Praxisnachricht
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Gewalt in Praxen sichtbar machen – KBV-Vorstand begrüßt Vorstoß von Innenminister Reul

Gewalttaten gegen Arztpraxen und andere Gesundheitseinrichtungen könnten zukünftig gesondert in der Kriminalitätsstatistik ausgewiesen werden. Mit einem entsprechenden Beschlussentwurf des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul befasst sich aktuell die Innenministerkonferenz in Hamburg.

Der KBV-Vorstand begrüßt den Vorstoß und appelliert an alle Ärzte und Psychotherapeuten, Gewalttaten oder andere Übergriffe unbedingt zur Anzeige zu bringen. Nur so tauchten die Fälle in der Kriminalitätsstatistik auf, betonte der Vorstandsvorsitzende, Dr. Andreas Gassen.

Im Beschlussentwurf des Innenministers wird das Bundesinnenministerium aufgefordert, Gewalttaten gegen Beschäftigte in medizinischen und pflegerischen Berufen künftig gesondert auszuweisen. Bislang gehen solche Angriffe in die polizeiliche Kriminalstatistik als Körperverletzungsdelikt ein. Die Praxis oder das Krankenhaus als Tatort und die berufliche Rolle des Opfers spielen in der Auswertung des Bundeskriminalamts derzeit keine Rolle. Damit bleibt unklar, wie groß das Ausmaß der Angriffe auf medizinisches Personal tatsächlich ist – trotz zahlreicher Berichte über Vorfälle.

Eine gesonderte Aufnahme der Angriffe in die Kriminalstatistik sei ein weiterer folgerichtiger Schritt, um Gewalt und Übergriffe in Arztpraxen und anderen Gesundheitseinrichtungen sichtbar zu machen und die Sicherheit von Ärzten, Psychotherapeuten und Praxispersonal bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten zu garantieren“, fuhr Gassen fort. Das Bundesjustizministerium hatte Anfang des Jahres bekanntgegeben, die Strafvorschriften zum Schutz von Einsatz- und Rettungskräften sowie Polizei auf das Gemeinwesen und damit auch auf Ärzte, Pflegekräfte und Medizinische Fachangestellte ausweiten zu wollen.

Gewalt in Praxen ist keine Seltenheit. Bei einer Befragung der KBV vor zwei Jahren gaben 85 Prozent der rund 7.600 teilnehmenden Ärzte, Psychotherapeuten und Praxismitarbeitenden an, dass Beschimpfungen, Beleidigungen oder Bedrohungen durch Patienten zugenommen hätten. Fast jeder zweite berichtete, in den vergangenen fünf Jahren mindestens einmal von Patienten körperlich angegriffen oder bedroht worden zu sein.

KBV unterstützt Praxen

Die KBV setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Fälle von Gewalt gegen Ärzte, Psychotherapeuten und Praxismitarbeitende stärker geahndet werden. Auf ihrer Internetseite stellt sie außerdem Informationen für Praxen zum Umgang mit Gewalt bereit. Interessierte finden dort Handlungsempfehlungen, wie sie auf konkrete Situationen reagieren können – präventiv oder bei einer drohenden Eskalation auch kommunikativ. Die Informationen sollen helfen, durch vorbeugende Maßnahmen gewalttätige Übergriffe möglichst zu verhindern.

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