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Psychiatrische häusliche Krankenpflege

Psychisch schwer erkrankte Menschen brauchen eine besondere Art der häuslichen Krankenpflege. Die sogenannte psychiatrische häusliche Krankenpflege (pHKP) hat zum Ziel, dass psychisch beeinträchtigte Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten in ihrer Häuslichkeit leben können. Krankenhausaufenthalte sollen vermieden und Liegezeiten verkürzt werden. Die Patienten sollen angeleitet werden, ihr Leben so gut wie möglich selbst zu gestalten.

Psychiatrische häusliche Krankenpflege ist seit 2005 Bestandteil der HKP-Richtlinie. Zum 1. April 2019 sind einige wichtige Neuerungen in Kraft getreten:

Indikationsspektrum wurde erweitert

Zum einen wurden die „Regeldiagnosen“, die unter Ziffer 27a im Leistungsverzeichnis der HKP-Richtlinie aufgeführt sind, erweitert. So kann psychiatrische häusliche Krankenpflege nun auch bei folgenden Diagnosen ohne nähere Begründung verordnet werden

  • F05.1 Delir bei Demenz,
  • F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
  • F42.1 Vorwiegende Zwangshandlungen,
  • F42.2 Zwangsgedanken und –handlungen, gemischt,
  • F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung,
  • F53.1 Schwere psychische Verhaltensstörung im Wochenbett und
  • F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung
Darüber hinaus hat der G-BA die Einführung einer Öffnungsklausel beschlossen. Dadurch wird für alle ICD-10-GM-Diagnosen aus dem Indikationsbereich F00-F99 eine Verordnungsmöglichkeit geschaffen, die jedoch an bestimmte Voraussetzungen geknüpft wird:
  • Der GAF-Wert (Erklärung siehe unten) muss kleiner gleich 40 sein.
  • Es liegen Fähigkeitsstörungen in einem Maß vor, dass das Leben im Alltag nicht mehr selbständig bewältigt oder koordiniert werden kann.
  • Es besteht eine ausreichende Behandlungsfähigkeit. Es ist zu erwarten, dass die Therapieziele der pHKP erreicht werden können.
  • pHKP kann dazu beitragen, dass der Patient das Leben im Alltag selbständig bewältigen und koordinieren kann.

Angabe des GAF-Wertes auf jeder Verordnung

Seit 1. April 2019 muss auf jeder Verordnung psychiatrischer häuslicher Krankenpflege der GAF-Wert angegeben werden. Die sogenannte GAF-Skala („Global Assessment of Functioning Scale“) gibt Auskunft über das Ausmaß der Fähigkeitsstörungen. Bei den „Regelindikationen“ muss der GAF-Wert kleiner gleich 50 sein.

Mehr Ärzte sind verordnungsberechtigt

Leistungen der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege können gemäß G-BA-Richtlinie nur von bestimmten Facharztgruppen verordnet werden (Fachärzte für Nervenheilkunde, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Fachärzte für Kinder-und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie). Seit der Richtlinienänderung können nun auch Fachärzte in psychiatrischen Institutsambulanzen nach § 118 SGB V pHKP verordnen.

Für einen begrenzten Zeitraum können Hausärzte und zukünftig auch Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie (in der Regel sechs Wochen) pHKP verordnen, wenn eine fachärztlich gesicherte Diagnose vorliegt.

Häufigkeit und Dauer der Verordnung

pHKP wird auf Muster 12 (LINK) „Verordnung häuslicher Krankenpflege“ verordnet. Die Verordnungsdauer ist grundsätzlich je nach Einzelfall und in Abhängigkeit des individuellen Bedarfs zu bemessen. Die Dauer der Erstverordnung kann auf 14 Tage beschränkt werden, wenn der Arzt zum Beispiel nicht einschätzen kann, ob der Patient über eine ausreichende Behandlungsfähigkeit verfügt. Sofern dann keine abschließende Einschätzung möglich, kann eine weitere Folgeverordnung für 14 Tage ausgestellt werden. Bis zu vier Monate können Maßnahmen der pHKP verordnet werden. Falls eine Notwendigkeit für pHKP über vier Monate hinaus besteht, muss der Arzt dies begründen.

Behandlungsplan

Bestandteil der Verordnung ist ein Behandlungsplan, den der verordnende Arzt erstellt. Dieser Behandlungsplan umfasst

  • die Indikation,
  • die Fähigkeitsstörungen,
  • die Zielsetzung der Behandlung und
  • die Behandlungsschritte.