Praxisnachricht
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Terminservicestellen vermitteln rund zwei Millionen Termine – Gassen warnt vor populistischer Debatte

Rund zwei Millionen Termine in Arzt- und Psychotherapiepraxen haben die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen im vergangenen Jahr vermittelt. Damit hat sich die Anzahl innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelt. Erstmals wurden auch mehr Termine online gebucht als telefonisch.

„Die Zahlen zeigen, dass immer mehr Menschen das Angebot der Terminservicestellen nutzen und über die 116117 einen Termin buchen“, sagte KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen. Mit der von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken geplanten Einführung eines Primärversorgungssystems könnte dieses Angebot zu einer zentralen Plattform ausgebaut werden.

Gassen warnte vor einer populistischen Debatte nach dem Motto „noch mehr und noch schnellere Termine“. „Wer wie die LINKEN dann auch noch die vor einigen Jahren bewusst geschaffenen finanziellen Anreize für die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen wieder ersatzlos streichen will, streut den Menschen bewusst Sand in die Augen.“ Aufgrund der im fachärztlichen Bereich geltenden Budgetierung werden Gassen zufolge aktuell über 40 Millionen geleistete Termine nicht bezahlt. Würde der finanzielle Spielraum weiter eingeschränkt, werde es nicht mehr, sondern weniger Termine geben. Gassen: „Eine politisch gewollte und auch grundsätzlich sinnvolle Patientensteuerung wird so unmöglich gemacht.“

Steigende Nutzerzahlen der TSS

Seit Einführung der Terminservicestellen (TSS) vor zehn Jahren sind die Nutzerzahlen kontinuierlich gestiegen. Waren es im ersten Jahr rund 65.000 Termine, wurden fünf Jahre später schon über eine halbe Millionen Arzttermine vermittelt. 2023 verzeichneten die TSS etwa 1,1 Millionen und 2024 etwa 1,5 Millionen Terminbuchungen – im vorigen Jahr dann rund zwei Millionen. Ärzte und Psychotherapeuten sind verpflichtet, freie Termin den TSS zu melden. Werden die Termine vermittelt, erhalten sie die Behandlung in voller Höhe zuzüglich eines Zuschlags vergütet.

Immer mehr Online-Buchungen

Zugenommen hat seit 2023 vor allem die Nutzung des Online-Terminservices. Im vergangenen Jahr haben Patientinnen und Patienten über die Internetseite 116117-termine.de oder die 116117-App über eine Million Termin gebucht und damit erstmals mehr als telefonisch über die 116117. Hinzu kommen fast 120.000 Termine, die Praxen für ihre Patienten online gebucht haben.

Überweisung mit Vermittlungscode

Seit Januar 2016 sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) gesetzlich verpflichtet, Terminservicestellen zu betreiben und gesetzlich Krankenversicherten in dringenden Fällen zeitnah einen Termin zu vermitteln. Ärzte und Psychotherapeuten stellen dazu freie Termine bereit, die die Patienten über die 116117 telefonisch oder online buchen können, so auch in Akutfällen innerhalb von 24 Stunden oder Termine zu Videosprechstunden. Patienten benötigen für die meisten Fachrichtungen von ihrem Arzt eine Überweisung mit einem Vermittlungscode. Ausgenommen sind Termine bei Haus-, Kinder-, Augen- und Frauenärzten sowie für ein psychotherapeutisches Erstgespräch.

Die Terminservicestellen sind ein Angebot des Patientenservices 116117 – von KBV und KVen. Unter der bundesweiten Telefonnummer erreichen Patienten seit 2013 den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Auf der Internetseite www.116117.de erfahren sie zudem, welche Bereitschaftsdienstpraxis in ihrer Nähe geöffnet hat. 2016 wurde das Angebot dann um die TSS erweitert.

Schnelle Terminvermittlung über die 116117

Patienten, die einen Termin bei einem Arzt oder Psychotherapeuten benötigen, können sich an die 116117 wenden – online, per App oder telefonisch. Die Servicestellen vermitteln Termine – auch in Akutfällen innerhalb von 24 Stunden. Ärzte und Psychotherapeuten stellen diese Termine in der Regel online in den 116117 Terminservice für Praxen ein (weitere Informationen zur Webanwendung für Praxen). 

Die Patienten benötigen für die Terminvermittlung eine Überweisung mit einem Vermittlungscode. Ausgenommen sind Termine bei Haus-, Kinder-, Augen- und Frauenärzten. Auch für ein psychotherapeutisches Erstgespräch benötigen sie keine Überweisung.  

Extrabudgetäre Vergütung plus Zuschlag

Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten erhalten alle Untersuchungen und Behandlungen in dem Quartal bei einem Versicherten (Arztgruppenfall) extrabudgetär und damit in voller Höhe vergütet, wenn der Termin durch eine Terminservicestelle vermittelt wird. Zusätzlich wird ein zeitgestaffelter, extrabudgetärer Zuschlag von 100, 80 oder 40 Prozent zur Versicherten-, Grund- beziehungsweise Konsiliarpauschale gezahlt.

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