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Stand 19.10.2021

Impfungen gegen SARS-CoV-2

Praxisorganisation und Aufklärung

Hier finden Sie Hinweise zum Impfmanagement – von der Aufklärung über die Erstellung von Impfzertifikaten bis zu der Frage, wer eine Auffrischimpfung erhalten sollte. Außerdem können Sie unterstützende Infomaterialien herunterladen.

Terminvergabe

Die Terminvergabe, beispielsweise per Telefon oder digitaler Terminbuchungsmöglichkeit, regeln die Praxen selbst. Eine zentrale Einladung gibt es nicht. Die Ärztinnen und Ärzte können ihre Patienten gezielt ansprechen, denn sie wissen am besten, wer zunächst geimpft werden sollte – ob in der Praxis oder in der Häuslichkeit.

Anspruch auf die Impfung

Nach der Coronavirus-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums kann sich jede in Deutschland wohnhafte oder tätige Person kostenfrei impfen lassen, unabhängig von ihrer Krankenversicherung – also auch Nichtversicherte. Zudem können unter anderem deutsche Staatsangehörige mit Wohnsitz außerhalb der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Verfügbarkeit der vorhandenen Impfstoffe mit Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 versorgt werden. Die Impfstoffe können in den Altersgruppen eingesetzt werden, für die sie zugelassen sind. Vertragsarztpraxen rechnen die Leistungen nach der Impfverordnung über ihre Kassenärztliche Vereinigung ab; auch für Nicht-GKV-Versicherte.

Die Priorisierung bei COVID-19-Impfungen ist seit 7. Juni aufgehoben. Trotz Wegfalls der formalen Priorisierungsempfehlung ruft die STIKO dazu auf, bislang nicht geimpfte Erwachsene, die ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe haben oder die arbeitsbedingt besonders exponiert sind oder die engen Kontakt zu vulnerablen Personengruppen haben, weiterhin bei der Vergabe von Impfterminen bevorzugt zu berücksichtigen. Zugelassene Impfstoffe gibt es derzeit für Personen ab zwölf Jahre.

Infoblatt der STIKO „Gibt es Personengruppen, die bei der COVID-19-Impfung besonders berücksichtigt werden sollten?“ (Stand: September 2021)

Auffrischimpfungen

Seit 1. September 2021 können Auffrischimpfungen durchgeführt und abgerechnet werden. Grundlage bildet die Coronavirus-Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit. Danach haben alle Bürger ab zwölf Jahren, unabhängig von ihrem Versichertenstatus, Anspruch auf eine Auffrischimpfung.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff folgenden Personengruppen:

  • Personen ab 70 Jahren
  • Bewohner und Betreute in Einrichtungen der Pflege für alte Menschen
  • Pflegepersonal und andere Tätige mit direktem Kontakt mit den zu Pflegenden in ambulanten, teil- oder vollstationären Einrichtungen
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt
  • Personen mit Immundefizienz
  • Personen, die mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft wurden

Immungesunden Personen, die vor oder nach einer COVID-19-Impfung eine labordiagnostisch gesicherte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, wird derzeit keine Auffrischimpfung (nach erfolgter Grundimmunisierung) empfohlen.

Zeitpunkt der Auffrischimpfung

Die STIKO-Empfehlungen sehen Folgendes vor:

Ab sechs Monate: Die Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff soll frühestens sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung erfolgen, unabhängig davon, welcher Impfstoff (mRNA- oder Vektorimpfstoff) bei dieser verwendet wurde. Bei mRNA-Impfstoffen soll die Auffrischimpfung möglichst mit dem gleichen Impfstoff erfolgen – entweder mit Comirnaty von BioNTech/Pfizer oder Spikevax von Moderna – wie bei der Grundimmunisierung. Wenn dieser nicht verfügbar oder noch nicht für die Auffrischimpfung zugelassen ist, kann auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden.

Ab vier Wochen: Bei einer kleinen Gruppe schwer immundefizienter Personen mit einer erwartbar stark verminderten Impfantwort, zum Beispiel bei Patientinnen und Patienten nach Organtransplantation und Krebspatienten unter immunsuppressiver, antineoplastischer Therapie, kann diese zusätzliche Impfstoffdosis als Optimierung der primären Impfserie bereits vier Wochen nach dieser Grundimmunisierung angeboten werden. Über eine Auffrischimpfung nach weiteren sechs Monaten muss im Einzelfall entschieden werden.

Für Personen, die mit dem COVID-19-Vakzin Janssen von Johnson & Johnson geimpft wurden, empfiehlt die STIKO zur Optimierung des Impfschutzes eine weitere Impfung mit einer Dosis eines mRNA-Impfstoffes, die bereits ab vier Wochen nach der Janssen-Impfung erfolgen kann. Praxen dokumentieren auch diese Impfung als Auffrischimpfung. Ist allerdings nach der COVID-19 Vaccine Janssen-Impfstoffdosis eine gesicherte Infektion aufgetreten, wird derzeit von der STIKO keine weitere Impfung empfohlen. 

Auch die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) hat in mehreren Beschlüssen den Personenkreis festgelegt, der nach Auffassung der Gesundheitsminister der Länder auf eigenen Wunsch Auffrischimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff erhalten soll. Die GMK hat sich dabei zuletzt an den Empfehlungen der STIKO orientiert: Beschluss der GMK vom 11. Oktober 2021. Die GMK-Beschlüsse sind allerdings nicht rechtlich bindend.

STIKO-Empfehlung zur Auffrischimpfung und zur Optimierung der Janssen-Grundimmunisierung
STIKO-Empfehlung zur Auffrischimpfung für Personen mit Immundefizienz

Informationen zur Abrechnung und Dokumentation hier.

