psychotherapeutische Sprechstunde: Bei Kindern und Jugendlichen können im Krankheitsfall (= vier Quartale) bis zu 250 Minuten Psychotherapeutische Sprechstunde durchgeführt werden, 100 Minuten davon auch mit relevanten Bezugspersonen ohne Anwesenheit des Kindes oder Jugendlichen.

Akutbehandlung: Bei Kindern und Jugendlichen können im Krankheitsfall (= vier Quartale) bis zu 750 Minuten Akutbehandlung durchgeführt werden, wenn relevante Bezugspersonen einbezogen werden.

Probatorische Sitzungen: Es sind zwei bis sechs probatorische Sitzungen erlaubt. Relevante Bezugspersonen können einbezogen werden.

Rezidivprophylaxe: Bei einer Behandlungsdauer von 40 oder mehr Stunden können maximal 10 Stunden, bei 60 oder mehr Stunden maximal 20 Stunden für die Rezidivprophylaxe genutzt werden.

Langzeittherapie bei Kindern (K) und Jugendlichen (J)
Verfahren Bewilligungsschritte Therapieeinheiten Einzel-/Gruppentherapie*
AP 1
2
K: 70/60 J: 90/60
K: 150/90 J: 180/90
TP 1
2
K: 70/60 J: 90/60
K: 150/90 J: 180/90
VT 1
2

60/60
80/80

* Therapieeinheit à 50 Minuten in Einzelbehandlung, à 100 Minuten in Gruppenbehandlung

Telefonische Erreichbarkeit

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten müssen sicherstellen, dass ihre Praxis für die Terminkoordination telefonisch erreichbar ist: 

  • 200 Minuten/Woche bei vollem Versorgungsauftrag (Mindesteinheit: 25 Min.)
  • 100 Minuten/Woche bei hälftigem Versorgungsauftrag (Mindesteinheit: 25 Min.)

Therapeutinnen und Therapeuten müssen ihrer Kassenärztlichen Vereinigung mitteilen, zu welchen Zeiten sie die insgesamt 200 Minuten Erreichbarkeit in der Woche anbieten. Die Zeiten sollten auch auf dem Anrufbeantworter der Praxis angegeben werden. Auch die Krankenkassen erhalten die Daten (von der KV), um ihre Versicherten zu informieren.

Kooperation und Delegation sind möglich

Wie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die telefonische Erreichbarkeit organisieren, ist ihnen freigestellt: So kann das Praxispersonal den Dienst übernehmen oder das Telefon umgeleitet werden. Entscheidend ist, dass der Anruf persönlich entgegengenommen wird.

Terminservicestellen

Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen vermitteln an Patientinnen und Patienten auch freie Termine bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Dabei geht es um Termine für die Psychotherapeutische Sprechstunde, die Akutbehandlung, für probatorische Sitzungen und damit auch für die Kurz- und Langzeittherapien (Richtlinien-Psychotherapie). 

Eine Überweisung – so sieht es die gesetzliche Regelung vor – ist generell nicht erforderlich.

Voraussetzungen probatorische Sitzung

Patientinnen und Patienten, die sich wegen einer probatorischen Sitzung an eine Servicestelle wenden, müssen zuvor eine Psychotherapeutische Sprechstunde aufgesucht haben. Denn Voraussetzung für die Vermittlung eines Termins ist, dass die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut in der individuellen Patienteninformation (PTV 11) eine Empfehlung für eine zeitnah erforderliche ambulante Psychotherapie ausgesprochen hat (auf dem Formular müssen die Felder "ambulante Psychotherapie" und "zeitnah erforderlich" angekreuzt sein).

Der Patient hat Anspruch auf einen weiteren Termin bei einem anderen Therapeuten, falls sich in der probatorischen Sitzung zeigt, dass Therapeut und Patient nicht zusammenarbeiten können.
Eine Ausnahme besteht, wenn der Patient aus einer stationären Krankenhausbehandlung oder aus einer rehabilitativen Behandlung entlassen wird. In diesen Fällen kann er sich direkt an eine Terminservicestelle wenden.

