Praxisnachricht
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Steiner für stärkere Ausrichtung der Digitalisierung an der Medizin – Technik muss reibungslos im Hintergrund laufen

Um eine sichere ambulante Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten, muss die dafür notwendige technische Infrastruktur verlässlich funktionieren. Das fordert KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner. In einem Video-Interview sagte sie, die Digitalisierung müsse stärker medizinisch ausgerichtet sein. „Das heißt, die Technik sollte geräuschlos und reibungslos im Hintergrund laufen. Das muss 2026 das Ziel sein.“

Steiner wies auf die Umstellung des Verschlüsselungsverfahrens von RSA auf ECC hin, die im vergangenen Jahr viel Energie und Ressourcen gekostet habe. Das sei ein „echter Rückschlag“ gewesen. Statt sich um technische Basisdienste kümmern zu müssen, ohne dafür verantwortlich zu sein, wolle die KBV die Digitalisierung von Versorgungsprozessen voranbringen. Auch gemeinsam mit einer Gruppe digital affiner Ärzte und Psychotherapeuten werden laut Steiner Vorschläge erarbeitet, wie die Digitalisierung von morgen aussehen könne, damit sie tatsächlich Zeit in der Versorgung von Patientinnen und Patienten spare. 

Digitale Fallübergabe und elektronische Überweisungen

Als ein Beispiel für neue digitale Werkzeuge nannte Steiner die Möglichkeit, dass Ärzte bei einer Fallübergabe auf die vorhandenen und bereits erhobenen Patientendaten zugreifen können. Daten, die beispielsweise über eine Ersteinschätzung in der Notfallversorgung oder im Zusammenhang mit einer Überweisung erhoben würden, stünden dann den an der Versorgung Beteiligten sofort zur Verfügung und müssten nicht nochmal erhoben werden.

Handlungsbedarf beim E-Mail-Dienst KIM 

Dringenden Handlungsbedarf sieht Steiner beim E-Mail-Dienst KIM, über den Arztpraxen untereinander, aber auch mit Krankenhäusern sicher Informationen austauschen können. So müssten der Verzeichnisdienst, in dem alle KIM-Adressen aufgeführt sind, transparenter und nutzerfreundlicher sowie KIM in den Praxisverwaltungssystemen anwenderfreundlicher umgesetzt werden. Und natürlich müssten sich auch die anderen an der Gesundheitsversorgung Beteiligten an den Kommunikationsdienst anschließen, forderte sie. Nur dann sei eine Kommunikation mit Krankenhäusern, dem Medizinischen Dienst oder den Krankenkassen über KIM möglich.

Volltextsuche in der ePA ist dringend notwendig

Mit Blick auf die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA) in diesem Jahr sieht Steiner zwei zentrale Themen. Dies seien der digitalgestützte Medikationsprozess und die Volltextsuche. Wichtig beim digitalgestützten Medikationsprozess sei, dass er einen Vorteil gegenüber dem bisherigen bundeseinheitlichen, papierbasierten Medikationsplan schaffe, sagte Steiner. Die Volltextsuche sei dringend notwendig, um Daten leichter auffindbar zu machen, wenn mehr und mehr Dokumente und Befunde in der ePA abgelegt würden. Derzeit müssten sich die Praxen bei der Suche mit Metadaten behelfen, was sehr mühsam sei.

Darüber hinaus sei es wichtig, dass Grundfunktionen der ePA wie das Hochladen und Abrufen von Daten reibungslos und stabil funktionierten, fuhr Steiner fort. Das Bestreben der Krankenkassen, die ePA zur zentralen Plattform ausbauen zu wollen, sei ein „ambitioniertes Ziel“, sagte sie mit Verweis auf die Zahl der aktiven ePA-Nutzer. Nach einer jüngsten Erhebung verwenden nur vier Prozent der Versicherten die ePA-App. „Aus unserer Sicht liegt das zum einen daran, dass die Krankenkassen ihre Versicherten bislang noch nicht ausreichend informiert haben. Außerdem ist das Identifikationsverfahren kompliziert.“ 

Stabile und verlässliche TI ist das A und O

Um Versorgungsszenarien wie eine digitale Fallübergabe in der Notfallversorgung oder eine elektronische Überweisung (eÜberweisung) im Zusammenhang mit einer Patientensteuerung voranbringen und die Digitalisierung insgesamt weiterentwickeln zu können, „brauchen wir natürlich eine stabile und verlässliche Telematikinfrastruktur“, stellte Steiner heraus. Das sei das A und O. Ebenso seien leistungsfähige PVS-Systeme erforderlich und die Möglichkeit, dass Praxen das System einfacher wechseln könnten, wenn es zum Beispiel veraltet sei. Derzeit hätten viele Ärzte und Psychotherapeuten Sorge, dass bei einem Wechsel die Daten nicht sicher und vollständig migriert werden. 

Forderungen an die Politik

Insofern lägen die Erwartungen der KBV an ein Digitalgesetz auf der Hand, betonte Steiner. Das sei eine stabile Telematikinfrastruktur, und bei den PVS-Systemen müsse der Wechsel vor allem durch eine kostenfreie, sichere Datenmigration erleichtert werden. Nötig sei ferner ein Beratungsrecht für die Kassenärztlichen Vereinigungen, um Praxen bei einem solchen Wechsel tatsächlich beraten zu können.

Zur Finanzierung von Digitalisierungsmaßnahmen in den Praxen sagte Steiner: „Wir brauchen eine Bereitschaft der Politik, hier entsprechend auch Finanzmittel, ähnlich wie das bei den Krankenhäusern der Fall ist, bereitzustellen für infrastrukturelle Maßnahmen. Deshalb fordern wir auch trotz aller Einsparzwänge ein Praxiszukunftsgesetz“.

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Digitalisierung 2026: Was für die Praxen jetzt wichtig ist

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