Impfaufklärung und Beratung

Die Aufklärung ist ein wichtiger Teil der Impfleistung. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, die impfende Person oder den Sorgeberechtigten über die Vorteile und Risiken vorab zu informieren. Bei der COVID-19-Schutzimpfung ist das nicht anders als bei anderen Schutzimpfungen. Besondere Maßnahmen sind hierbei nicht erforderlich.

So können Sie vorgehen:

1. Aufklärungsmerkblatt aushändigen

Die Aufklärung über die COVID-19--Schutzimpfung erfolgt vor der ersten Impfung. Das Robert Koch-Institut stellt dafür bundesweit einheitliche Aufklärungsmerkblätter zum mRNA-Impfstoff und zum Vektor-Impfstoff als druckfähige PDF-Dateien zur Verfügung. Geben Sie der zu impfenden Person das Aufklärungsmerkblatt zum Lesen oder schicken es ihr im Vorfeld per E-Mail zu, damit sie es bereits zu Hause durchlesen und aufgefüllt in die Praxis mitbringen kann. Die Dokumente werden fortlaufend dem aktuellen Impfgeschehen angepasst und sind auch in mehreren Fremdsprachen und leichter Sprache abrufbar.

2. Aufklärungsgespräch anbieten

Bieten Sie der zu impfenden Person an, Fragen und Unklarheiten zur Impfung mit Ihnen zu besprechen. Ein Aufklärungsgespräch ist nicht zwingend erforderlich, aber anzubieten. Die Person kann das Angebot auch ablehnen. Bitte beachten Sie: Es ist nicht erforderlich, das Aufklärungsmerkblatt auszuhändigen und zusätzlich ein Aufklärungsgespräch durchzuführen. Dies ist nur dann notwendig, wenn der Impfling das Gesprächsangebot annimmt.

Alternativ zu dem beschriebenen Verfahren kann die Aufklärung auch ausschließlich durch ein ärztliches Aufklärungsgespräch und ohne Aufklärungsmerkblatt erfolgen, wenn die Ärztin oder der Arzt der zu impfenden Person die Vorteile und Risiken der COVID-19-Schutzimpfung nennt.

3. Impffähigkeit feststellen

Überzeugen Sie sich, dass die zu impfende Person aktuell impffähig ist. Eine Anamnese ist nur dann erforderlich, wenn Sie die Person nicht kennen, weil sie zum ersten Mal Ihre Praxis aufsucht. Hierfür können Sie den Anamnesebogen des RKI nutzen.

Bei bekannten Patienten kennen Sie in aller Regel den Gesundheitszustand, und die Daten sind bereits in der Patientenakte dokumentiert; eine erneute Anamnese ist nicht erforderlich. Auch bei diesen Personen muss die Impffähigkeit zumindest im Hinblick auf akute Infektionen etc. geprüft werden.

4. Einwilligung der zu impfenden Person

Dokumentieren Sie in der Patientenakte, dass Sie die zu impfende Person aufgeklärt haben und die Person eingewilligt hat. Eine schriftliche Einwilligung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber sinnvoll. Sie können dazu das Aufklärungsmerkblatt oder das Muster des RKI für eine Einwilligungserklärung verwenden und von der Person unterschreiben lassen. Auch eine formlose Einwilligungserklärung ist möglich.

Dokumentation im Impfausweis

Die Impfung wird wie gehabt im Impfausweis dokumentiert. Personen ohne Impfausweis können eine Ersatzbescheinigung zur COVID-19-Schutzimpfung erhalten.

Impfzertifikat

Informationen zur Abrechnung, Vergütung und Kodierung der COVID-19-Impf-, Genesenen- und Testzertifikate finden Sie hier.

Nachbeobachtung

Im Allgemeinen wird eine Nachbeobachtungszeit nach der Impfung gegen COVID-19 von mindestens 15 Minuten empfohlen. Längere Nachbeobachtungszeiten von 15 bis 30 Minuten sollten vorsichtshalber bei bestimmten Risikopersonen eingehalten werden, beispielsweise bei Personen mit gerinnungshemmender Medikation, schweren kardialen oder respiratorischen Grunderkrankungen oder mit stärkeren oder anaphylaktischen Reaktionen auf andere Impfungen in der Anamnese.

Nebenwirkungen und Haftung

Für das Melden von Nebenwirkungen nutzen Praxen die gewohnten Wege:

Meldung an das Gesundheitsamt: Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht eine namentliche Meldepflicht einer sogenannten unerwünschten Arzneimittelwirkung (UAW) an das jeweilige Gesundheitsamt. Dieses leitet die Meldung weiter an die zuständige Landesbehörde und an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

Meldung an die Arzneimittelkommission: Zudem haben Ärztinnen und Ärzte die berufsrechtliche Verpflichtung zur Meldung von Nebenwirkungen an die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Diese leitet die Meldung pseudonymisiert an das PEI weiter. Die entsprechenden (Online-) Formulare sowie weitere Infos finden Sie hier.

Zusätzlich können Ärztinnen und Ärzte Nebenwirkungen direkt an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte oder an das PEI digital melden.

Haftungsregelungen: Der staatliche Versorgungsanspruch im Falle eines Impfschadens – dies sind nach der Impfung über das übliche Ausmaß der Impfreaktionen hinausgehende Gesundheitsschädigungen – ist im Infektionsschutzgesetz (Paragraf 60) geregelt. Alle Personen, die nach der auf Grundlage des SGB V erlassenen Coronavirus-Impfverordnung geimpft werden, können einen etwaigen Versorgungsanspruch geltend machen. Im Übrigen gelten die ärztlichen Sorgfalts- und Aufklärungspflichten.