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Deutschland ist #Praxenland Informationen zur Kampagne
Die Praxen in Deutschland sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Mit etwa 780.000 Beschäftigten, darunter angestellte Ärzte, Medizinische Fachangestellte, Praxismanagerinnen und medizinisch-technisches Personal, geben sie sogar mehr Menschen Arbeit als die Automobilindustrie. Bundesweit stehen rund 100.000 Praxen für die flächendeckende, wohnortnahe Versorgung. Immer ansprechbar, überall erreichbar und da für die Patientinnen und Patienten: So leisten sie einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Allerdings sind die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren immer schlechter geworden. Das Praxenland ist unter Druck geraten. Ausufernde Bürokratie sowie eine zunehmende Gängelung durch Politik und Krankenkassen nehmen Zeit in Anspruch, die für die medizinische Versorgung fehlt. Auch bisher haben die Krankenkassen längst nicht alle Untersuchungen und Behandlungen bezahlt, die die Niedergelassenen durchführen. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und den daraus folgenden Milliardenkürzungen bei den Praxen wird die Lage 2027 allerdings noch deutlich dramatischer. Über alle Fachrichtungen hinweg wird dann jeder zwölfte Behandlungsfall nicht mehr bezahlt, insgesamt bricht die Finanzierung für 46 Millionen Fälle pro Jahr komplett weg.
So können die Praxen nicht mehr dasselbe leisten wie bisher. Und es verschärft das Nachfolgeproblem: Schon heute sind rund 5.000 Hausarztsitze bundesweit nicht besetzt. Gleichzeitig steht in den Praxen ein Generationenwechsel bevor. Rund 30 Prozent der Niedergelassenen sind 60 Jahre und älter, in der hausärztlichen Versorgung sind es sogar fast 40 Prozent. Diese Babyboomer gehen in absehbarer Zeit in Rente. Wer will angesichts der Kürzungen dann noch das wirtschaftliche Risiko eingehen, diese Praxen zu übernehmen und in Selbstständigkeit weiterzuführen?
Botschaften und Ziele der Kampagne
Seit April 2024 informieren die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen unter dem Motto „Wir sind für Sie nah“ über die kritische Lage in der ambulanten Versorgung. Unter diesem Dach startete 2025 mit #Praxenland eine zweite Phase der Kampagne. Sie stellte angesichts der sich zuspitzenden Lage den Wert der wohnortnahen Versorgung durch Hausarzt-, Facharzt- und Psychotherapiepraxen heraus und zeigte so, was mit dem drohenden Verlust von Praxenland auf dem Spiel steht: Die Nähe der Menschen zu „ihrem“ Hausarzt oder „ihrer“ Fachärztin, der oder die für sie da ist, wenn sie krank sind.
Die ersten #Praxenland-Motive appellierten direkt an die Politik, sich zu einer modernen ambulanten Gesundheitsversorgung zu bekennen, wie sie prägend für Deutschland ist. Anfang 2026 rückten die Nachwuchssorgen, mit denen viele Haus- und Facharztpraxen zu kämpfen haben, in den Fokus der Kampagne. Mit dem Aufruf „Lass dich nieder in Praxenland“ zeigte sie jungen Medizinerinnen und Medizinern, welche Chancen eine Niederlassung bietet – und machte zugleich greifbar, wie viel Engagement die niedergelassenen Ärzte aufbringen, um die gesundheitliche Versorgung trotz oft herausfordernder Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten.
Diese Versorgung wird mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz weiter zusammengestrichen. Unter dem Motto „Praxen nicht kaputtsparen“ hat die Kampagne seit Anfang 2026 lautstark vor diesen Einschnitten gewarnt. Die neuen Motive mit starken Headlines wie „Aua“ und „Das tut jetzt weh“ bringen die schmerzhaften Konsequenzen für Ärzte, Psychotherapeuten und ihre Patienten nun auf den Punkt: Die Praxen müssen ihr Angebot an die sinkenden Einnahmen anpassen, beim Personal sparen, Termine streichen, Sprechstunden verkürzen und Vorsorgeangebote reduzieren – nicht weil sie das wollen, sondern weil es wirtschaftlich nicht anders funktioniert. Leidtragende sind die Patientinnen und Patienten, die in Zukunft mit längeren Wartezeiten rechnen müssen.
Digitales Herzstück der Kampagne ist die Website unter www.praxenland.de, die neben authentischen Patienten- und Ärztestimmen auch die Forderungen der Ärzteschaft bündelt.
