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Anwendungen der TI

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)

Start:
1. Oktober 2021 
Die eAU ist für alle Ärztinnen und Ärzte verpflichtend.

Voraussetzungen:
TI-Anbindung (mit E-Health- oder ePA-Konnektor), KIM-Dienst, eHBA 2.0, PVS-Update

So funktioniert die eAU

Hunderttausende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen werden jeden Tag in Deutschland ausgestellt. Mit der Einführung der elektronischen AU, der eAU, sollen stufenweise digitale Bescheinigungen die Zettel aus Papier ersetzen. Keine einfache Aufgabe, denn die AU ist ein kompliziertes Verfahren mit vielen beteiligten Akteuren. Doch die eAU ist Vorgabe des Gesetzgebers, und 2021 ist die flächendeckende Einführung vorgeschrieben. Bisher besteht die AU aus dem Original und drei Durchschlägen: das Original für die Krankenkasse, je ein Durchschlag für Ihre Patienten, für den Arbeitgeber und für Sie selbst. Bis jetzt sind es die Patientinnen und Patienten, die die AU an Arbeitgeber und Krankenkasse übermitteln müssen. Das Übermitteln an die Krankenkassen sollen künftig Sie übernehmen, mit wenigen Klicks über die Telematikinfrastruktur. Somit gibt es zunächst noch zwei Durchschläge: Diese drucken Sie aus dem Praxisverwaltungssystem aus, unterschreiben sie und geben sie den Patienten mit. Zukünftig wird auch der Durchschlag für den Arbeitgeber elektronisch. Hier übernehmen die Krankenkassen die Übermittlung. Ihre Patienten erhalten auf Wunsch weiterhin einen einfachen Ausdruck, bis auch das elektronisch möglich ist. Für die technische Umsetzung der eAU benötigen Sie neben der Anbindung an die Telematikinfrastruktur mit einem E-Health-Konnektor Ihren elektronischen Heilberufsausweis, außerdem einen KIM-Dienst und ein Update Ihres PVS. Und so erstellen Sie eine eAU: Sie rufen in Ihrem Praxisverwaltungssystem wie gewohnt eine AU auf und füllen sie aus. Mit zwei Klicks erstellen Sie eine digitale unterschriebene Version für die Krankenkasse und versenden sie. Den Papierausdruck unterschreiben Sie wie gewohnt per Hand und geben ihn Ihren Patienten. Im selben Moment sind bereits alle Daten bei der Krankenkasse. So werden viele tausend Zettel am Tag zu einem Datenstrom.

Über die Telematikinfrastruktur (TI) sollen nach und nach sowohl digitale Anwendungen als auch Formulare laufen. Dazu gehört die Digitalisierung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Aufgrund der Vielzahl der Addressaten der AU ist die elektronische Umsetzung in mehreren Schritten geplant. Zunächst ist unter eAU die digitale Information der Krankenkasse über die Arbeitsunfähigkeit der Versicherten zu verstehen.  

Detaillierte Informationen zur eAU

Ab Oktober 2021: elektronischer Versand an Krankenkassen

Nach dem Willen des Gesetzgebers müssen zukünftig nicht mehr die Versicherten selbst, sondern die Vertragsärztinnen und -ärzte die Krankenkassen über eine Arbeitsunfähigkeit ihrer Versicherten informieren. Für die elektronische Übermittlung sollen sie die TI nutzen, direkt aus dem Praxisverwaltungssystem (PVS) heraus mit Hilfe eines KIM-Dienstes. Papier- und Blankoformular werden durch einfache Ausdrucke für Versicherte und Arbeitgeber ersetzt. Diese erstellt der Arzt mithilfe des PVS und gibt sie dem Patienten unterschrieben mit. Die Aufgabe, den Ausdruck an den Arbeitgeber zu senden, bleibt zunächst bei den Versicherten. 

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hatte Vertragsärztinnen und -ärzte verpflichtet, die Daten der AU ab dem 1. Januar 2021 elektronisch an die Krankenkassen zu übermitteln. Die dafür notwendige Technik ist jedoch nicht rechtzeitig flächendeckend für alle Praxen und Krankenkassen verfügbar. Zudem sind beide Seiten durch die Corona-Pandemie stark belastet. Die KBV konnte sich deshalb mit dem Bundesministerium für Gesundheit und den Krankenkassen auf eine Verschiebung des Pflichttermins um drei Quartale auf den 1. Oktober 2021 einigen. 

Ab Juli 2022: Krankenkassen versenden an Arbeitgeber

Ab dem 1. Juli 2022 soll auch die Weiterleitung der Daten an den Arbeitgeber nur noch digital erfolgen. Zuständig dafür sind nicht die Praxen, sondern die Krankenkassen - sie stellen den Arbeitgebern die AU-Informationen elektronisch zur Verfügung. Vertragsärztinnen und -ärzte sind weiterhin verpflichtet, ihren Patientinnen und Patienten eine vereinfachte AU-Bescheinigung auf Papier auszudrucken. Auf Wunsch der Patienten wird auch ein unterschriebener Ausdruck für den Arbeitgeber ausgestellt.

Auch der Termin für den Versand der eAU von den Krankenkassen an die Arbeitgeber war zunächst früher, nämlich schon für den 1. Januar 2022 vorgesehen und wurde aufgrund von Verzögerungen der Technik auf den 1. Juli 2022 verschoben.

Ausstellen der eAU

Das PVS unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, die AU-Daten zukünftig elektronisch zu verschicken. Das soll in der Praxis genauso komfortabel geschehen wie heute das Bedrucken des Papierformulars.

