Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 
Stand 20.08.2021

Delegation

Nichtärztliche Praxisassistenz (NäPA) in Haus- und Facharztpraxen

Praxen können nichtärztliche Praxisassistentinnen und -assistenten - die NäPA - beschäftigen, die sie bei der Betreuung ihrer Patienten und Patientinnen unterstützen, etwa bei Haus- und Pflegeheimbesuchen.

Welche Kriterien erfüllt sein müssen, wie die Vergütung geregelt ist und welche Ausbildung die oder der NäPA vorweisen muss, erfahren Sie hier.

Hausärztlicher Versorgungsbereich: Details im Überblick

Hausarztpraxen, die eine nichtärztliche Praxisassistenz beschäftigen, erhalten eine Förderung. Dieser Strukturzuschlag wird mit 23800 Punkten im Quartal bewertet. Außerdem werden die Haus- und Pflegeheimbesuche durch diese Fachkraft vergütet.

Die Ärztinnen und Ärzte benötigen für die Abrechnung eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die Fachkraft eine entsprechende Zusatzqualifikation.

Coronabedingte Sonderregelungen

Coronabedingte Sonderregelungen: Vergütung ab Beginn der Ausbildung und mehr Zeit für die Refresher-Fortbildung

Aufgrund der Corona-Pandemie wurden viele Kurse vollständig ausgesetzt oder der Unterricht erfolgte nur teilweise. Daher haben sich die Partner des Bundesmantelvertrags Ärzte (BMV-Ä) auf eine Sonderregelung geeinigt, die es den KV ermöglicht, die Genehmigung für den Einsatz einer NäPA auch dann zu erteilen, wenn die bereits begonnene Fortbildung noch läuft und der voraussichtliche Abschluss der Fortbildung bis zum 30. September 2021 erfolgt.

Die GOP sind demnach bereits ab Beginn der Ausbildung des Praxismitarbeiters zur NäPA berechnungsfähig, sofern zu erwarten ist, dass die Ausbildung bis zum 30. September 2021 abgeschlossen ist beziehungsweise bis dahin eventuell noch fehlende Module absolviert sein werden.

Eine weitere Sonderregelung betrifft die sogenannte Refresher-Fortbildung (§ 7 Abs. 6 Anlage 8 BMV-Ä). Durch die Sonderregelung steht den NäPA mehr Zeit zur Verfügung, um die Refresher-Kurse zu absolvieren.

Demnach wird die in § 7 Abs. 6 Anlage 8 BMV-Ä aufgeführte Frist für den Nachweis des Refresher-Kurses um 15 Monate verlängert, sofern die 3-Jahres-Frist im Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis zum 30. September 2021 endet.
Beide Sonderregelungen gelten befristet bis zum 30. September 2021.
 

Voraussetzungen: Wer NäPA beschäftigen kann

NäPa sollen vor allem in Hausarztpraxen zum Einsatz kommen, die viele Patienten betreuen. Hausärzte, die die Leistungen abrechnen wollen, müssen deshalb bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sie erhalten eine Genehmigung ihrer KV, wenn sie:

  • gegenüber der KV erklären, dass sie eine/n NäPA mit der geforderten Qualifikation (gemäß Anlage 8 Bundesmantelvertrag-Ärzte / „Delegations-Vereinbarung“) für mindestens 20 Wochenstunden in der Praxis beschäftigen und
  • eine der folgenden Bedingungen erfüllen:
    • in den letzten vier Quartalen durchschnittlich mindestens 700 Fälle je Hausarzt (mit voller Zulassung) und Quartal behandelt haben (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 521 je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang) oder
    • in den letzten vier Quartalen im Durchschnitt mindestens 120 Fälle je Hausarzt und Quartal bei Patienten, die älter als 75 Jahre sind, behandelt haben (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 80 Fälle je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang) 

Hinweise zur Fallzählung

Sofern ein Hausarzt nicht in Vollzeit tätig ist, wird die Fallzahl anteilig ermittelt. Nicht berücksichtigt werden Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle. Behandlungsfälle aus Selektivverträgen (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung werden ebenfalls mitgezählt. Hierbei sind die Regelungen in Nr. 11 der Präambel 3.1 des EBM zu berücksichtigen.

Die Genehmigung gilt zunächst für zwei Jahre, danach wird jährlich durch die zuständige KV geprüft, ob die Kriterien weiterhin erfüllt sind.

