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Stand 02.08.2019

Qualitätssicherung (sektorenübergreifend)

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung (sQS)

Viele medizinische Leistungen werden heute sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor durchgeführt. Auch werden Patienten im Verlauf einer Behandlung häufig in beiden Sektoren versorgt. Der Gesetzgeber hat deshalb den Gemeinsamen Bundesausschuss – das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland – verpflichtet, Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung zu entwickeln.

Die Qualitätssicherung betrifft sowohl Leistungen, die in Praxen und Krankenhäusern angeboten werden, als auch sektorenübergreifende Behandlungsabläufe. Ziel ist eine gleich hohe Qualität in beiden Bereichen.

Rechtliche Grundlagen

Die „Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (Qesü-RL)“ wurde zum 1. Januar 2019 von der „Richtline zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL)“ abgelöst. Ebenfalls zum 1. Januar 2019 wurden die beiden laufenden Verfahren "Perkutane Koronarinterventionen (QS PCI) und Koronarangiographie" und "Vermeidung nosokomialer Infektionen - postoperative Wundinfektionen (QS WI)" der Qesü-RL in die neue Rahmenrichtlinie überführt.

Aufbau der Richtlinie

Die Rahmenbestimmungen (erster Teil der Richtlinie) beinhalten die grundlegenden Strukturen und Prozesse, die zur Umsetzung der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung erforderlich sind, sowie die Aufgaben der beteiligten Organisationen. Die „themenspezifischen Bestimmungen“ (zweiter Teil der Richtlinie) enthalten spezifische Regelungen, die für die jeweiligen Qualitätssicherungsverfahren individuell getroffen werden.

DeQS-Richtlinie
Beschluss des G-BA zu den themenspezifischen Bestimmungen für QS NET sowie Änderungen der Verfahren QS PCI, QS WI und QS CHE für das Erfassungsjahr 2020
Themenschwerpunktseite sQS des G-BA

 

sQS-Verfahren

Bislang liegen drei sQS-Verfahren vor: „Perkutane Koronarintervention (QS PCI) und Koronarangiographie“, „Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen (QS WI)“ sowie die Qualitätssicherung der Gallenblasenoperationen/Choleszystektomie (QS CHE) in Krankenhäusern. Ab dem 1. Januar 2020 wird ein viertes sektorenübergreifendes Qualitätssicherungsverfahren zur "Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen (QS NET)" folgen.

Verfahren 1: Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie

Seit dem 1. Januar 2016 sind alle invasiv tätigen Kardiologen im Rahmen des ersten themenspezifischen sQS-Verfahrens "Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie" verpflichtet, jede Herzkatheter-Untersuchung und jede perkutane Koronarintervention bei gesetzlich versicherten Patienten zu dokumentieren.

Die fallbezogene Dokumentation unterliegt folgenden Datenlieferfristen:

Quartalsweise Lieferung zum 15. Mai, 15. August, 15. November und zum 28. Februar.
Die Daten des gesamten Erfassungsjahres müssen bis zum 28. Februar des auf das Erfassungsjahr folgenden Jahres bei der Datenannahmestelle vorliegen. Für kollektivvertraglich tätige Vertragsärzte übernimmt in der Regel die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Aufgabe der Datenannahme. Die Daten werden von dort an die Bundesauswertungsstelle (IQTIG) weitergeleitet und ausgewertet. Jeweils zum 30. Juni erhalten die Kardiologen ihre persönlichen Ergebnisberichte (Rückmeldeberichte). Bei auffälligen Ergebnissen wird die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) ein Stellungnahmeverfahren einleiten. Sollten diese Auffälligkeiten nicht ausreichend aufgeklärt werden, können die LAGen geeignete qualitätsfördernde Maßnahmen festlegen.

Im weiteren Verlauf ist geplant, zusätzlich zu der fallbezogenen QS-Dokumentation und den Sozialdaten bei den Krankenkassen, als weitere Datenquelle eine Patientenbefragung in das QS-Verfahren zu integrieren.

