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Arztzeit-Mangel

Die Zeit, die ein Arzt oder Psychotherapeut für die Behandlung von Patienten zur Verfügung hat, nimmt seit einigen Jahren stetig ab.

Die Versorgung ist momentan noch von einer guten Erreichbarkeit geprägt. 98 Prozent der Einwohner erreichen einen Hausarzt innerhalb von 15 Minuten.

Allerdings sind Fördermaßnahmen der Aus- und Weiterbildung notwendig, um das Versorgungsniveau für Patienten in den kommenden Jahren zu halten. Auch sollte die Niederlassung attraktiver gestaltet werden. Werden mehr Ärzte ausgebildet und lassen sich nieder, kann dies der fehlenden Arbeitszeit pro Arzt entgegenwirken.

Gründe für den Arztzeit-Mangel

Die Gründe für den Arztzeit-Mangel sind vielfältig: Neben Belastungen durch Bürokratie spielen auch veränderte Arbeitszeitmodelle eine große Rolle: Ärzte legen mehr Wert auf Work-Life-Balance und arbeiten häufiger als Angestellte und in Teilzeit. Auch Selbstständige, vor allem jüngere, sind oftmals nicht bereit, mehr als 50 Stunden in der Woche zu arbeiten.

  • Entwicklung der Altersstruktur aller Ärzte

    Entwicklung der Altersstruktur aller Ärzte

  • Entwicklung der Anzahl Praxen (Einzelpraxen und Gemeinschaftspraxen)

    Entwicklung der Anzahl Praxen (Einzelpraxen und Gemeinschaftspraxen)

  • Entwicklung der Anzahl Vertragsärzte

    Entwicklung der Anzahl Vertragsärzte

  • Entwicklung der Anzahl angestellte Ärzte

    Entwicklung der Anzahl angestellte Ärzte

  • Entwicklung der Arbeitszeit der angestellten Ärzte

    Entwicklung der Arbeitszeit der angestellten Ärzte

  • Entwicklung der Anzahl Arbeitsstunden

    Entwicklung der Anzahl Arbeitsstunden

  • Entwicklung der Facharztanerkennungen für Allgemeinmedizin

    Entwicklung der Facharztanerkennungen für Allgemeinmedizin

  • Entwicklung der Bürokratiebelastung in Mio. Nettostunden

    Entwicklung der Bürokratiebelastung in Mio. Nettostunden

  • Bevölkerungsvorausberechnung der Altersstruktur

    Bevölkerungsvorausberechnung der Altersstruktur

  • Entwicklung des Anteils der Einpersonenhaushalte auf Bundesebene

    Entwicklung des Anteils der Einpersonenhaushalte auf Bundesebene

Demografischer Wandel in der Ärzteschaft

Der demografische Wandel in Deutschland schließt auch die Ärzte ein. Der Anteil der Ärzte über 65 Jahren hat sich in den vergangenen 17 Jahren fast verzehnfacht (2017: 15.237 Ärzte, 10,3 Prozent). Dabei ist die Situation regional oft noch dramatischer: In mehr als der Hälfte der Planungsbereiche ist bereits mehr als jeder dritte Hausarzt über 60. Dies betrifft vor allem ländliche und unattraktive Regionen. Der hohe Altersdurchschnitt hat zur Folge, dass in den nächsten Jahren zahlreiche Praxen einen Nachfolger suchen werden. Gerade die ältere Generation an Hausärzten arbeitet jedoch häufig noch mehr Stunden pro Woche als jüngere Selbstständige – diese Arztzeit fällt mit dem Ausscheiden der Ärzte über 65 Jahren weg. Und bereits heute sind über 2.600 Hausarztsitze unbesetzt und fehlen in der Versorgung.

