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Hofmeister: „Ambulante Versorgung ist wesentlicher Bestandteil für Resilienz“ – KBV unterstützt Praxen bei der Vorsorge für Krisen und Katastrophen
Hofmeister wies darauf hin, dass die Praxen mit rund 600 Millionen Behandlungsfällen pro Jahr die Hauptlast der medizinischen Versorgung in Deutschland tragen und schon deshalb gut für Krisen gerüstet sein müssten. Die Politik habe lange gebraucht anzuerkennen, dass die ambulante Versorgung ein ganz wesentlicher Bestandteil für Resilienz ist. Diese Erkenntnis wachse langsam und auf Landes- und Bundesebene würden Gespräche geführt. Dazu gehöre auch der Austausch zu Lagebildern mit Einbeziehung der Kassenärztlichen Vereinigungen in Katastrophenstäbe.
Hofmeister zufolge wird immer klarer, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen verändert werden müssen, „damit wir das ambulante Gesundheitswesen auch im Krisenfall, im Fall einer nationalen Krise, möglichst lange weiter arbeitsfähig halten“. Das Bundesgesundheitsministerium hat ein Gesundheitssicherstellungsgesetz angekündigt. Der Referentenentwurf liegt noch nicht vor.
Bei den Vorbereitungen von KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen geht es nach Angaben Hofmeisters auch darum, Ärzte und Psychotherapeuten zu unterstützen, ihren Praxisbetrieb auf eine Krise einzustellen. Er empfiehlt den Praxen, sich bei der Vorsorge für Krisen und Katastrophen auf die Maßnahmen zu konzentrieren, die sie selbst beeinflussen können. Denn für viele Dinge, die ausfallen könnten, wie Strom oder Wasser, seien sie nicht selbst verantwortlich. Sie könnten auch keine Arzneimittel besorgen oder über einen sehr kleinen Vorrat hinaus bevorraten.
Broschüre zur Vorsorge in Praxen für Krisen und Katastrophen
Hofmeister riet, sich zunächst damit auseinanderzusetzen, welche Praxisabläufe oder Funktionen zum Beispiel von einem Stromausfall betroffen sein könnten und was dann zu tun sei. Wie werde dann etwa im Praxisteam kommuniziert? Unterstützung bietet die neue Broschüre der KBV „Vorsorge in Praxen für Krisen und Katastrophen“, die auf der Tagung erstmals vorgestellt wurde. Darin werden verschiedene Krisenszenarien beleuchtet und aufgezeigt, wie Praxen für solche Fälle vorsorgen können.
Praxen können die Broschüre als PDF-Dokument herunterladen und demnächst auch über die Warenkorb-Funktion als gedrucktes Exemplar bestellen (die PraxisNachrichten werden berichten).
Als weitere Service-Angebote werden Checklisten und Muster-Dokumente bereitgestellt. Eine erste Checkliste trägt zu einem Überblick bei, inwieweit Bereiche und Prozesse der Praxis im Falle einer Krise beeinträchtigt werden können. Ein Muster-Dokument für eine Liste mit Notfallkontakten zur individuellen Anpassung unterstützt dabei, im Krisenfall wichtige Ansprechpartner kontaktieren zu können. Praxen können beide Dokumente kostenlos herunterladen.
Die KBV bündelt alle Informationen auf einer Themenseite im Internet, die sukzessive um weitere Inhalte zu konkreten Krisenszenarien wie Stromausfall und IT-Sicherheitsvorfall ergänzt wird.
Der Aufbau von krisenresilienten Strukturen war ein Thema der KBV-Herbsttagung, die am heutigen Donnerstag in Berlin stattfand. Unter dem Motto „Navigating Care: Resilienz, Orientierung und Kooperation in der ambulanten Versorgung“ diskutierten Expertinnen und Experten darüber hinaus zur Patientensteuerung im digitalen Zeitalter und zu modernen Versorgungskonzepten.
Weitere Informationen
Gesundheitssicherstellungsgesetz
Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an einem Gesundheitssicherstellungsgesetz. Nach Angaben des Ministeriums soll damit geregelt werden, dass es im Ernstfall klare Zuständigkeiten, funktionierende Kommunikationswege, ausreichende Behandlungskapazitäten, Personal und gegebenenfalls auch eine Bevorratung von Arzneimitteln und Medizinprodukten gibt.
Wichtig dabei sei ein zentraler Überblick über Behandlungskapazitäten, Transport- und Verlegungsmöglichkeiten und die Verfügbarkeit von kritischen Arzneimitteln und Medizinprodukten. Der Referentenentwurf sollte ursprünglich im Sommer 2026 vorgelegt werden.