Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Heilmittel

Heilmittel werden bislang auf den Formularen 13, 14 oder 18 verordnet – je nachdem, welche Maßnahme angezeigt ist. Ab 1. Oktober 2020 ist allerdings nur noch ein Formular für die Heilmittelverordnung erforderlich.

Im neuen Formular 13 sind die Felder so angeordnet, dass sie sich am Arbeitsablauf („Workflow“) in der ärztlichen Praxis orientieren. Ärzte kreuzen zunächst an, ob sie Physiotherapie, Podologie, Ergotherapie, Ernährungstherapie oder Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie verordnen. Anschließend geben sie die weiteren erforderlichen Daten an, unter anderem Diagnose, Leitsymptomatik, Heilmittel und Therapiefrequenz.

Viele Formularfelder entfallen, weil die Angaben durch die neue Heilmittel-Richtlinie ab Oktober nicht mehr benötigt werden, etwa Erst- und Folgeverordnung oder Begründung für Verordnungen außerhalb des Regelfalls.

Auch die Felder für das Tonaudiogramm sowie den Trommelfell- und Stimmbandbefund (bisher auf Formular 14 für die Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie) entfallen. Diese werden nur selten befüllt, da die Grafiken in der Regel direkt aus dem Messgerät heraus erstellt werden. Sofern die entsprechenden Befunde künftig erforderlich sind, können sie als Freitext angegeben oder der Verordnung beigefügt werden.

Das neue Verordnungsformular für alle Heilmittel sieht folgende Angaben vor:

Heilmittelbereich

Ärzte kreuzen an, ob sie Physiotherapie, Podologie, Ergotherapie, Ernährungstherapie oder Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie verordnen.

Die Angabe soll dem Patienten helfen, den richtigen Therapeuten zu finden.

Diagnose/Diagnosegruppe

Wie bisher werden die Diagnosegruppe (gemäß Heilmittelkatalog) und die behandlungsrelevante Diagnose im Format ICD-10 angegeben.

In der Verordnungssoftware wird der Diagnoseklartext dann automatisch eingefügt und kann bei Bedarf ergänzt werden.

Wie bisher kann eine weitere Diagnose angegeben werden. Sie ist nur dann notwendig, wenn ein besonderer Verordnungsbedarf geltend gemacht werden soll, bei dem die Angabe eines zweiten ICD-10-Codes Voraussetzung ist.

Leitsymptomatik

Weiterhin Pflicht ist die Angabe der Leitsymptomatik.

Künftig sind dafür gesonderte Ankreuzfelder vorgesehen. Damit können entweder eine oder mehrere buchstabenkodierte Leitsymptomatik(en) nach Heilmittelkatalog ausgewählt werden. In diesem Fall wird die Verordnungssoftware wieder den Klartext automatisch auf das Formular hinzufügen.

Alternativ kann eine patientenindividuelle Leitsymptomatik, die für die Heilmittelbehandlung handlungsleitend ist, formuliert und im Freitextfeld angegeben werden. Voraussetzung ist, dass diese Leitsymptomatik der jeweiligen Diagnosegruppe zugeordnet werden kann und mit den im Heilmittelkatalog aufgeführten Regelbeispielen vergleichbar ist.

Heilmittel gemäß Katalog und Behandlungseinheiten

Zukünftig können bis zu drei vorrangige sowie ein ergänzendes Heilmittel gleichzeitig verordnet werden, wofür jeweils gesonderte Felder bestimmt sind.

Die Verordnungssoftware bietet entsprechend der angegebenen Diagnosegruppe die verordnungsfähigen Heilmittel (gemäß Heilmittelkatalog) zur Auswahl an.

Dabei kann die Behandlungszeit festgelegt werden, zum Beispiel 45 Minuten bei der manuellen Lymphdrainage (MLD-45) oder 30 Minuten bei der Sprachtherapie (Sprachtherapie-30). Zudem wird definiert, ob die Maßnahme als Einzeltherapie (KG) oder als Gruppentherapie erfolgen soll (KG Gruppe).

Wie bisher sind den Heilmitteln die Behandlungseinheiten zuzuordnen, wobei die Anzahl den Wert gemäß Heilmittelkatalog nicht überschreiten darf.

Bei Verordnung mehrerer Heilmittel sind die Einheiten entsprechend aufzuteilen. Die Höchstmenge eines ergänzenden Heilmittels richtet sich nach den verordneten Behandlungseinheiten des vorrangigen Heilmittels.