Mehr angestellte Ärzte, weniger Praxen

Jeder zweite Arzt in der vertragsärztlichen Versorgung arbeitet in Gemeinschaftspraxen oder einer Einrichtung wie einem Medizinischen Versorgungszentrum. Diese Tendenz führt dazu, dass es an weniger Standorten als bisher Angebote für die ambulante Versorgung gibt. Dies zeigt die Zahl der Praxen: Innerhalb von zehn Jahren gab es deutschlandweit einen Rückgang von 14,3 Prozent.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass sich immer weniger junge Ärzte in der hausärztlichen Versorgung selbstständig machen möchten. Dies liegt auch an den Rahmenbedingungen: Bürokratie, Haftungsansprüche Dritter und die Vergütung machen eine Niederlassung unattraktiv. Die Zahl der Niedergelassenen ist daher in den vergangenen zehn Jahren um circa acht Prozent zurückgegangen. Damit gehen dem System vor allem jene Ärzte verloren, die besonders viele Stunden (53,3 Stunden je Woche ) in der Patientenversorgung tätig sind.

Weitere Faktoren sind die Bevorzugung der Anstellung und Teilzeittätigkeit: Medizinstudierende geben in Umfragen an, dass sie lieber angestellt als selbstständig arbeiten möchten. Entsprechend hat sich die Zahl der Angestellten seit 2007 fast versechsfacht. Waren 2007 nur rund 5.600 Ärzte angestellt, waren es 2017 bereits 31.477. Angesichts dieses stetigen Trends zur Anstellung (40-Stunden Woche) und zur Tätigkeit in Teilzeit werden immer mehr Ärzte benötigt, um das Versorgungsniveau aufrecht zu erhalten.

Angestellte Ärzte verschärfen Arztzeit-Mangel

Angestellte Ärzte erbringen nur etwa 80 Prozent der Leistung , die selbstständige Vertragsärzte in Praxen aufbieten. So könnten die derzeit etwa 31.500 Angestellten, selbst bei einer Anstellung in Vollzeit, faktisch nur 25.200 bisher mit vollem Versorgungsauftrag tätige Vertragsärzte ersetzen.

In den vergangenen Jahren wurde diese Entwicklung in der vertragsärztlichen Versorgung durch eine steigende Zahl an berufstätigen Ärzten ausgeglichen. Die Zahl der Studienabgänger in der Humanmedizin stagniert jedoch, sodass dem Gesundheitswesen insgesamt ausreichender Nachwuchs fehlt.

Zudem zeichnet sich generell ab, dass jüngere Ärzte mehr Wert auf Fragen der Work-Life-Balance legen: Sie sind nicht mehr gewillt, jene Anzahl von Stunden zu arbeiten, die Vertragsärzte in der Vergangenheit zu leisten bereit waren. So ist die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden seit 2012 von 56,4 auf 51,1 zurückgegangen. Diese Arztzeit fehlt für die Behandlung der Patienten.

Zusammengenommen führen diese Faktoren dazu, dass hinzukommenden Ärzte nur einen Teil der bisher tätigen Ärzteschaft ersetzen und das Versorgungsangebot insgesamt abnimmt.

Fragmentierung der Versorgung

Die Medizin wird aufgrund des technischen und medizinischen Fortschritts immer weiter in einzelne Gebiete aufgeteilt. Dies bietet den Patienten ein breiteres ambulantes Versorgungsspektrum, beispielsweise in Form von Fachärzten. Allerdings entsteht dadurch ein steigender Koordinationsaufwand, der Ärzte wertvolle Zeit kostet. Gleichzeitig steigt der Bedarf an ärztlichen Behandlungskapazitäten.

Im Rahmen der fortschreitenden Spezialisierung kommt die hausärztliche Versorgung zu kurz, wie die Weiterbildungsabschlüsse zeigen: Nur 11 Prozent aller angehenden Fachärzte schließen mit einem Facharzt für Allgemeinmedizin ab. Der Arztmangel wirkt sich also in der hausärztlichen Versorgung besonders stark aus.

Belastung durch Bürokratie

In der vertragsärztlichen Versorgung steigt zudem die bürokratische Belastung wieder leicht an, nachdem in den Jahren 2013 bis 2016 ein Rückgang zu verzeichnen war. Das nimmt zusätzliche ärztliche Ressourcen in Anspruch, die bisher für die Patientenversorgung zur Verfügung standen, und verstärkt den Arztzeit-Mangel. Rund 7,4 Stunden verbringen Ärzte laut Ärztemonitor in der Woche mit Verwaltungsarbeit. Statistisch muss jede Praxis pro Jahr 60 Arbeitstage für Bürokratie aufwenden.

 

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