Sonderregelung für Neupraxen und Praxisübernahme

Die Sonderregelung gilt für alle neu und kürzer als 18 Monate zugelassenen Hausärzte, die eine Praxis eröffnen oder eine bestehende Praxis übernehmen.

Die Regelung sieht vor, dass bei diesen Hausärzten die Vorgaben zu den Mindestfallzahlen in den auf die Zulassung folgenden sechs Quartalen nicht angewendet werden. Bei der Berechnung der Anzahl der Ärzte der Praxis zur Bestimmung der Mindestfallzahlen werden diese Ärzte mit einem Tätigkeitsumfang von 0 berücksichtigt – anstatt mit dem Tätigkeitsumfang, der im individuellen Zulassungs- beziehungsweise Genehmigungsbescheid steht.

Vergütung

Leistung  GOP  Bewertung
Strukturförderung (als Zuschläge zur hausärztlichen Strukturpauschale GOP 03040) 03060 22 Punkte
03061 12 Punkte
insgesamt: 34 Punkte
Besuch der NäPA einschließlich Wegekosten 03062 166 Punkte
03064 (Zuschlag) 20 Punkte
insgesamt: 186 Punkte
Besuch der NÄPA bei einem weiteren Patienten in derselben sozialen Gemeinschaft und/oder für Patienten im Rahmen der weiteren postoperativen Behandlung gemäß der GOP 31600 einschließlich Wegekosten 03063 122 Punkte
03065 (Zuschlag) 14 Punkte
insgesamt: 136 Punkte

 

Erläuterungen zur Vergütung

Erläuterungen zur Vergütung

Die GOPen 03060 bis 03065 unterliegen der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung.

Strukturzuschlag

Mit dem Strukturzuschlag (GOP 03060 und 03061) sollen vor allem Ausgaben für Weiterbildung, höhere Personalkosten und zusätzliche Praxisausstattung wie Mobiltelefone für Hausbesuche finanziert werden. Er wird von der KV zugesetzt und je Behandlungsfall gezahlt, bis zu einem Höchstwert von 23.800 Punkten (bzw. 2.647 Euro) je Praxis im Quartal. Es gilt:

  • Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle erhalten keinen Zuschlag.
  • Für die Fallzählung der Vergütung der GOP 03060 sind sowohl alle Behandlungsfälle im Kollektivvertrag als auch die Anzahl der ausschließlich selektivvertraglichen Behandlungsfälle (Selektivvertrag (HzV-Verträge gemäß § 73b SGB V) oder Knappschaft) relevant. Die Selektivvertragsfälle, bei denen im relevanten Quartal zusätzlich kollektivvertragliche Leistungen in derselben Praxis über die KV abgerechnet wurden, sind als Selektivvertragsfälle mitzuzählen.

Besuch und Mitbesuch

Die GOPen 03062 bis 03065 können nur in den Fällen berechnet werden, in denen eine Versichertenpauschale berechnet wurde.

Neben den GOP 03062 und 03063 können auch Leistungen des Abschnitts 32.2 sowie die GOP 31600 abgerechnet werden. 
 

Aufgaben und Ausbildung der NäPA

NäPA unterstützen Hausärzte bei der Betreuung der Patienten. Sie führen Hausbesuche sowie Besuche in Alten- und Pflegeheimen durch. Das ärztliche Personal überwacht die Tätigkeit der NäPA und ist jederzeit für die NäPA erreichbar.

Nach einem Hausbesuch informiert die NäPA den Arzt bzw die Ärztin spätestens am nächsten Werktag (außer Samstag) über die erhobenen Befunde und durchgeführten Maßnahmen.

NäPA, die diese Aufgabe übernehmen wollen, benötigen eine Zusatzqualifikation, deren Inhalte und Umfang in der Delegations-Vereinbarung (§ 7 Anlage 8 BMV- Ä) geregelt sind.

Die Bundesärztekammer hat ein entsprechendes Fortbildungscurriculum für Medizinische Fachangestellte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe entwickelt.

Praxismitarbeitende, die bereits eine Ausbildung zur VERAH, MoPra und MoNi absolviert haben, müssen zur Erfüllung der Anforderungen der Delegations-Vereinbarung ergänzende Ausbildungsstunden oder - module belegen.
 

