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Dr. Andreas Gassen: Geringerer finanzieller Spielraum führt zu weniger Terminen

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, weist die Kritik der Linkspartei an angeblich zu langen Wartezeiten in Facharztpraxen zurück. Eine Streichung der extrabudgetären Vergütung für Leistungen im Rahmen offener Sprechstunden führt zu weniger Terminen, warnt Gassen. Zudem richtet sich die Entscheidung, wann ein Patient einen Termin erhält, nach der medizinischen Notwendigkeit.

„Die Entscheidung, wann ein Patient einen Termin erhält, richtet sich zuallererst nach der medizinischen Notwendigkeit. Politik ist gut beraten, keine populistische Debatte anzustoßen nach dem Motto „noch mehr und noch schnellere Termine“. Wer wie die LINKEN dann auch noch die vor einigen Jahren bewusst geschaffenen finanziellen Anreize für die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen wieder ersatzlos streichen will, streut den Menschen bewusst Sand in die Augen. Aufgrund der im fachärztlichen Bereich geltenden Budgetierung werden aktuell über 40 Millionen geleistete Termine nicht bezahlt.

Wird der finanzielle Spielraum weiter eingeschränkt, wird es logischerweise nicht mehr, sondern weniger Termine geben. Eine politisch gewollte und auch grundsätzlich sinnvolle Patientensteuerung wird so unmöglich gemacht. Wir müssen eine ehrliche Diskussion führen. Wer alle Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ungeschmälert und sofort zu jeder Zeit haben will, muss konsequenterweise sagen, dass das mit den vorhandenen Finanzmitteln nicht geht. Und lassen wir die Kirche bitte im Dorf.  Die allermeisten Termine erfolgen innerhalb von drei Tagen, Notfälle werden sofort behandelt.

Um hier eine Befragung des GKV-Spitzenverbands heranzuziehen, bekommt jeder siebte sogar noch am selben Tag einen Termin beim Facharzt. Vorsorgetermine und nicht sofort akute Behandlungsfälle können auch deutlich später durchgeführt werden. Im Vergleich mit dem Ausland führen wir eine Luxusdiskussion. In Norwegen warten Patienten im Schnitt über 14 Wochen auf fachärztliche Termine, um beispielsweise MRT-Untersuchungen in Anspruch zu nehmen. Überhaupt sind in fast allen Ländern die Wartezeiten deutlich länger.“