Voraussetzungen Akutbehandlung

Patientinnen und Patienten, die sich wegen einer Akutbehandlung an eine Servicestelle wenden, müssen zuvor eine Psychotherapeutische Sprechstunde aufgesucht haben. Denn Voraussetzung für die Vermittlung eines Termins ist, dass die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut in der individuellen Patienteninformation (PTV 11) eine Empfehlung für eine Akutbehandlung ausgesprochen hat (auf dem Formular muss das Feld "ambulante Psychotherapeutische Akutbehandlung" angekreuzt sein).

Eine Ausnahme besteht, wenn die Patientin oder der Patient aus einer stationären Krankenhausbehandlung oder aus einer rehabilitativen Behandlung entlassen wird. In diesen Fällen kann sie oder er sich direkt an eine Terminservicestelle wenden.

Termin innerhalb von vier Wochen, Akutbehandlung innerhalb von zwei Wochen

Die Terminservicestellen sind verpflichtet, den Patientinnen oder Patienten einen Termin bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten innerhalb von vier Wochen anzubieten. Bei der Akutbehandlung gilt eine Frist von zwei Wochen.

Ist das nicht möglich, sollen sie einen Termin im Krankenhaus vermitteln. Dort, so sieht es die Vereinbarung vor, dürfen nur ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten die Behandlung durchführen, die über die gleiche fachliche Befähigung verfügen wie Vertragspsychotherapeutinnen oder -therapeuten.

Kein Termin beim „Wunsch-Therapeuten“

Bei der Vermittlung von Terminen bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gilt im Übrigen das Gleiche wie bei der Vermittlung von Facharztterminen: Die Versicherten haben keinen Anspruch auf einen Termin bei einer bestimmten Psychotherapeutin oder einem bestimmten Psychotherapeuten (kein „Wunsch-Therapeut“). Patientinnen und Patienten sollten sich deshalb möglichst direkt an eine Praxis wenden, um einen Termin zu vereinbaren.

Themenseite Terminservicestellen

Struktur im EBM: Kapitel 35 im Überblick

Abschnitt 35.1 nicht antragspflichtige Leistungen

Der Abschnitt 35.1 enthält alle nicht antragspflichtigen Leistungen wie die probatorische Sitzung, Psychotherapeutische Sprechstunde, Akutbehandlung und den Bericht an die Gutachterin oder den Gutachter. 

Abschnitt 35.2 antragspflichtige Leistungen

Der Abschnitt 35.2 enthält alle antrags- und genehmigungspflichtigen psychotherapeutischen Leistungen

  • 35.2.1 Einzeltherapien (GOP 35401 bis 35425)
  • 35.2.2 Gruppentherapien (GOP 35503 bis 35559)
  • 35.2.3 Zuschläge (GOP 35571, 35572, 35573)

Abschnitt 35.3 psychodiagnostische Testverfahren

  • Anwendung und Auswertung standardisierter Testverfahren (GOP 35600)
  • Anwendung und Auswertung von psychometrischen Testverfahren (GOP 35601)
  • Anwendung und Auswertung von projektiven Verfahren (GOP 35602)

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Strukturzuschlag

Den Zuschlag erhalten Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten, wenn sie im Quartal eine bestimmte Mindestpunktzahl von antrags- und genehmigungspflichtigen Leistungen, Psychotherapeutischen Sprechstunden und Akutbehandlungen abgerechnet haben. Damit soll gut ausgelasteten Praxen ermöglicht werden, eine Halbtagskraft zur Praxisorganisation zu beschäftigen.

Der Strukturzuschlag ist berechnungsfähig, sobald im Abrechnungsquartal die abgerechnete Mindestpunktzahl der Gebührenordnungspositionen 35151 und 35152 und 35401 bis 35559 das Volumen von 178.407 Punkten überschreitet. Das heißt: Hat eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut diese Mindestpunktzahl erreicht, erhält sie oder er für jede weitere Therapiestunde, Sprechstunde und/oder Akutbehandlung einen Strukturzuschlag bis zu einer Maximalpunktzahl von 416.283 bei vollem Tätigkeitsumfang (die Hälfte bei hälftigem Tätigkeitsumfang). Für Leistungen vor Erreichen der Mindestpunktzahl wird kein Zuschlag gezahlt.

Hinweis: Die GOP werden von den Kassenärztlichen Vereinigungen zugesetzt.