Therapiefrequenz

Die Therapiefrequenz wird von der Software künftig als Therapiespanne (in der Regel „1-3 x wöch.“) vorbelegt.

Sie ist jedoch wie bisher nur eine Empfehlung und dient zur Orientierung. In medizinisch begründeten Fällen können Ärzte davon abweichen, ohne dass eine zusätzliche Dokumentation erforderlich ist. Heilmitteltherapeuten sind an die ärztlich angegebene Therapiespanne gebunden und dürfen davon nur nach Abstimmung mit dem verordnenden Arzt abweichen.

Therapiebericht, Hausbesuch und Therapieziele

Bezüglich der Verordnung eines Hausbesuches sind keine Änderungen erfolgt. Bei Anforderung eines Therapieberichts entfällt ein Ankreuzfeld, indem bei Verzicht auf einen Therapiebericht keine Kennzeichnung mehr erfolgen muss. Die Angabe von Therapiezielen bleibt für die Vertragsärzte freiwillig.

Kennzeichnung „Dringlicher Behandlungsbedarf“

Mit der Änderung der Heilmittel-Richtlinie verlängert sich die Gültigkeit der Verordnung von 14 auf 28 Tage.

Das Feld zur Angabe eines späteren Behandlungsbeginns entfällt. Gleichzeitig kann es aber medizinisch notwendig werden, dass die Behandlung früher begonnen wird. In diesem Fall ist das Feld „dringlicher Behandlungsbedarf“ anzukreuzen.

Rückseite

Die Rückseite der Verordnung wurde ebenfalls überarbeitet. Sie enthält aber nach wie vor nur Angaben, die für Therapeuten, Patienten oder Krankenkassen relevant sind.

Das neue Heilmittel-Formular 13 gilt ab 1. Oktober 2020. Dann dürfen die bisherigen Formulare nicht mehr verwendet werden. Praxen sollten daher rechtzeitig bestellen. Das Formular wird dann auch in der Software hinterlegt sein.

Weitere Infos

Diagnoseliste für langfristigen Heilmittelbedarf

Patienten mit schweren funktionellen und/oder strukturellen Schädigungen benötigen in bestimmten Fällen dauerhaft Heilmittel. Bei besonders schweren Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder bestimmten rheumatischen Erkrankungen werden oftmals sogar mehr Heilmittel benötigt.

Langfristiger Heilmittelbedarf

Bei welchen Erkrankungen vom Vorliegen eines langfristigen Heilmittelbedarfs auszugehen ist, definiert der Gemeinsame Bundesausschuss unter anderem in einer Diagnoseliste. Bei diesen Diagnosen ist ein Antrags- und Genehmigungsverfahren bei der Krankenkasse nicht mehr erforderlich.

Ist die Erkrankung nicht auf der Diagnoseliste enthalten, kann der Patient einen individuellen Antrag bei seiner Krankenkasse stellen. Für die Genehmigung ist es jedoch maßgeblich, dass die schweren dauerhaften funktionellen und/oder strukturellen Schädigungen mit denen der Diagnoseliste vergleichbar sind.

Verordnungen im Rahmen des langfristigen Heilmittelbedarfs unterliegen nicht den Wirtschaftlichkeitsprüfungen.

Besonderer Verordnungsbedarf

Die KBV und der GKV-Spitzenverband vereinbaren in einer gesonderten Diagnoseliste, bei welchen Erkrankungen Patienten oftmals mehr Heilmittel benötigen und daher einen „besonderen Verordnungsbedarf“ haben. Die Kosten für diese Verordnungen werden bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen aus dem Verordnungsvolumen des Vertragsarztes herausgerechnet.

Welche Indikationen einen langfristigen Heilmittelbedarf oder besonderen Verordnungsbedarf begründen, fasst die KBV in einer Diagnoseliste zusammen. Darin sind alle bundesweit geltenden Diagnosen enthalten, die im Zusammenhang mit der jeweils aufgeführten Diagnosegruppe nach Heilmittelkatalog einen langfristigen Heilmittelbedarf oder einen besonderen Verordnungsbedarf begründen.

Verordnungen außerhalb des Regelfalls

Für jedes Heilmittel (außer der Podologie) ist eine Regelbehandlungsdauer definiert. Wenn sich die Behandlung in diesem Zeitraum nicht abschließen lässt, kann der Arzt eine Verordnung außerhalb des Regelfalls ausstellen. Diese bedarf allerdings der Genehmigung durch die Krankenkasse.

Übersicht der Krankenkassen mit und ohne Genehmigungsverfahren