Fachärztlicher Versorungsbereich: Details im Überblick

Fachärztinnen und -ärzte können eine qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenz beschäftigen und erhalten Zuschläge auf Haus- und Pflegeheimbesuche, die diese Fachkraft durchführen. 

Die Delegation von ärztlichen Leistungen ist im EBM-Kapitel 38 geregelt. Praxen, die Leistungen aus dem Abschnitt 38.3 abrechnen wollen, benötigen eine Genehmigung ihrer KV, die Fachkraft eine Zusatzausbildung.

Voraussetzungen: Wer eine Praxisassistenz beschäftigen kann

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von Praxismitarbeitenden – Abschnitt 38.2

Voraussetzung für die Abrechnung der Leistungen des Abschnittes 38.2 (GOP 38100 und 38105) ist die Anstellung einer nichtärztlichen Fachkraft mit einer abgeschlossenen Ausbildung in einem nichtärztlichen Heilberuf.

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten und -assistentinnen – Abschnitt 38.3

Fachärzte und Fachärztinnen, die Haus- und Pflegeheimbesuche an eine qualifizierte nichtärztliche Praxisassistentin oder einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistentenoder delegieren und abrechnen wollen, benötigen eine Genehmigung ihrer KV. Dabei müssen sie erklären, dass sie sie gemäß Anlage 8 zum BMV-Ä (Delegations-Vereinbarung) mit mindestens 20 Wochenstunden beschäftigen.

Die oder der qualifizierte NäPA muss eine nach dem qualifizierten Berufsabschluss mindestens dreijährige Berufserfahrung nachweisen und bereits mindestens 20 Hausbesuche zur Verrichtung medizinisch notwendiger delegierbarer Leistungen in Alten- oder Pflegeheimen oder in anderen beschützenden Einrichtungen begleitet haben.

Eine Mindestanzahl von Behandlungsfällen ist keine Voraussetzung.

Vergütung

Leistung  GOP  Bewertung 
Hausbesuch
Besuch des vom behandelnden Arzt beauftragten angestellten Praxispersonals einschließlich Wegekosten 38100 76 Punkte
Zuschlag, wenn der Besuch durch eine/n qualifizierte/n NäPA erfolgt 38202 (Zuschlag) 90 Punkte
  insgesamt: 166 Punkte
Besuch des vom behandelnden Arzt beauftragten angestellten Praxispersonals in derselben sozialen Gemeinschaft, einschließlich Wegekosten 38105 39 Punkte
Zuschlag, wenn der Besuch durch eine/n qualifizierte/n NäPA erfolgt 38207 (Zuschlag) 83 Punkte
  insgesamt: 122 Punkte
Pflegeheimbesuch
Besuch des vom behandelnden Arzt beauftragten angestellten Praxispersonals, einschließlich Wegekosten 38100 76 Punkte
Zuschlag, wenn der Besuch durch eine/n qualifizierte/n NäPA erfolgt 38200 (Zuschlag) 90 Punkte
  insgesamt: 166 Punkte
Besuch des vom behandelnden Arzt beauftragten angestellten Praxispersonals in derselben sozialen Gemeinschaft, einschließlich Wegekosten 38105 39 Punkte
Zuschlag, wenn der Besuch durch eine/n qualifizierte/n NäPA erfolgt 38205 (Zuschlag) 83 Punkte
  insgesamt: 122 Punkte

Hinweis: Fachärzte, die keine genehmigte qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenz beschäftigen, können nur die GOP 38100 / 38105 abrechnen. Sie erhalten keine Zuschläge aus Abschnitt 38.3.

Erläuterungen zur Vergütung

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von Praxismitarbeitenden – Abschnitt 38.2

Der EBM-Abschnitt 38.2 enthält die GOP für ärztliche Hilfeleistungen, die nichtärztliche Mitarbeitende mit abgeschlossener Ausbildung in einem nichtärztlichen Heilberuf im Auftrag des Arztes/der Ärztin durchführen dürfen: GOP 38100 und 38105.

Hinweise zur Abrechnung

Die GOP 38100 und 38105 enthalten die Wegekosten (entfernungsunabhängig) und können nur berechnet werden, wenn der Patient aus medizinischen Gründen die Arztpraxis nicht aufsuchen kann. Die GOP 38100 ist am Behandlungstag nicht neben den GOP 03062, 03063 und 38105 berechnungsfähig, die GOP 38105 ist am Behandlungstag nicht neben den GOP 03062, 03063 und 38100 berechnungsfähig.

