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Stand 07.11.2019

Studien

PraxisBarometer Digitalisierung

Das PraxisBarometer Digitalisierung ist die bislang umfassendste repräsentative, wissenschaftlich begleitete Befragung von Vertragsärzten und –psychotherapeuten zur Digitalisierung in Praxen.  Es wurde 2019 zum zweiten Mal im Auftrag der KBV vom IGES Institut durchgeführt. Von 8.900 angeschriebenen Ärzten und Psychotherapeuten haben sich mehr als 2.000 via Online-Fragebogen an der Befragung beteiligt. Das Praxisbarometer Digitalisierung zeigt, wo Praxen digitale Angebote bisher nutzen und welche Rolle diese im Arbeitsalltag spielen. Auch welche Hemmnisse und Bedenken zur Digitalisierung existieren, ist einsehbar. Die KBV nimmt diese Ergebnisse zur Grundlage, die Digitalisierung im Sinne der Vertragsärzte und –psychotherapeuten zu gestalten und die Politik zu beraten.

Den vollständigen Datensatz zum PraxisBarometer 2019 und 2018 stellen wir auf Anfrage gern anonymisiert zur Verfügung.

Fazit der KBV zur Befragung

Ergebnisse aus dem PraxisBarometer Digitalisierung 2019

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Was immer noch eine große Sorge der Praxen ist, ist die Sicherheit. Wir wissen aus den Umfragen des PraxisBarometers im letzten Jahr - und dieses Jahr ist es wieder bestätigt worden - dass viele Praxen Sorgen um die Sicherheit haben. Sie sind nicht überzeugt davon dass ihre PVS-Systeme die notwendige Sicherheit gewährleisten. Zumal leider auch nicht klar ist, wer für welchen Anteil Sicherheit zuständig ist und im Zweifel die Haftung übernimmt. Beispiel: der Konnektor. Da haben selbst die Datenschützer, die Landesdatenschützer den Auftrag an die Bundesregierung gegeben, per Gesetz festzulegen, wer wofür haftet. Unsere Auffassung ist klar: Für den Konnektor und die Betriebssicherheit des Konnektors haftet nicht der Arzt, nicht die Arztpraxis, sondern die Gematik. Im PraxisBarometer ist aber herausgekommen, dass auch die PVS-Systeme sicher sein müssen und da müssen die Hersteller nachbessern. Und das DVG wird uns als KBV wohl die Aufgabe zuweisen, auch eine Sicherheitsrichtlinie zusammen mit dem BSI zu entwickeln. Auch da werden wir Wert darauflegen, dass die Verantwortlichkeiten klar beschrieben sind und damit der Arzt, die Praxis, der Psychotherapeut auch die Sicherheit haben kann, dass alles das erfüllt, was da drin steht, dass er dann aber auch sicher sein kann, dass er alle gesetzlichen Verpflichtungen erfüllt.“

Wie beurteilen die Praxen das Kosten-Nutzen-Verhältnis?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Das ist auch ein ganz großes Thema. Wie viel Aufwand muss der Arzt in die Aufrüstung seiner Praxis für TI stecken. Ein Teil wird durch die Finanzierungsvereinbarung abgedeckt, aber längst nicht alles. Gerade wenn die Sicherheitsrichtlinie kommt, erwarten wir auch, dass dem Arzt dazu auch ein Teil der Kosten erstattet wird, die ihm zusätzlich aufgebürdet werden. Sie sagen Kosten-Nutzen-Verhältnis: Wir erwarten ja von der Digitalisierung auch eine Vereinfachung von Prozessen, von Arbeitsabläufen. Gerade bei der jetzt durch den Bundestag durchgegangenen Entbürokratisierungs-Richtlinie III, diesem Bürokratieentlastungs-Gesetz III, ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung festgeschrieben. Die führt nicht unbedingt zu einer Vereinfachung, denn neben der elektronischen Übermittlung der eAU auf einen Server und damit an die Krankenkassen, verbleibt es für den Arzt weiterhin dabei, dass er Papier ausdrucken muss bzw. unterschreiben muss, damit der Patient dann, der Versicherte dann mit dieser Bescheinigung zum Arbeitgeber gehen kann und die ihm vorlegen kann. Aus unserer Sicht ist das überflüssig, weil die sichere Übermittlung auf einen Server der GKV und der Weiterleitung an den Arbeitgeber ist ja eindeutig sicher. Es soll auch elektronisch signiert werden durch die Arztpraxis. Übrigens auch ein Aufwand, der in der Praxis zu leisten ist. Damit ist es überflüssig, weiter Papier zu bewegen. Insofern ist es in der Tat fraglich, ob ein Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Entbürokratisierung oder einer Entlastung der Arztpraxis erreicht wird. Aus unserer Sicht in den bisher vorgegebenen Verfahren: Nein.“

