Knapper Grippeimpfstoff: KBV fordert erneut Abschaffung der Regresse
Arztpraxen müssen aufgrund der langen Produktionsdauer ihren Bedarf an saisonalen Influenzaimpfstoffen bereits spätestens bis Ende März vor der kommenden Impfsaison vorbestellen. Der genaue Verlauf einer Grippesaison und welche Nachfrage bei Patientinnen und Patienten im Herbst und Winter dann tatsächlich besteht, ist zu dem Zeitpunkt nicht absehbar.
Wegen des Regressrisikos richten sich die Praxen bei ihren Bestellungen nach dem Impfstoffverbrauch der vergangenen Saison und kalkulieren nur geringe Reserven ein. „Um eine Erhöhung der Impfquoten zu erreichen, muss endlich das Impfhindernis Regress verschwinden und dafür der Paragraf 106b Absatz 1a im SGB V gestrichen werden“, erklärte Steiner.
Der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister verwies auf eine weitere Problematik: „Von Ärztinnen und Ärzten wird erwartet, höhere Impfquoten zu erreichen – gerade auch im Zusammenhang mit den seit Januar geltenden neuen Vorgaben zur Vorhaltepauschale, die den Druck auf die Praxen erhöhen. Sie haben jedoch keinen Handlungsspielraum, da die Bestellmenge für Influenzaimpfstoff kaum verlässlich planbar ist und das Risiko auf Regress besteht.“ Durch die politisch gewollte Ausweitung des Impfangebots in Apotheken werde dies weiter verschärft, da sich dadurch noch schwerer abschätzen lasse, welche Mengen benötigt werden.
Bessere Rahmenbedingungen dringend notwendig
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) waren in der vergangenen Grippesaison 2024/2025 in Deutschland lediglich 34,5 Prozent der Personen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft. Das ist laut RKI der niedrigste Wert seit der Saison 2008/2009. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Quote von 75 Prozent.
„Die Steigerung der Durchimpfungsrate der Bevölkerung ist politisches Ziel und medizinisch sinnvoll. Die aktuellen Engpässe bei den saisonalen Grippeimpfstoffen machen allerdings deutlich, dass die bestehenden Rahmenbedingungen nicht geeignet sind, dieses Ziel zu erreichen“, so Steiner. Hier sehe die KBV dringenden Handlungsbedarf.