Die Vergütung der GOP 38100 und 38105 erfolgt außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung.

Abrechnungsvoraussetzung

Voraussetzung für die Abrechnung der Leistungen des Abschnittes 38.2 (GOP 38100 und 38105) ist die Anstellung nichtärztlichen Personals mit einer abgeschlossenen Ausbildung in einem nichtärztlichen Heilberuf.

Wer kann die Leistungen abrechnen

Die GOP dieses Abschnitts können von allen Vertragsärzten berechnet werden, die die Abrechnungsvoraussetzung erfüllen.

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten/-assistentinnen – Abschnitt 38.3

Der EBM-Abschnitt 38.3 enthält delegationsfähige Leistungen, die nur Ärzte abrechnen können, die eine qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenz beschäftigen und dafür eine Genehmigung ihrer KV haben.

Die Zuschläge werden extrabudgetär und damit ohne Mengenbegrenzung in voller Höhe vergütet.

Abrechnungsvoraussetzungen

Ärzte, die die GOP 38200 und 38205 abrechnen wollen, benötigen eine Genehmigung ihrer KV. Das sind die Anforderungen für die Genehmigung:

Die Praxis muss gegenüber der KV erklären, dass sie eine/n qualifizierte/n NäPA gemäß Anlage 8 zum BMV-Ä (Delegations-Vereinbarung) mit mindestens 20 Wochenstunden beschäftigt.

Die qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenz muss eine nach dem qualifizierten Berufsabschluss mindestens dreijährige Berufserfahrung nachweisen und bereits mindestens 20 Hausbesuche zur Verrichtung medizinisch notwendiger delegierbarer Leistungen in Alten- oder Pflegeheimen oder in anderen beschützenden Einrichtungen begleitet haben.

Hinweis: Eine Mindestanzahl an Behandlungsfällen – wie bei Hausärzten verlangt – wird nicht gefordert. Daher wird die Anstellung auch nicht durch eine Strukturpauschale (vergleichbar mit den GOP 03060 und 03061) gefördert.

Wer die Leistungen abrechnen kann

Die GOP 38200 und 38205 können von Fachärztinnen und Fachärzten fast aller Fachrichtungen abgerechnet werden, die dafür eine Genehmigung ihrer KV haben:

  • FÄ für Allgemeinmedizin
  • FÄ für Innere und Allgemeinmedizin 
  • Praktischen Ärztinnen und Ärzten
  • Ärztinnen und Ärzten ohne Gebietsbezeichnung
  • FÄ für Innere Medizin ohne Schwerpunktbezeichnung, die gegenüber dem Zulassungsausschuss ihre Teilnahme an der hausärztlichen Versorgung gemäß § 73 Abs. 1a SGB V erklärt haben
  • FÄ für Kinder- und Jugendmedizin,
  • FÄ für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
  • FÄ für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie,
  • FÄ für Augenheilkunde,
  • FÄ für Chirurgie,
  • FÄ für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
  • FÄ für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde,
  • FÄ für Haut- und Geschlechtskrankheiten,
  • FÄ FÄ für Innere Medizin mit und ohne Schwerpunkt, die gegenüber dem Zulassungsausschuss ihre Teilnahme an der fachärztlichen Versorgung erklärt haben,
  • FÄ für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
  • FÄ für Neurologie,
  • FÄ für Nervenheilkunde,
  • FÄ für Neurologie und Psychiatrie,
  • FÄ für Orthopädie,
  • FÄ für Orthopädie und Unfallchirurgie,
  • FÄ für Psychiatrie und Psychotherapie,
  • FÄ für Urologie,
  • FÄ für Physikalische und Rehabilitative Medizin Allgemeinärztinnen und -ärzte

Hinweis: Die KBV konnte erreichen, dass auch Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte die Zuschläge abrechnen können. Damit können kleinere Hausarztpraxen, die bislang aufgrund ihrer Fallzahl keine Genehmigung für die Abrechnung von Leistungen qualifizierter nichtärztlicher Praxisassistenten/-assistentinnen erhalten konnten, die Qualifikationszuschläge berechnen.