Wo sehen die Praxen die größten Chancen?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Einmal in der Praxisorganisation selbst. Da kann noch Vieles passieren. Das ist der größte Wunsch, dass mehr Routinearbeit, mehr Dokumentation durch die PVS-Systeme ihnen abgenommen wird. Zurzeit sind sie da aber zu großen Teilen noch nicht überzeugt. Das bringt noch nicht so viel, wie sie sich vorstellen können. Und das Zweite ist, dass auch die vielen Aufgaben, die jetzt durch die TI gefordert werden, durch die ePA, dass dabei auch viel automatisiert werden kann, sicher gemacht werden kann und automatisiert werden kann und auch automatisch aus der Praxis in die ePA beispielsweise, wenn der Patient es wünscht, auch übertragen werden können. Das sind hohe Erwartungen, zu Recht, damit auch die Verbesserung der Digitalisierung nicht nur eine Verbesserung der bürokratischen Abläufe in den Praxen mit sich bringt, sondern auch ein Stück Versorgungsverbesserung schaffen kann in Zukunft.“

Praxen wünschen sich auch digitale Kommunikation, z.B. mit Krankenhäusern. Warum wird dennoch der eArztbrief so wenig genutzt?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Beim eArztbrief zurzeit ist es so, dass Sender und Empfänger die Voraussetzungen haben müssen. Das heißt, wenn der Empfänger-Arzt nicht auch ein entsprechendes Sicherheits-Update hat und einen Konnektor hat, kann natürlich der Hausarzt beispielsweise nicht an einen Facharzt schicken oder umgekehrt. Wenn demnächst jetzt Ende des Jahres spätestens alle Praxen an die TI angeschlossen sind, sind die technischen Voraussetzungen gegeben. Aber es muss auch noch möglich sein, dann den eArztbrief auch zu signieren. Und das setzt voraus, dass auch ein Konnektor-Update erfolgt. Sie sehen, die technischen Voraussetzungen sind noch nicht endgültig, aber die werden in Kürze geschaffen sein. Und was wir in dem Zusammenhang auch fordern, ist, dass wir auch unsere medizinischen MIOs, die Medizinischen Informationsobjekte, die ja letztlich den medizinischen Datenaustausch regeln zwischen den Health Professionals, zwischen Arzt zu Arzt, Arzt und Krankenhaus, dass diese Daten auch übertragen werden können auf diesem sicheren Weg.“

Wie fällt ihr Fazit aus?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Wir erwarten, dass das ein entsprechender Prozess, ein evolutionärer Prozess ist, da gibt es keinen Big Bang, ab sofort ist alles digitalisiert. Es wird ein Trial-and-Error-Verfahren sein, ein Verfahren, das auch der Bundesminister Spahn so vorgegeben hat. Er hat gesagt, wir machen Gesetze, die sind nicht hundertprozentig. Es kann auch sein, dass sich gewisse Regelungen als nicht praktikabel zeigen, dann werden sie durch ein neues Gesetz ersetzt. Wir finden das nur zum Teil gut, weil die Praxen immer zusätzlich belastet werden. Aber es wird sich einfach eine Entwicklung ergeben in den Praxen, dass Digitalisierung kommt. Und die Voraussetzungen dafür sind einmal keine zusätzliche Kostenbelastung, die muss abgefangen werden, und auch keine zusätzliche Bürokratie. Denn was das eRezept, das elektronische Rezept, und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung betreffen, sind das Hybridlösungen oder Duallösungen, da wird sowohl Papier wie Elektronik eingesetzt. Das ist nicht unbedingt geeignet, die Arbeitsabläufe zu beschleunigen. Vielleicht führt das dazu, dass mal diese Prozesse ausprobiert werden, für die Praxen selbst ist es eher mit Mehraufwand verbunden. Und die Digitalisierung wird sich umso schneller und umso einfacher umsetzen, je mehr Praxis Entlastung damit passiert. Und das setzt vieles voraus. Wie gesagt einfache Prozesse, Sicherheits-Updates, Sicherheit muss geklärt werden, wer ist wofür zuständig und es muss auch die Finanzierung stehen.“

Und was trägt die KBV bei?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Wir arbeiten in den Gremien der Gematik mit, versuchen, möglichst all die Entwicklungen in der Politik so möglichst schlank zu machen, dass sie auch in die Praxis passt, dass sie keinen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutet. Und wir wollen auch dafür sorgen, dass auch die finanziellen Belastungen dadurch für die Praxen in Grenzen gehalten werden. Das ist unsere Aufgabe und wir werden natürlich auch über die KVen versuchen, mit Rat und Tat dann den Mitgliedern oder den Ärzten, den Vertragsärzten zur Seite zu stehen. Auf der anderen Seite ist natürlich ganz wichtig, dass auch die PVS-Industrie ihre Aufgabe wahrnimmt, die Ärzte berät und auch als ein vertrauenswürdiger Partner zur Seite steht. Insbesondere dann, wenn neue Dinge installiert werden müssen, wie wir es jetzt beim Anschluss der Konnektoren erlebt haben. Da muss sichergestellt sein, dass der Arzt sich auf die sichere Installation der Anschlüsse verlassen kann. Das wird auch Aufgabe von uns sein, aber vor allem auch der Industrie.“

Mit dem PraxisBarometer Digitalisierung hat die KBV 2019 erneut eine der umfassendsten Befragungen zu diesem Thema in der ambulanten Versorgung durchgeführt. Mehr als 2.000 Vertragsärzte und -psychotherapeuten haben mitgeteilt, wie es um die Digitalisierung in ihrer Praxis bestellt ist, aber auch welche Chancen und Hemmnisse sie dabei sehen. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel fasst die Ergebnisse zusammen und erläutert, was die KBV daraus mitnehmen wird.