Eine Multi-Faktor-Authentifizierung bietet zusätzlichen Schutz
Passwörter gehören zum Praxisalltag und werden für zahlreiche Anwendungen benötigt, etwa für die Anmeldung im Praxisverwaltungssystem oder den Zugriff auf Online-Dienste. Gelangen Passwörter in die Hände Unbefugter, ist dies ein IT-Sicherheitsvorfall.
Die Folgen können erheblich sein: Sensible Patientendaten werden eingesehen, Benutzerkonten missbraucht, E-Mails im Namen der Praxis versendet oder wichtige Systeme gesperrt. Im schlimmsten Fall kann dies den Praxisbetrieb beeinträchtigen und zu finanziellen Schäden, Datenschutzvorfällen und einem Vertrauensverlust bei den Patientinnen und Patienten führen.
Um dem vorzubeugen und die Hürden für Angreifer zu erhöhen, kann zusätzlich zum Passwort (erster „Faktor“) ein sogenannter zweiter Faktor eingeführt werden, ohne den kein Zugriff möglich ist. Das Verfahren wird Zwei-Faktor- beziehungsweise Multi-Faktor-Authentifizierung genannt.
Zusätzliche Hürde erschwert Angriffe
Wichtig ist dies, weil Angreifer ständig und gezielt versuchen, Zugangsdaten zu erbeuten. Dies geschieht beispielsweise durch Phishing-E-Mails, gefälschte Anmeldeseiten oder Schadsoftware, die Benutzernamen und Passwörter ausspäht. Sind die Zugangsdaten erst einmal bekannt, können Unbefugte auf Systeme und Daten zugreifen, ohne technische Sicherheitslücken in der Praxis-IT ausnutzen zu müssen.
Besonders gefährlich ist es, wenn die Angreifer Zugriff auf einen E-Mail-Account bekommen. Dadurch können sie bei vielen Online-Diensten das Passwort zurücksetzen lassen und anschließend ein eigenes Passwort vergeben. Im schlimmsten Fall übernehmen die Angreifer mehr und mehr Online-Konten (Accounts) und sperren die eigentlichen Inhaber aus.
Kein Zugriff, wenn der zweite Faktor fehlt
Die Multi-Faktor-Authentifizierung erschwert solche Angriffe erheblich. Selbst wenn ein Passwort in falsche Hände gerät, benötigen Angreifer zusätzlich einen zweiten Faktor, etwa ein Smartphone mit Authenticator-App oder einen physischen Sicherheitsschlüssel. Dadurch lassen sich viele unbefugte Anmeldeversuche bereits in einem frühen Stadium verhindern.
Besonders sinnvoll ist die Nutzung der Multi-Faktor-Authentifizierung für E-Mail-Konten, Cloud-Anwendungen, Fernzugriffe auf das Praxisnetzwerk und andere Systeme, die sensible Patientendaten verarbeiten.
Einführung Schritt für Schritt
Bei der Einführung sollten Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber gemeinsam mit ihrem IT-Dienstleister prüfen, welche Anwendungen die Multi-Faktor-Authentifizierung unterstützen und wie sie sich möglichst benutzerfreundlich umsetzen lässt. Auch sollten sie im Praxisteam besprechen, welches Verfahren praktikabel ist.
Denn die zusätzliche Anmeldung sollte das Praxisteam im Arbeitsalltag möglichst wenig beeinträchtigen und zugleich einen wirksamen Schutz vor unbefugten Zugriffen bieten. Sinnvoll kann es sein, sich gemeinsam im Team für ein Verfahren zu entscheiden, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht verschiedene Multi-Faktor-Authentifizierungsverfahren im Praxisalltag nutzen.
Wichtig ist auch, ein Notfallverfahren festzulegen, falls die App nicht funktioniert oder das Smartphone nicht auffindbar ist.
Die Multi-Faktor-Authentifizierung kann auf unterschiedliche Weise umgesetzt werden. Welche Verfahren für die meisten Praxen infrage kommen können, zeigt eine Übersicht (siehe unten). Auch die Einführung der Multi-Faktor-Authentifizierung wird Schritt für Schritt beschrieben.
Nächster Teil der Serie am 3. Dezember
Im nächsten Teil unserer Serie am 3. Dezember geht es um die IT-Sicherheit beim Jahreswechsel und worauf Praxen besonders achten sollten.
Multi-Faktor-Authentifizierung