Motive zum Herunterladen
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Stimmen der Ärztinnen und Ärzte aus der aktuellen Kampagne „Lass dich nieder in Praxenland“:
Dr. Djawid Hashemi, Kardiologe, Berlin
„In der eigenen Praxis kann ich selbst entscheiden, welches der richtige Weg für meine Patienten ist, ob sie medikamentös oder sogar ohne Medikamente behandelt werden können oder ob ich jemanden wirklich ins Krankenhaus schicken muss, um einen Eingriff durchführen zu lassen. Das kann ich im Sinne des Patienten gemeinsam mit ihm besprechen, ohne dass es Interessenskonflikte gibt. Ich kann also viel freier entscheiden, als ich das als Krankenhausarzt gemacht habe. Krankheiten frühzeitig zu erkennen und das Voranschreiten von Erkrankungen zu verlangsamen, idealerweise sogar zu verhindern, sehe ich als große Chance in der Niederlassung. Ich bin überzeugt: Die Zukunft der Medizin liegt in der ambulanten Versorgung.“
Dr. Julia Borkenhagen, Augenärztin, Potsdam
„Ich finde es wunderschön, wenn ich morgens in mein Sprechzimmer komme. Weil ich weiß: Das habe ich selbst gestaltet, und zwar so, wie ich es brauche. Meine Patienten kann ich hier so betreuen, wie ich es für richtig halte. Und wenn ich mal einen zweiten Blick haben möchte, gehe ich einfach zu meiner Kollegin ins Zimmer nebenan. Fehlermeldungen in der Software und Bürokratie sind leider oft richtige Zeitfresser, die den Alltag belasten. Wenn ich per Fax irgendwelche Dokumente schicken muss, ist das sehr zeitaufwändig. Und wenn ich eine wiederholte Anordnung immer wieder freigeben muss, obwohl sich eigentlich nichts geändert hat, ist das auch sehr aufwändig. Alles in allem bin ich aber sehr glücklich mit der Entscheidung, mich niederzulassen. Bei aller Verantwortung und aller Veränderung, die das mit sich bringt, war das eine der besten Entscheidungen meines Lebens.“
Dr. Charlotte Block, Augenärztin, Potsdam
„Das Praxenland ist die einzige Möglichkeit für Patienten, wirklich gut und wohnortnah versorgt zu werden, im ländlichen Gebiet wie in den Städten. Persönlich finde ich es wunderbar, meine Patientinnen und Patienten zu kennen, über längere Zeit zu betreuen und nicht jedes Mal wieder bei null anzufangen. In meiner offenen Sprechstunde kann ich oft sofort helfen, andere Patienten begleite ich von der Diagnose bis zur Nachsorge. In der Augenheilkunde wird viel operiert, meistens ambulant. Ich kann genau sagen, welcher Patient in welche Praxis passt, die dann die Operation übernimmt. Ich sehe die Patienten meistens am nächsten Tag und kann von da an den ganzen Heilungsverlauf begleiten. Im Alltag kann ich mir vieles selbst einteilen. Dadurch lässt sich auch mein Familienalltag mit meinem Berufsleben wunderbar in Einklang bringen. Ich habe selbst zwei kleine Kinder und kann trotzdem in meiner Praxis arbeiten und das gut parallel organisieren.“
Dr. Marcus Ober, Allgemeinmediziner, Isny im Allgäu
„Ich arbeite sehr gern in der Hausarztpraxis. Erstens, weil ich hier ein Stück weit Autonomie habe und mein eigener Herr bin. Natürlich gibt es Vorgaben, die man im gewissen Rahmen erfüllen muss, aber da gibt es Spielräume. Man kann sich etwa individuell weiterbilden und eigene Schwerpunkte setzen. Meine Frau und ich wollten von Anfang an diesen Weg gehen. Ein zweiter Vorteil ist, dass ich Menschen über einen langen Zeitraum begleiten kann. Ich habe teilweise ganze Familien, bei denen ich vom kleinsten Kind bis zur ältesten Omi alle kenne – und dann beispielweise auch mehr über die sozialen Herausforderungen der Familie erfahre. Das gibt es im Krankenhaus so nicht. Da hat man den Patienten für wenige Tage oder Wochen – und dann ist er auch wieder weg. Als Hausarzt hat man jeden Tag mit anderen Menschen zu tun. Das ist nicht nur interessant und abwechslungsreich, sondern auch anspruchsvoll, weil man sich immer wieder auf neue Probleme einstellen und dafür Lösungen finden muss.“
Dr. Jona Kristin Ober, Allgemeinmedizinerin, Isny im Allgäu
„Heute arbeite ich gemeinsam mit meinem Mann in unserer eigenen Praxis. Was ich daran besonders schätze, sind das Team und das Miteinander. Man ist näher dran als im Krankenhaus, man bekommt mehr vom Leben der anderen mit – das ist manchmal herausfordernd, aber genau das macht es auch so besonders. Unsere Praxis ist ein Stück weit unsere Familie. Der Alltag ist intensiv, Bürokratie gehört dazu, das darf man nicht unterschätzen. Aber abgeschreckt hat mich das nie. Vieles wird durch Digitalisierung einfacher, Abläufe werden besser, und man gewinnt Zeit für das, worum es eigentlich geht: die Patientinnen und Patienten. Wenn man am Ende eines vollen Tages das Gefühl hat, geholfen zu haben, dann weiß man, warum man diesen Weg gegangen ist.“
Im Sprechzimmer. Der Podcast aus dem Praxenland.
Welche Rolle spielt die Praxis für unser gesellschaftliches Miteinander? Was macht die Hausarztpraxis attraktiv für junge Medizinerinnen und Mediziner? Und wie funktioniert eigentlich die Notfallversorgung in der Praxis?
Im neuen Videopodcast „Im Sprechzimmer. Der Podcast aus dem Praxenland.“ geben Ärztinnen und Ärzte persönliche Einblicke in ihren Alltag in der Niederlassung. In sechs Folgen berichten sie offen über Erfahrungen, Herausforderungen und darüber, was die ambulante Versorgung so besonders macht. Jetzt reinhören!