Praxisnachricht
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Bericht: 80 Prozent der im Mammographie-Screening entdeckten Tumore in frühen, prognostisch günstigen Stadien

Durch das Früherkennungsprogramm können Karzinome überwiegend in prognostisch günstigen Stadien gefunden werden. Das zeigt der kürzlich von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie veröffentlichte Evaluationsbericht 2023 des Mammographie-Screening-Programms, der eine detaillierte Bilanz zur Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren bietet.

Insgesamt wurden 2023 rund 5,9 Millionen Frauen zur Untersuchung eingeladen, knapp 3,1 Millionen nahmen teil. Das entspricht einer Teilnahmerate von 52 Prozent. Beim Screening wurden knapp 19.500 Karzinome entdeckt. 82 Prozent davon waren ohne Lymphknotenbefall und 80 Prozent maximal zwei Zentimeter groß, was laut Bericht für die Frauen eine gute Prognose, einhergehend mit wesentlich schonenderen Behandlungsmethoden als bei fortgeschritteneren Tumoren, bedeute. Zum Vergleich: Vor Einführung des Screening-Programms 2005 wiesen nur 57 Prozent der Karzinome keinen Lymphknotenbefall auf und lediglich 49 Prozent waren maximal zwei Zentimeter groß.

Von den teilnehmenden Frauen im Berichtsjahr hatten 84 Prozent bereits in den Vorjahren ihren Anspruch auf Brustkrebsfrüherkennung im Mammographie-Screening-Programm wahrgenommen. Bei durchschnittlich 4 Prozent aller untersuchten Frauen wurde eine Auffälligkeit festgestellt, die zur Wiedereinladung für Abklärungsuntersuchungen führte.

Vorteil der Früherkennung bei regelmäßiger Teilnahme am deutlichsten

Nehmen Frauen regelmäßig und im vorgegebenen Untersuchungsintervall an der Früherkennungsuntersuchung teil, ist der Vorteil der Früherkennung dem Bericht zufolge am deutlichsten ablesbar: 86 Prozent der Teilnehmerinnen an Folgeeinladungen nahmen im regulären Untersuchungsintervall von 22 bis 30 Monaten teil. Bei irregulären Folgeuntersuchungen nach einem Intervall von mehr als 30 Monaten sank die Rate der prognostisch günstigen Karzinome von 80,4 Prozent auf 74,6 Prozent ab. 

Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie hatte gezeigt, dass das Mammographie-Screening-Programm deutlich zur Verringerung der Brustkrebssterblichkeit beiträgt. Unter den Frauen, die an dem Screening teilnahmen, gingen die Brustkrebs-Todesfälle zwischen 20 und 30 Prozent zurück. Die vom Bundesamt für Strahlenschutz koordinierte und von der Universität Münster federführend durchgeführte Studie hatte für das deutsche Mammographie-Screening-Programm untersucht, wie stark es die Brustkrebssterblichkeit tatsächlich verringert. 

Programm erneut mit Prädikat „exzellent“ zertifiziert

Das Mammographie-Screening-Programm zeichnet sich durch eine sehr hohe Qualitätssicherung aus, die kontinuierlich überprüft und (re-)zertifiziert wird. Laut dem ebenfalls vor Kurzem erschienenen Qualitätsbericht der Kooperationsgemeinschaft zertifizierten die europäischen Screening-Experten der European Reference Organisation for Quality Assured Breast Screening and Diagnostic Services (EUREF) das deutsche Mammographie-Screening-Programm 2023 erneut mit dem Prädikat „exzellent“. 

Berichte stehen digital zur Verfügung

Die Jahresberichte Evaluation und Qualitätssicherung 2023 dokumentieren erneut die konstant hohe Qualität und Effektivität des Mammographie-Screening-Programms. Beide Berichtsdokumente stellt die Kooperationsgemeinschaft Mammographie auf ihrer Website zur Verfügung.

Mammographie-Screening-Programm

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa zehn Prozent aller Frauen erkranken irgendwann in ihrem Leben daran, die meisten nach dem 50. Lebensjahr.
Studien zeigen, dass ein Programm zur systematischen Früherkennung von Brustkrebs durch Mammographie für die Altersgruppe der 50- bis 75-jährigen Frauen, das sogenannte Mammographie-Screening, die Sterblichkeit an Brustkrebs senken kann.

Das Mammographie-Screening-Programm ist das erste systematische Krebsfrüherkennungsprogramm nach europäischen Qualitätsstandards in Deutschland und das größte Screening-Programm in Europa. 

Für Frauen von 50 bis 69 Jahren wurde es ab 2005 schrittweise eingeführt. Seit 2009 steht es flächendeckend zur Verfügung. Bundesweit sind – seit der Anhebung der Altersgrenze auf 75 Jahre am 1. Juli 2024 – etwa 14,5 Millionen Frauen anspruchsberechtigt.

Das Mammographie-Screening umfasst die alle zwei Jahre erfolgende schriftliche Einladung der Frau, die Screening-Untersuchung, die Durchführung der Abklärungsdiagnostik, die Diagnosestellung und die Überleitung in die Therapie.

Organisiert wird das Programm von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie-Screening. Die KBV ist gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband Träger dieses Programms.

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