Strukturzuschlag Einzeltherapie
GOP Bewertung
35571 173 Punkte
Strukturzuschlag Gruppentherapie
GOP Bewertung
35572

73 Punkte

Strukturzuschlag Psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung
GOP Bewertung
35573

88 Punkte

Mehr Informationen zum Strukturzuschlag und FAQ

Psychodiagnostische Testverfahren: Abrechnung

Die GOP für die psychodiagnostischen Testverfahren stehen im EBM-Abschnitt 35.3.

Testverfahren GOP Bewertung (je vollendete 5 Min.)
standardisiert 35600 34 Punkte
psychometrisch 35601 39 Punkte
projektiv 35602 56 Punkte

Hinweis: Seit dem 1. Juli 2020 können diese GOP in der Langzeittherapie in allen Psychotherapieverfahren häufiger abgerechnet werden: statt bisher fünfmal im Therapieverlauf, sind sie insgesamt bis zu siebenmal im Therapieverlauf berechnungsfähig.

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Kennzeichnung besonderer Leistungen

Einbeziehung von Bezugspersonen bei Therapien und Probatoriken 

In die Behandlung können relevante Bezugspersonen einbezogen werden. Damit sind zum Beispiel neben den Eltern auch Lehrerinnen und Lehrer oder Erzieherinnen und Erzieher gemeint, die unmittelbar und regelmäßig mit der Erkrankung der Patientin oder des Patienten konfrontiert sind. In solchen Fällen werden diese Leistungen hinter der Abrechnungsposition mit einem „B“ gekennzeichnet. 

Rezidivprophylaxe

Die Leistungen der Rezidivprophylaxe sind hinter der Abrechnungsposition mit einem „R“ zu kennzeichnen. Werden im Rahmen der Rezidivprophylaxe Therapieeinheiten zur Einbeziehung von Bezugspersonen abgerechnet, sind die Leistungen hinter der Abrechnungsposition mit einem „U“ zu kennzeichnen.

Therapieende in der Abrechnung kennzeichnen

Therapeutinnen und Therapeuten müssen seit 1. Juli 2020 in ihrer Abrechnung kennzeichnen, wenn eine Richtlinientherapie beendet wurde. Dafür gibt es zwei Zusatzziffern:

  • 88130 für die Beendigung einer Psychotherapie ohne anschließende Rezidivprophylaxe
  • 88131 für die Beendigung mit anschließender Rezidivprophylaxe

Beide Zusatzziffern sind in der Praxissoftware hinterlegt und werden im Rahmen der Abrechnung übermittelt.

Die Beendigungsmitteilung erfolgt im Prinzip genauso wie bisher, lediglich die Form der Meldung (bis 30. Juni 2020 über das Formular PTV 12) wurde mit der Meldung über die Zusatzziffern ersetzt. Im Rahmen der Abschlussplanung einer Psychotherapie sollte zunächst fachlich-inhaltlich abgewogen werden, ob ein klares Ende, eine Rezidivprophylaxe oder eine spätere Weiterbehandlung sinnvoll ist. Die Übermittlung muss nach § 10 Absatz 5 der Psychotherapie-Vereinbarung „unverzüglich“, also in dem Quartal erfolgen, in dem das Therapieende liegt. Die Pseudo-GOP soll – soweit möglich – dem Datum zugeordnet werden, an dem die letzte bewilligte Stunde erfolgt ist. Kann ein Therapieende noch nicht sicher abgesehen werden (beispielsweise bei Planung einer Katamnese im Rahmen des bewilligten Kontingents), ist eine Übermittlung der Kennzeichnung auch in den zwei darauffolgenden Quartalen zulässig. Wird eine Psychotherapie länger als ein halbes Jahr unterbrochen ist nach § 11 Absatz 13 der Psychotherapie-Vereinbarung weiterhin eine formlose Begründung der Therapiepause an die Krankenkasse erforderlich. Die Übermittlung der Kennzeichnung erfolgt in solch einem Fall dann (nach der Wiederaufnahme der Behandlung) mit der regulären Beendigung der Psychotherapie.

Videosprechstunde

Informationen zum Einsatz von Videosprechstunden in der Psychotherapie finden hier:

KBV-Themenseite Videosprechstunde