Praxisnachricht
  • Aktualisierungsdatum:
  • Disease-Management-Programm

DMP Depression wird aktualisiert – Erstmals übernehmen Psychologische Psychotherapeuten koordinierende Funktion

Das 2019 beschlossene Disease-Management-Programm Depression wird aktualisiert. Die Anpassungen betreffen unter anderem die Koordination, Patientenschulungen, körperliches Training sowie Qualitätsziele und die Dokumentation. Sie wurden vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen.

Zwar erfolgt die Koordination im DMP Depression grundsätzlich durch Hausärztinnen und Hausärzte. In Ausnahmefällen können aber auch spezialisierte Fachärztinnen und Fachärzte koordinieren. Im Rahmen der Aktualisierung konnte die KBV nun erreichen, dass erstmalig auch Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die Koordination in Ausnahmefällen übernehmen können.

Dies ist bei Patientinnen und Patienten möglich, die bereits vor der Einschreibung von diesen Psychotherapeuten betreut wurden oder wenn diese Betreuung aus medizinischen Gründen erforderlich ist, und die nicht durchgehend ärztlich behandelt werden müssen sowie keine komplexe Medikation benötigen.

Dokumentation verkürzt und Qualitätsziele vereinfacht

Da dem G-BA bislang keine Patientenschulung bekannt ist, die den Anforderungen der DMP-Anforderungen-Richtlinie entsprechen, können ausnahmsweise auch DMP-Programme für Depression ohne Schulungen angeboten werden. Sobald eine vom Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) als geeignet erklärte Schulung zur Verfügung steht, muss diese innerhalb von zwei Jahren nach der Freigabe durch das BAS in den Behandlungsprogrammen angeboten werden und stünden dann in der Versorgung zur Verfügung.

Die Empfehlungen zur Psychotherapie, zur medikamentösen Therapie und deren Kombination in Abhängigkeit des Schweregrades wurden an aktuelle Leitlinienempfehlungen angepasst. Dadurch werden die Dokumentation verkürzt und Qualitätsziele vereinfacht. Eine weitere Neuerung betrifft die Empfehlung von körperlicher Aktivität und Sport, da solche Veränderungen im Lebensstil eine positive Wirkung auf die betroffenen Patientinnen und Patienten haben.

Umsetzung steht noch aus

Der G-BA-Beschluss wird dem Bundesgesundheitsministerium zur Prüfung vorgelegt. Bei Nichtbeanstandung treten die Anforderungen für das aktualisierte DMP voraussichtlich zum zweiten Quartal 2026 in Kraft. Das DMP Depression wurde seit der Erstfassung 2019 noch nicht vertraglich umgesetzt. Durch die Anpassungen und Vereinfachungen soll eine Umsetzung erleichtert werden.

DMP für mehrere Erkrankungen

Disease-Management-Programme (DMP) zur strukturierten Behandlung von Menschen mit chronischen Erkrankungen gibt es aktuell zu folgenden Erkrankungen:

  • Asthma bronchiale
  • Brustkrebs (bei Frauen)
  • Chronisch obstruktive Lungenkrankheit
  • Diabetes Typ 1
  • Diabetes Typ 2
  • Koronare Herzkrankheit
  • Osteoporose (wird derzeit noch nicht in allen Regionen Deutschlands angeboten)
  • Rheumatoide Arthritis (wird derzeit noch nicht in allen Regionen Deutschlands angeboten)

Auch zu weiteren Erkrankungen – Herzinsuffizienz, chronischer Rückenschmerz und Adipositas Erwachsene sowie Adipositas Kinder und Jugendliche – hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Anforderungen an ein DMP bereits festgelegt. Regionale Vertragsabschlüsse zu diesen Indikationen stehen derzeit noch aus.

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