Vertragsärzte verordnen immer weniger Antibiotika
So ging die Verordnungsrate seit 2010 von 559 auf 414 Verordnungen pro 1.000 gesetzlich Versicherten im Jahr 2019 zurück. Das entspricht einem Rückgang von 26 Prozent. Auffällig: In den beiden ersten Corona-Jahren 2020 und 2021 folgte ein weiterer Rückgang der Verordnungen, der besonders ausgeprägt bei kleineren Kindern zwischen 2 und 9 Jahren war. In den Jahren 2023 und 2024 stieg die Verordnungsrate dann über alle Altersgruppen hinweg wieder auf ein mit 2019 vergleichbares Niveau.
Zi: Großteil der Ärzte setzt Antibiotika zurückhaltend ein
Hauptursache des Anstiegs nach 2021 dürfte nach Ansicht der Wissenschaftler vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ein temporär verändertes Erkrankungsgeschehen gewesen sein, was zudem noch altersspezifisch war. Höhere Verordnungsraten in den Jahren 2023 und 2024 betrafen nach Auswertung der vertragsärztlichen Abrechnungsdaten ausschließlich die Altersgruppe der 6- bis 14-Jährigen. So wurde neben einer ausgeprägten Zunahme der Gruppe-A-Streptokokken mit teils schweren Verläufen bei Kindern eine Häufung von Mykoplasmen-Infektionen bei Schulkindern und Jugendlichen registriert. Hinzu kam ein starker Anstieg von Keuchhustenfällen im Jahr 2024 bei 0- bis 19-Jährigen.
Die ausgewerteten Daten belegen nach Aussage des Zi, dass der Großteil der Vertragsärztinnen und -ärzte in Deutschland Antibiotika überaus zurückhaltend und nach entsprechender Risikoabwägung einsetzt. Zudem sei positiv hervorzuheben, dass die Verordnungsrate von Fluorchinolonen stark rückläufig sei – nicht zuletzt aufgrund von Warnungen vor schwerwiegenden gesundheitlichen Nebenwirkungen.
Einsatz von Antibiotika folgt europäischem Trend
Mit dem starken Rückgang des Antibiotikaeinsatzes in den Jahren 2020 und 2021, aber auch mit dem Wiederanstieg in den Folgejahren nach der COVID-19-Pandemie folge Deutschland dem europäischen Trend, teilte das Zi mit. Veröffentlicht wurde die Studie mit dem Titel „Altersspezifische Trends der Verordnung systemischer Antibiotika in den Jahren 2010 bis 2024“ im Deutschen Ärzteblatt.
Online-Fortbildung zur rationalen Antibiotikatherapie
Grundlage für eine rationale Antibiotikatherapie sind die korrekte Diagnosestellung, die kritische Indikation zum Einsatz von Antibiotika, die Wahl des geeigneten Antibiotikums sowie die Verlaufskontrolle mit Festlegung der Behandlungsdauer. Zur Antibiotikabehandlung bei Infektionen der oberen Atemwege bietet die KBV eine Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte an. Sie steht im Online-Fortbildungsportal bereit und ist mit drei CME-Punkten zertifiziert.