Weiterführende Informationen:

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA):
G-BA: Patienteninformation (PDF-Datei)
Beauftragung des IQTIG: Entwicklung von Patientenbefragungen im Rahmen des Qualitätssicherungsverfahrens PCIie (PDF-Datei)
Bundesqualitätsbericht 2016 (PDF-Datei)

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV):
Praxisinformation: QS-Verfahren Koronarangiographie/PCI (PDF-Datei) Textbaustein: Patienteninformation über die Verpflichtung zur Datenerhebung (PDF-Datei)

Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG):
Informationen zum QS Verfahren „PCI und Koronarangiographie"

Verfahren 2: Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen

Hinweis: Belegärztliche Dokumentation ab sofort bis 2020 ausgesetzt
Der G-BA hat in seiner Sitzung am 17. Januar 2019 beschlossen, die einrichtungsbezogene Dokumentation für belegärztliche Leistungen ab sofort bis zum Erfassungsjahr 2020 auszusetzen. Das Aussetzen der Dokumentationsverpflichtung betrifft ausschließlich den stationären Fragebogen bei Vertragsärzten (Belegärzten). Leistungen für Belegkrankenhäuser und ambulante Leistungen müssen weiterhin dokumentiert werden.

Link zum Beschluss

Die Vermeidung von Wundinfektionen nach chirurgischen Eingriffen ist das Ziel eines neuen Qualitätssicherungsverfahrens in Praxen und Kliniken, das seit 1. Januar 2017 gestartet ist.

Das Verfahren fußt auf zwei Säulen. Zum einen werden postoperative Wundinfektionen, die zur stationären Aufnahme geführt haben, im Krankenhaus erfasst. Durch eine Verknüpfung dieser Daten mit Sozialdaten, die den Krankenkassen vorliegen, ist es möglich, diese Wundinfektionen zurückzuverfolgen und festzustellen, wo der ambulante oder stationäre Eingriff erfolgt ist. Ob Ihre Fachgruppe von dieser Qualitätssicherungs-Richtlinie betroffen ist, entnehmen Sie bitte der „Anwenderinformation QS-Filter“ der einrichtungsbezogenen Spezifikation des IQTIG.

Zum anderen beantworten operierende Ärzte in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Krankenhäusern jährlich Fragen zum Hygiene- und Infektionsmanagement ihrer Einrichtung. Dies erfolgt im vertragsärztlichen Bereich im Rahmen einer webbasierten Befragung. Die Dokumentationspflicht beginnt erstmalig im ersten Quartal 2018 und bezieht sich auf das einrichtungsbezogene Hygiene- und Infektionsmanagement des Jahres 2017.

Die einrichtungsbezogene Dokumentation unterliegt folgender Datenlieferfrist:

Die Daten des gesamten Erfassungsjahres müssen bis zum 28. Februar bei der Datenannahmestelle der KV vorliegen. Ausnahme war das erste Erfassungsjahr, hier war die Frist der 30. April 2018. Im Mitgliederportal Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung steht Ihnen ein Webportal zur kostenfreien Dokumentation zur Verfügung. Der Leitfaden enthält eine Kurzanleitung und hilfreiche Hinweise zur Nutzung des Webportals zur Praxishygiene.

Die Rückmeldeberichte mit den Ergebnissen der einrichtungsbezogenen Befragung werden jeweils zum 30. Juni von der jeweiligen KV den Ärzten zur Verfügung gestellt. Bei auffälligen Ergebnissen wird die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) ein Stellungnahmeverfahren einleiten. Sollten diese Auffälligkeiten nicht ausreichend aufgeklärt werden, können die LAGen geeignete qualitätsfördernde Maßnahmen festlegen. In den ersten fünf Jahren unterliegen sowohl das QS-Verfahren als auch die Durchführung der Stellungnahmeverfahren einer sogenannten begleitenden Erprobung.

Leitfaden "Webportal „Einrichtungsbefragung zur Praxishygiene"

Ausfüllhilfe für die konkrete Beantwortung der einrichtungsbezogenen Befragung zum Hygiene- und Infektionsmanagement mit allen Fragen, kurzen Erläuterungen, passenden Musterdokumenten und weiterführenden Links.

 

Weiterführende Informationen:

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV):

Praxisinformation: QS-Verfahren Wundinfektionen (PDF)

Praxisinformation: QS-Verfahren Wundinfektionen - Einrichtungsbefragung (PDF)

Fragen und Antworten zur Einrichtungsbefragung - FAQ (PDF)

Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG):

Information zum QS-Verfahren „Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen“

Verfahren 3: Cholezystektomie (QS CHE)

Ab dem 1. Januar 2019 beginnt die Datenerhebung für die Qualitätssicherung (QS) der Gallenblasenoperation (Cholezystektomie). Diese war von 2006 bis 2012 Bestandteil der Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL). Nach einer grundsätzlichen Überarbeitung und Weiterentwicklung der Qualitätsindikatoren wurde das Verfahren nun in die datengestützte einrichtungs- und sektorenübergreifende QS integriert.

