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Krisenvorsorge Risiko- und Krisenmanagement in Praxen
Ziele und Vorbereitung
In einer Krise stehen Ärzte und Psychotherapeuten vor der Herausforderung, die medizinische Versorgung soweit wie möglich aufrechtzuerhalten, ohne dabei die Patientinnen und Patienten sowie das eigene Team zu gefährden. Der vertragsärztliche Sicherstellungsauftrag gilt auch in Krisen — allerdings nur im Rahmen des Machbaren.
Gleichzeitig müssen für die Behandlung wichtige und teure Geräte vor Gefahren und Schäden geschützt werden.
Diese unterschiedlichen Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen, ist keine leichte Aufgabe.
Eine strukturierte Vorbereitung kann dazu beitragen, in der Krise Stress zu reduzieren, dem hohen Druck standzuhalten und Fehler zu vermeiden. Checklisten sind hilfreich, um wesentliche Aspekte im Vorfeld zu überprüfen. Konkrete Szenarien und ihre Folgen können gedanklich im Praxisteam durchgespielt und Maßnahmen abgeleitet werden: Wie können zum Beispiel Kommunikations- und Informationswege möglichst lange offengehalten werden, wenn Computer, Internet, Telefon und das Mobilfunknetz ausfallen? Welche „analogen“ Alternativen gibt es für digitalisierte Praxisabläufe?
Broschüre „Vorsorge in Praxen für Krisen und Katastrophen“
Auf diese Aspekte geht die KBV in der neuen Broschüre „Vorsorge in Praxen für Krisen und Katastrophen“ ein. Weitere Themen sind ein vorausschauendes Praxismanagement, die Priorisierung der Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie der Ausfall von Technik und IT-Infrastruktur.
Auch der Schutz des Personals spielt eine wichtige Rolle: Hierzu zählen Sensibilisierung und Schulungen, persönliche Schutzausrüstung und die Kenntnis entsprechender Fluchtwege.
Als Service-Angebot stehen Checklisten und Muster-Dokumente bereit – zunächst eine allgemeine Checkliste zur Krisenvorsorge und eine Vorlage für eine Liste mit Notfallkontakten. Praxen können sie kostenlos herunterladen und individuell anpassen.
Infos zu Krisenszenarien
Sich mit Risiken wie Stromausfällen, möglichen Cyberattacken, einem Brand oder gewalttätigen Übergriffen in der Praxis zu befassen, ist unabhängig von einer (über-)regionalen Krise oder Katastrophe sinnvoll und unterstützt Sie dabei, in Extremsituationen handlungsfähig zu bleiben und die wirtschaftliche Grundlage der Praxis zu schützen. Zu den möglichen Krisenszenarien zählen:
- Großflächige Ausfälle der Stromversorgung und der IT
- Unfälle oder andere Ereignisse mit vielen Verletzten
- Großbrände
- Extremwetterlagen wie Unwetter oder Sturzfluten
- Hitze und Dürre
- Pandemien
- Folgen terroristischer oder kriegerischer Bedrohungslagen
Auch wenn es allgemeine Vorkehrungsmaßnahmen für Krisen- und Katastrophenfälle gibt, hilft es, konkrete Szenarien und ihre Folgen gedanklich im Praxisteam durchzuspielen. Zu einigen Themen bietet die KBV weiterführende Informationen für Praxen an.
IT-Sicherheit
In jeder Praxis müssen die verarbeiteten Daten und Informationen sicher sein, insbesondere wenn es sensible Daten sind. Verantwortlich dafür sind die Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber. Sie müssen dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden sicher mit den Daten umgehen. Zu beachten sind dabei die berufsrechtlichen Vorgaben, etwa zur ärztlichen Schweigepflicht, aber auch die EU-Datenschutzgrundverordnung. Weil Daten zunehmend elektronisch erfasst und verarbeitet werden und weltweit die Cyberkriminalität zunimmt, wird die IT-Sicherheit immer wichtiger. Dabei spielt die IT-Sicherheitsrichtlinie der KBV eine wichtige Rolle.
Hitzeschutz
Hitzewellen sind intensiver geworden und nehmen zu. Das wirkt sich direkt auf die Gesundheit der Menschen und somit auch auf die Arbeit der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus. Auf dieser Seite finden Sie Informationen, die Sie bei der Vorbereitung auf Hitzewellen und bei der Patientenaufklärung zu den Gefahren und Präventionsmaßnahmen unterstützen sollen.
Gewalt in Praxen vorbeugen
Gewalt in Praxen ist ein zunehmendes Problem. Ärztinnen, Ärzte und Praxispersonal berichten regelmäßig von Übergriffen – verbalen aber auch körperlichen. Doch was tun, wenn sich der Unmut von Patientinnen, Patienten sowie Angehörigen am Anmeldetresen oder im Sprechzimmer entlädt? Und welche Möglichkeiten gibt es, der Gewaltentstehung vorzubeugen? Die KBV hat hierzu einige Informationen und Hinweise für Praxen zusammengestellt.
Zusammenarbeit in der Krise
In der Krise arbeiten Behörden, staatliche sowie nicht staatliche Organisationen und Einrichtungen zusammen. Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben wie Polizei, Feuerwehr und Gesundheitsämter übernehmen die Koordination und bilden Krisenstäbe. Zum aktuellen Lagebild tragen die Kassenärztlichen Vereinigungen beispielsweise mit Informationen zur Verfügbarkeit der vertragsärztlichen Versorgung bei.
Die Praxisleitung ist im Krisen- oder Katastrophenfall verantwortlich für die Kommunikation im Team, mit Patientinnen und Patienten sowie wichtigen Akteuren und Partnern.
Kooperationsstrukturen aufbauen
Wägen Sie im Vorfeld einer Krise ab, welche Partner für Ihre Praxis relevant sind. Tauschen Sie sich zu Kooperationsmöglichkeiten aus und stimmen Sie sich zu einem gemeinsamen Vorgehen ab.
- Netzwerke vorab aufbauen, z. B. bestehende Qualitätszirkel, Arztnetze oder regionale Gesundheitskonferenzen zur Vorbereitung auf Krisen nutzen
- Gemeinsame Krisenkontaktliste pflegen und alternative Kommunikationswege abstimmen
- Notfallpläne abstimmen, z. B. Vertretungen, Übernahme von Patienten, Nutzung von Räumen, Einbindung ambulanter Pflegedienste
- Persönliche Kontakte herstellen, Zuständigkeiten klären Krisenszenarien besprechen und bei Bedarf üben