Praxisnachricht
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Ärzteverbände warnen vor Legalisierung von Nikotinbeuteln

Ein breites Bündnis von Ärzteverbänden fordert, den Verkauf von Nikotinbeuteln in Deutschland weiterhin nicht zuzulassen. Das bestehende Verbot müsse im Interesse des Jugend- und Gesundheitsschutzes unbedingt beibehalten werden, heißt es in einem gemeinsamen Appell an die Bundesregierung.

„Es spielt keine Rolle, in welcher Form Nikotin konsumiert wird. Es besitzt ein hohes Abhängigkeitspotenzial und ist mit zahlreichen und schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken verbunden“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen anlässlich der in dieser Woche gestarteten Initiative. Anlass sind aktuelle Diskussionen, das Verkaufsverbot von Nikotinbeuteln in Deutschland aufzuheben. Dagegen sprechen sich neben der KBV und der Bundesärztekammer auch mehrere Ärzteverbände, Organisationen und Fachgesellschaften aus.

Derzeit dürfen Nikotinbeutel aufgrund ihrer Einordnung als neuartige Lebensmittel in Deutschland nicht in den Verkehr gebracht werden. Würde dies nicht mehr gelten, dann sehen die Unterzeichner des Appells die Gefahr einer erhöhten Sichtbarkeit solcher Produkte – auch für Zielgruppen, die bislang kein Interesse an anderen Tabak- und Nikotinprodukten gezeigt haben. Erschwert würden auch die Anstrengungen zur Prävention von Nikotinabhängigkeit, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Ausrichtung auf junge Zielgruppe

Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen könne Nikotin, das ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzt, die Gehirnentwicklung beeinträchtigen, appellieren die Unterstützer des bestehenden Verkaufsverbots an die Bundesregierung. Bereits heute würden Nikotinbeutel gezielt über soziale Medien und eine jugendaffine Gestaltung als Lifestyleprodukte beworben.

Nikotinbeutel sind neuartige, tabakfreie Nikotinprodukte, die meist zwischen Lippe und Zahnfleisch platziert werden. Das darin enthaltene Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Der Nikotingehalt kann dabei erheblich variieren und ist nicht immer eindeutig aus den Herstellerangaben ersichtlich. Obwohl Nikotinbeutel keinen Tabak enthalten, handelt es sich keineswegs um gesundheitlich unbedenkliche Produkte, wie die Unterzeichner des Appells betonen.

Dabei verweisen sie auf das Beispiel anderer europäischer Staaten, die auf die gesundheitlichen Risiken und die besondere Problematik des Jugendschutzes bereits reagiert haben. So wurde in Belgien und den Niederlanden der Verkauf von Nikotinbeuteln untersagt. Frankreich hat ein weitreichendes Verbot oraler Nikotinprodukte eingeführt.