Praxisnachricht
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Zi-Versorgungsatlas: Steigende Kosten durch zunehmende Multimorbidität

Bereits im mittleren Lebensalter sind fast 45 Prozent der Männer und Frauen in Deutschland von mindestens zwei chronischen Erkrankungen betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt dieser Anteil kontinuierlich an. Eine aktuelle Studie kommt vor diesem Hintergrund zu dem Schluss, dass die Anforderungen an die ambulante Versorgung und damit auch die Kosten in Zukunft weiter steigen dürften.

So litten im Jahr 2024 rund 45 Prozent der Frauen und etwa 43 Prozent der Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren an mindestens zwei chronischen Erkrankungen, schreibt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im aktuellen Versorgungsatlas-Bericht „Multimorbidität bei Menschen ab 50 Jahren – zeitliche Trends und regionale Variation“.

Dabei stellten die Forscher unter anderem fest, dass die Gruppe mit einer hohen Krankheitslast – also mit fünf oder mehr chronischen Erkrankungen gleichzeitig – in einem Zeitraum von zehn Jahren am stärksten wuchs. Dies betraf rund 12 Prozent der Frauen und 14 Prozent bei den Männern.

Steigende Komplexität in der ärztlichen Behandlung

Bei der Analyse der Zahlen zeigten sich deutliche regionale und soziale Unterschiede. Versicherte in Wohnkreisen mit hoher sozioökonomischer Deprivation sind häufiger von Multimorbidität betroffen als Menschen in weniger benachteiligten Regionen. Der Begriff der sozioökonomischen Deprivation bezeichnet die Benachteiligung der Bevölkerung in einer Region im Vergleich zu anderen Regionen vor dem Hintergrund ihrer sozioökonomischen Situation. Dabei fließen bestimmte Parameter wie das Einkommen, die Bildung und Arbeitslosigkeit in die Gesamtschau mit ein. So zeigte sich, dass das Prävalenzniveau in Ostdeutschland in allen Deprivationskategorien über dem in Westdeutschland liegt.

Die Daten zeigen laut dem Zi, dass Multimorbidität früher als vielfach angenommen beginnt. Dabei wird vor allem die starke Zunahme bei Menschen mit sehr vielen Erkrankungen die ambulante medizinische Versorgung in Zukunft vor große Herausforderungen stellen. So steigt die Komplexität der ärztlichen Behandlung deutlich, während parallel der Bedarf an abgestimmter und koordinierter Versorgung wächst. Damit verbunden sind erwartbar steigende Kosten im deutschen Gesundheitssystem.

Der Bericht „Multimorbidität bei Menschen ab 50 Jahren – zeitliche Trends und regionale Variation“ ist beim Zi abrufbar. Die Daten können bei der Planung von Präventions- und Versorgungsmaßnahmen helfen.