Ziel des Verfahrens ist es, die Rate an Komplikationen, Wiederholungseingriffen und Folgeerkrankungen nach Gallenblasenoperationen zu senken.

Nachdem das Verfahren 2019 für Belegärzte ausgesetzt wurde, besteht zum 1. Januar 2020 wieder eine Dokumentationspflicht für belegärztliche Operationen der Gallenblase. Die Operationen werden jedoch analog zu den Regelungen in der QSKH-RL dem Krankenhaus zugeordnet. Dadurch müssen Belegärzte ihre Leistungen - wie bisher unter der QSKH-RL - in der QS-Software des Krankenhauses dokumentieren, wobei ihre erhobenen Qualitätsdaten bei der Auswertung des Krankenhauses berücksichtigt werden. Belegärzte werden aber keinen separaten Rückmeldebericht erhalten und ihre Ergebnisse werden im Rückmeldebericht des Krankenhauses auch nicht separat ausgewiesen werden.

Weiterführende Informationen:

G-BA: Beschluss QS CHE vom 19. Juli 2018 sowie Änderungsbeschluss (belegärztliche Dokumentation) vom 18. Oktober 2018 

G-BA: Patienteninformation zur Datenerhebung Cholezystektomie

AQUA-Institut: Informationen zur Verfahrensentwicklung

Beschlossen: Verfahren 4: Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen (QS NET)

Ab dem 1. Januar 2020 werden zwei Bereiche der sektoralen Qualitätssicherung in einem neuen sektorenübergreifenden Verfahren zusammengeführt.

Beschluss vom 20.06.2019 über die Aufnahme des Verfahrens QS NET in die DeQS-RL

Das zukünftige Verfahren zur Qualitätssicherung der Nierenersatztherapie wird Indikatoren zur dauerhaften Dialysetherapie wie auch zur Versorgung während und nach einer Nieren- und/oder Pankreastransplantation enthalten.

Bestehende Regelungen des G-BA werden abgelöst:

Sicherung der Qualität von Dialysebehandlungen (QSD-RL)

Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL) – Leistungsbereich Nieren- sowie Nieren- und Pankreastransplantation

Ziel ist des Verfahrens ist es, die Kooperation zwischen Dialyseeinrichtungen und Transplantationszentren zu fördern sowie die Rate an Komplikationen, Begleit- und Folgeerkrankungen im Rahmen von Dialyse und Organtransplantation zu verringern.

Datenquellen der Qualitätsindikatoren sind zum einen die fallbezogenen Dokumentationen der Ärzte sowie Sozialdaten, die den Krankenkassen vorliegen. Diese Daten werden insbesondere genutzt, um den Behandlungsverlauf eines chronischen Nierenversagens über fünf beziehungsweise zehn Jahre erfassen und darstellen zu können (Follow-Up-Indikatoren). Eine Patientenbefragung wird aktuell entwickelt und wird voraussichtlich ab 2022 für den Einsatz im QS-Verfahren zur Verfügung stehen.

Weiterführende Informationen:

G-BA: Beauftragung einer Patientenbefragung für QS NET

Entwicklung von Qualitätsindikatoren und Qualitätsinstrumenten

Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) entwickelt im Auftrag des G-BA die für die Qualitätssicherungsverfahren notwendigen Qualitätsindikatoren und Qualitätsinstrumente. In seinen „Methodischen Grundlagen“ beschreibt das IQTIG die einzelnen Entwicklungsschritte. Dieses Methodenpapier wurde erstmalig im Jahr 2017 veröffentlicht.

Institutionen des Gesundheitswesens, wissenschaftliche Institutionen, Patientinnen und Patienten und deren Vertreter sowie weitere fachkundige Personen haben seither im Rahmen der Fortschreibungen Gelegenheit, zu dieser Methodenbeschreibung schriftlich Stellung zu nehmen, so auch die KBV. Im April 2019 wurden die „Methodischen Grundlagen“ durch das IQTIG letztmalig überarbeitet und veröffentlicht. Weitere Fortschreibungen sind geplant.