Hofmeister plädiert für primärärztliches Modell mit digitaler Unterstützung
Unter dem Motto „Lotsen im Gesundheitswesen: Wer steuert die Patienten?“ diskutierte Hofmeister mit der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis. Dabei machte Hofmeister gleich zu Beginn des einstündigen Gesprächs deutlich, wie dringlich das Thema ist. Schließlich bekomme es die Gesellschaft auf absehbare Zeit mit demografischen sowie mit morbiditätsbedingten Herausforderungen zu tun. An die Bundesregierung adressiert forderte er, dass die, die die Leistung erbringen würden, gehört werden müssten. Die KBV habe hierzu konkrete und gute Vorschläge gemacht.
Digitale Instrumente als Unterstützung
„Ich bin überzeugt, dass die gut gesteuerte ambulante Versorgung der preiswerteste Schritt ist, um die Gesunderhaltung und Wiedergenesung der Patienten zu gewährleisten“, fuhr Hofmeister fort. Die KBV präferiert seinen Worten zufolge ein primärärztliches Modell, ergänzt und unterstützt durch die digitale Plattform 116117, die auch telefonisch erreichbar ist. Letzteres solle allerdings so wenig wie möglich in Anspruch genommen werden, da dies hohe Kosten verursache.
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV wies darauf hin, dass es um dringende medizinische Fälle gehe. „Diese werden wir bedienen können“, sagte Hofmeister. Er warnte zugleich vor zu viel Technikgläubigkeit in der Debatte. Weltweit sei kein Tool vorhanden, das passgenau notwendige fachärztliche Leistungen erkenne, sagte Hofmeister. „Wir haben aber Ärztinnen und Ärzte, die so etwas können.“
Hofmeister erinnerte daran, dass heute jeder Patient zu jeder Zeit so viele Ärzte konsultieren dürfe, wie er wolle. Dies werde es in einem Primärarztsystem mit einer verbindlichen Steuerung nicht mehr geben. Für die Patienten hätten dies den großen Vorteil, dass sie schneller einen Termin beim Facharzt bekämen, wenn sie ernsthaft erkrankt seien und dringend behandelt werden müssten.
Stoff-Ahnis: Termingarantie würde falsche Erwartungen wecken
„Ein Primärversorgungssystem ist kein Sparprogramm“, stellte GKV-Vize Stoff-Ahnis klar. Nicht notwendige Arzt-Patienten-Kontakte könnten durch eine sinnvolle Steuerung vermieden werden, sodass sich Ärzte auf dringliche Fälle konzentrieren könnten. Zu ihrer Haltung zum Thema Termingarantie gefragt, sagte sie, dies sei nicht ihr Ziel.
„Wir streben eine bedarfsgerechte Versorgung an“, bei der medizinisch dringliche Fälle schnell einen Termin beim Facharzt bekämen. Hierzu sei aus ihrer Sicht ein Terminpool notwendig, an den alle Ärzte anteilig verpflichtend Termine melden sollten. Eine Termingarantie würde dagegen „falsche Erwartungen“ wecken. Eine zusätzliche Vergütung lehnte Stoff-Ahnis allerdings ab.
Die Sinnhaftigkeit einer klaren Steuerung im System hatte zu Beginn des Mittagstalks auch KBV-Chef Dr. Andreas Gassen betont. „Wir wollen keinen Gatekeeper voranstellen. Wir wollen eine inhaltliche Verbesserung, die dann durchaus in einem Qualitätssprung gipfeln kann, auch in schnelleren Behandlungszyklen und vielleicht am Ende des Tages sogar mit weniger Kosten, weil stationäre Aufenthalte nicht mehr notwendig sind oder Doppelmedikationen unterbleiben.“ Eine digitale Einschätzung vor allen anderen Kontakten lehne die KBV ab. „Wir glauben schon, dass es ein hoher Wert ist, dass Patientinnen und Patienten in Praxen bekannt sind.“
Gassen: Verbindlichkeit muss auch für die Patienten gelten
Gassen wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die beschlossenen Kürzungen im ambulanten Bereich die Situation insgesamt nicht einfacher machten, wenn es darum gehen werde, künftig noch genauer die medizinisch dringlichen Fälle von den weniger dringlichen zu trennen. „Wenn ich einen medizinisch dringlichen Termin vorziehe, dann heißt das in der Konsequenz, ein medizinisch nicht ganz so dringlicher Termin muss weiter nach hinten rutschen.“ Dafür jedoch bedürfe es Regeln und Instrumente sowie – ganz banal – einer qualifizierten Überweisung.
Es sei dabei wichtig, dass es beim Thema Steuerung auch eine Verbindlichkeit für die Patienten gebe. Würden diese das Vorhaben nur als weiteres Angebot wahrnehmen, das sie auch ablehnen könnten, würde das nicht zum Erfolg führen. Die Angst aufseiten der Politik, den Bürgern diese Verbindlichkeit zu kommunizieren, bezeichnete Gassen als unbegründet. So habe eine Umfrage der KBV in einer Notfallambulanz ergeben, dass zwei Drittel der dortigen Patienten positiv auf die Frage reagierten, wie sinnvoll sie eine Verbindlichkeit nach einer Ersteinschätzung fänden. „Alles wird nicht funktionieren, wenn man nicht an der Stelle die Patienten mitdenkt“, zeigte sich der KBV-Vorstandsvorsitzende überzeugt.