Praxisnachricht
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Steiner: ePA kann digitales Versorgungsfach nicht ersetzen

Das Bundesgesundheitsministerium will bei der Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen unter anderem die Stabilität der Telematikinfrastruktur verbessern. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner bezeichnet die Ankündigung als folgerichtig, sieht bei den Zielen des Ministeriums hinsichtlich der elektronischen Patientenakte aber weiteren Handlungsbedarf.

„Wir begrüßen es sehr, dass ausdrücklich das Ziel einer verlässlichen, stabilen und modernen Telematikinfrastruktur (TI) als Handlungsfeld in die Digitalisierungsstrategie des BMG aufgenommen worden ist“, sagte Steiner in einer ersten Reaktion nach der Vorstellung der Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Die Ministerin hatte am Mittwoch ihre Vorstellungen von einer stärkeren Einbindung digitaler Innovationen in die Versorgung, einer systematischen Generierung und Nutzung hochwertiger Gesundheitsdaten sowie einer digitalen Versorgungssteuerung skizziert.

Steiner: Elektronisches Versorgungsfach unverzichtbar

Steiner erinnerte daran, wie wichtig eine verlässliche TI sei, „denn immer noch sorgt eine nicht funktionierende digitale Technik viel zu häufig für Verzögerungen in den Praxisabläufen“. Die Bundesgesundheitsministerin will unter anderem die Komplexität der TI reduzieren, um Ausfälle und Störungen zu reduzieren. In diesem Zusammenhang kündigte Warken an, die Rolle der gematik als zentral verantwortliche Stelle für digitale Anwendungen stärken zu wollen. Eine Forderung, die die KBV bereits vor langer Zeit erhoben hatte. Dementsprechend zufrieden äußerte sich Vorstandsmitglied Steiner: „Positiv bewerten wir vor diesem Hintergrund auch, dass die gematik gestärkt werden soll, indem sie Durchgriffsrechte gegenüber den Anbietern der TI erhält und somit ihre Betriebsverantwortung vollumfänglich wahrnehmen kann.“

Weniger optimistisch zeigte sich Steiner hinsichtlich des Vorhabens des Bundesgesundheitsministeriums, die elektronische Patientenakte (ePA) von ihrer Funktion als digitalem Datensatz hin zu einem „digitalen Begleiter in der Versorgung“ weiterzuentwickeln. „Solange die ePA nicht praxistauglich, stabil und ohne zusätzlichen Aufwand nutzbar ist, entsteht ein struktureller Mehraufwand im Praxisalltag. Damit zukünftig zum Beispiel im Rahmen einer Ersteinschätzung erhobene Daten oder eine elektronische Überweisung unabhängig davon, ob der Patient eine ePA hat oder nicht, verfügbar sind, halten wir ein elektronisches Versorgungsfach für erforderlich“, ergänzte Steiner. Für das geplante Primärversorgungssystem sei dies unverzichtbar.

Steiner: Versorgung findet in den Praxen statt

Digitale Werkzeuge wie KI-Anwendungen könnten im Versorgungsalltag helfen und unterstützen, sagte Steiner und fügte hinzu: „Sie alleine können aber keine Diagnosen stellen, Therapieentscheidungen treffen oder Verordnungen auslösen, auch nicht, wenn es um Folgerezepte geht. Die medizinische Verantwortung liegt bei Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und die Versorgung findet in den Praxen statt.“

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