  • AU im PVS aufrufen und befüllen
  • "Drucken und Versenden" auswählen und anklicken.
  • im neuen Fenster "Bestätigen" anklicken
  • PVS startet elektronische Übermittlung an die Krankenkasse
  • Ausdrucke für Arbeitgeber und Patienten unterschreiben

Elektronische Signaturverfahren

Im Gesundheitswesen ist für die elektronische Unterschrift die sogenannte qualifizierte elektronische Signatur (QES) vorgesehen. Sie hat ein sehr hohes Sicherheitsniveau: Ärzte und Psychotherapeuten müssen dafür nicht nur den elektronischen Heilberufsausweis in das Lesegerät stecken, sondern auch noch eine PIN eingeben. Da das im normalen Praxisalltag viel Zeit kostet, gibt es dafür praxistaugliche Lösungen:

  • Komfortsignatur: Bei diesem Verfahren können Ärztinnen und Ärzte mit ihrem Heilberufsausweis (eHBA) und ihrer PIN für einen bestimmten Zeitraum jeweils bis zu 250 Signaturen freigeben. Soll ein Dokument signiert werden, müssen sie dies nur noch bestätigen. Im Gegensatz zur Stapelsignatur ist die Komfortsignatur frühestens mit einer weiteren Ausbaustufe des Konnektors, dem sogenannten ePA-Konnektor, möglich; zum jetzigen Stand ist mit einer Verfügbarkeit in der zweiten Jahreshälfte 2021 zu rechnen.
    Die KBV empfiehlt für die eAU die Komfortsignatur, da die Daten sofort unterschrieben und versandt werden können. Eventuelle Probleme bei der Datenübermittlung, die aufgrund einer TI-Störung möglich sind, werden sofort erkannt, und der Arzt kann dem Patienten die Ausdrucke mitgeben.
  • Stapelsignatur: Sie ist bereits mit dem E-Health-Konnektor möglich. Ärztinnen und Ärzte können dabei mehrere Dokumente gleichzeitig qualifiziert elektronisch unterschreiben. Sie signieren hierbei einmal mit ihrem eHBA und ihrer dazugehörigen PIN den gesamten vorbereiteten elektronischen Dokumentenstapel, zum Beispiel am Ende eines Praxistages.
    Bei der eAU wäre das möglich, da es ausreicht, alle an einem Tag gesammelten AU-Bescheinigungen einmal täglich an die Krankenkassen zu senden. Sollte jedoch bei einer Störung der TI das Ersatzverfahren notwendig werden, wäre das für die Praxis aufwändiger. 

Technische Voraussetzungen

Voraussetzung für die eAU ist ein Anschluss an die Telematikinfrastruktur mit dem sogenannten E-Health-Konnektor. Dieser ermöglicht die qualifizierte elektronische Signatur. Praxen, die bereits an die TI angebunden sind, benötigen dafür ein Software-Update für ihren Konnektor. Die Updates sind teilweise bereits verfügbar; weitere sind angekündigt. Um die Komfortsignatur nutzen zu können, ist mindestens ein weiteres Update auf den ePA-Konnektor notwendig. Diese werden in der zweiten Jahreshälfte 2021 erwartet. Weitere Informationen zu den Updates erhalten Praxen bei ihrem PVS-Hersteller oder Systembetreuer.  

Daneben sind folgende Komponenten in der Praxis notwendig:

  • KIM-Dienst: Dieser E-Mail-Dienst, den ausschließlich TI-Teilnehmer nutzen dürfen, wird für den sicheren Versand benötigt. Ein erster Dienst ist seit Oktober 2020 verfügbar, weitere werden erwartet, darunter der KIM-Dienst der KBV: kv.dox.
  • eHBA (elektronischer Heilberufsausweis) mindestens der Generation 2.0 für die qualifizierte elektronische Signatur: Inzwischen sind alle Landesärztekammern für die Ausgabe vorbereitet. 
  • Praxisverwaltungssystem-Update für eAU: Die PVS-Hersteller sind unterschiedlich weit mit der Umsetzung. Für weitere Informationen sollten Praxen sich an ihren PVS-Hersteller wenden. 

Möglicherweise ist ein weiteres E-Health-Kartenterminal beispielsweise im Sprechzimmer notwendig.

weitere Informationen zur TI-Ausstattung

Erstattung: Technikkosten

Bis auf das Update des PVS können Praxen alle anderen notwendigen Komponenten auch für andere Anwendungen der TI nutzen. Die Technikkosten werden über die TI-Pauschalen für andere Anwendungen abgedeckt:

Komponente Pauschale

Update zum E-Health-Konnektor 
(Bestandteil der NFDM-/eMP-Update-Pauschale)

530 Euro einmalig

Anspruch, wenn Praxen für NFDM und eMP vorbereitet sind. Nachweis gegenüber KV notwendig.

KIM-Dienst

100 Euro einmalig für das Einrichten
Anspruch, wenn Dienst in der Praxis funktionsfähig ist. Nachweis gegenüber KV erforderlich.

23,40 Euro je Quartal für Betriekskosten
Abrechenbar seit 1. April 2020, auch wenn noch kein KIM-Dienst nutzbar ist.

eHBA
(Teil der Pauschalen für die TI-Grundausstattung und den laufenden Betrieb)  
11,63 Euro pro Quartal und Arzt/Psychotherapeut
Abrechenbar mit TI-Anbindung und erstem Nachweis über den Abgleich der Versichertenstammdaten.
zusätzliches Kartenterminal etwa für das Sprechzimmer 
(Im Rahmen der Finanzierung von NFDM und eMP, kann auch für eAU genutzt werden) 
535 Euro je Kartenterminal 
(ein zusätzliches Terminal je angefangene 625 Betriebsstättenfälle)
Anspruch, wenn Praxen für NFDM und eMP vorbereitet sind. Nachweis gegenüber KV notwendig.